Deutsche Exporte nach Russland brechen dramatisch ein

Der Rückgang der deutschen Exporte nach Russland hat sich im ersten Halbjahr dramatisch beschleunigt: In den vergangenen drei Jahren haben sich die Exporte halbiert, weil die EU-Sanktionen eine ohnehin fragile Lage weiter verschärft haben. Deutsche Unternehmen wie adidas stellen den russischen Markt trotzdem nicht in Frage.

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Der Rückgang der deutschen Exporte nach Russland hat sich im ersten Halbjahr wegen der westlichen Sanktionen erheblich beschleunigt. Die Ausfuhren schrumpften von Januar bis Juni um rund 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf knapp 10,5 Milliarden Euro, geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters am Montag vorlagen. Im Gesamtjahr 2013 waren die Exporte wegen der schwachen Konjunktur in Russland bereits um sechs Prozent eingebrochen, 2014 dann wegen der Sanktionen um weitere 18 Prozent. Für dieses Jahr rechnet der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft insgesamt mit einem Einbruch um ein Viertel oder neun Milliarden Euro.

Russland gehörte lange zu den am schnellsten wachsenden Märkten für die deutschen Unternehmen: Von 2000 bis 2014 vervierfachten sich die Ausfuhren dorthin. Unter den wichtigen Kunden Deutschlands wies nur China höhere Steigerungsraten auf. Wegen des Ukraine-Konflikts hat der Westen Sanktionen verhängt und im Juni verlängert.

Moskau reagierte darauf mit Gegenmaßnahmen. Deshalb schrumpften auch die deutschen Importe aus Russland. Sie gingen im ersten Halbjahr um rund 24 Prozent auf knapp 15,5 Milliarden Euro zurück. Die Russische Föderation ist Deutschlands wichtigster Energielieferant. Annähernd ein Drittel der Importe von Erdöl und Erdgas kamen 2014 aus Russland, vier Fünftel der deutschen Importe aus Russland sind der Energieversorgung zuzurechnen.

Die deutsche Wirtschaft fordert seit Monaten den sofortigen Stopp der Sanktionen. Einzig die Rüstungsindustrie profitiert von einem Szenario, in dem Beobachter auch eine militärische Konfrontation für möglich halten.

Die Bundesregierung hat sich bisher nicht zu dem Thema geäußert. Es ist nicht bekannt, ob die deutsche Wirtschaft mit Kompensationszahlungen rechnen kann.

Zahlreiche deutsche Unternehmen versuchen, in Russland auszuharren und hoffen auf eine Besserung der Lage. Ein Sprecher des Sportartikelherstellers adidas sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten, man setze weiter auf den wichtigen russischen Markt. Allerdings habe man keine Pläne, das Netz der adidas-Shops aktuell auszuweiten. Wegen des starken Dollar profitiert adidas trotz einer gewissen Ernüchterung weiter auf dem russischen Markt.

Die Fußball-WM in Russland ist für den Sportkonzern ein wichtiges Ereignis, mit dem auch die Verkäufe in Russland wieder angekurbelt werden wollen. Adidas ist exklusiver Partner der Fifa und kann daher bei der WM mehr gewinnen als der US-Konkurrent Nike. Die US-Regierung attackiert die Fifa gerade massiv wegen verschiedener Korruptions-Skandale. Auch die WM in Moskau ist ins Gerede gekommen. Allerdings haben die Amerikaner den Russen bisher kein Fehlverhalten bei der Vergabe nachweisen können.

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