Studie: Kriegs-Gefahr zwischen der Nato und Russland steigt

Lesezeit: 2 min
24.08.2015 00:43
Die Nato und Russland bereiten sich offenbar seit Monaten auf einen möglichen militärischen Konflikt vor. Ein britischer Think Tank zeigt in einer Studie auf, dass sich die geopolitischen Rahmenbedingungen verändert haben. Der Politik droht die Kontrolle über das Geschehen zu entgleiten.

Der britische Think Tank European Leadership Network (ELN) hat in einer Studie die Planung und Durchführung von Militär-Manövern analysiert. Der Autoren kommen zu dem Ergebnis: „Russland bereitet sich auf einen Konflikt mit der Nato vor, die Nato bereitet sich auf eine mögliche Konfrontation mit Russland vor.“ Dies sei aus dem Design zu erkennen, nach dem die Manöver der vergangenen 15 Monate durchgeführt werden. Die Studie zeigt anhand von zwei Grafiken, dass die Nato ihre Aktivitäten nach Osten verlagert habe, während die Russen vor allem in Richtung Westen operieren:

Die Autoren schreiben, dass zwar beide Seiten behaupten, die Manöver richteten sich gegen „hypothetische Gegner“. Tatsächlich richteten sich die Ziele der Manöver jedoch gegeneinander. ELN empfiehlt, die Spannungen so schnell als möglich zurückzufahren. So müssten sich die beiden Militärblöcke rechtzeitig über die Manöver informieren. Die Nato habe damit bereits wieder begonnen, von Russland vermissen die Autoren diesen Schritt. Außerdem solle die OSZE einbezogen werden, weil diese Gruppe von Vertretern beider Seiten beschickt werden.

Doch tatsächlich scheint die Politik immer mehr in die Defensive zu geraten: Zunächst hatte die Nato die Bedrohung aus Russland als eine ihrer Haupt-Ziele definiert. Nach dem Nato-Gipfel von Wales hat Deutschland seine Militär-Doktrin geändert. Demnach wird Russland wieder als Feind gesehen. Die deutsche Waffen-Industrie hat damit begonnen, Kriegsgerät aller Art vor allem an die Staaten Osteuropas zu vertreiben. Vor allem die Regierungen in Ost-Europa sehen in der Zuspitzung eine Möglichkeit, an neue Finanzmittel zu kommen. So sprach der polnische Präsident Andrzej Duda bei seinem Estland-Besuch von „imperialen Tendenzen“. Duda nannte Russland zwar nicht ausdrücklich, es ist jedoch unzweifelhaft, dass er Russland gemeint hat. Polen will von der Nato ständige Stützpunkte in Osteuropa.

In einem interessanten Doppel-Porträt von Angela Merkel und Wladimir Putin analysiert die BBC, dass die Kriegsbereitschaft in Deutschland gering sei – vor allem gegen Russland. Daher werde die Kanzlerin versuchen, den Konflikt, der vor allem über die Ukraine ausgebrochen ist, mit Verhandlungen zu lösen. Besondere Führungsstärke traut die BBC Merkel allerdings nicht zu.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow wirkt da schon entschiedener: In einem Gastbeitrag für eine russische und für eine chinesische Zeitung schreibt Lawrow, wie die TASS meldet, dass die Achse Moskau-Peking nicht zulassen dürfe, dass die Geschichte des Zweiten Weltkriegs umgeschrieben werde: Die Sowjetunion hat den Sturz des nationalsozialistischen Regimes mit Millionen Todesopfern erkämpft. Nun sei es an der Zeit, die zahlreichen Kriege in der Welt zu beenden. Dazu müsse verhindert werden, dass die USA versuchten, die Weltherrschaft an sich zu ziehen. Lawrow sieht in der Zusammenarbeit zwischen China und Russland die Garantie, dass dies gelingen könne. Die Zusammenarbeit solle, so Lawrow, auch auf eine enge militärische Kooperation umfassen.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Fall Huawei: Merkel widersteht Druck der US-Regierung, nun folgt Palastrevolte von CDU-Abgeordneten

Eine Reihe von CDU-Abgeordneten fordern von Kanzlerin Merkel, Chinas Technologie-Riesen Huawei nicht am Ausbau des 5G-Netzes zu beteiligen....

DWN
Finanzen
Finanzen Weik & Friedrich: Der erste Schritt ist getan, jetzt kommen Negativzinsen von 4 Prozent für alle

Mit der Volks- und Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck erhebt die erste Bank Negativzinsen ab dem ersten Euro auf Tagesgeldkonten. In wenigen...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Strompreis springt von Allzeithoch zu Allzeithoch

Berechnungen zufolge werden die Strompreise in Deutschland auch im kommenden Jahr abermals stark steigen. Hintergrund sind deutliche...

DWN
Politik
Politik Europas Christdemokraten fordern rasche Integration des Balkan in die EU

Die Europäische Volkspartei hat eine Dringlichkeits-Resolution verabschiedet, die eine Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Gewinne im Ausland verpulvert, Güterverkehr ein Fiasko: Experte wirft der Bahn schwere Verfehlungen vor

Die Bahn kommt nicht aus der Krise. Im DWN-Interview entwirft Deutschland Bahn-Experte Nummer eins, Christian Böttger, das erschütternde...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Ratsmitglied deutet erstmals Aktienkäufe durch die Zentralbank an

Erstmals hat ein Mitglied des EZB-Rats öffentlich die Möglichkeit angedeutet, dass die Zentralbank künftig auch Aktien in ihre Bilanz...

DWN
Politik
Politik Bolivien: Militärs gehen brutal gegen die indigene Bevölkerung vor

Die bolivianischen Sicherheitskräfte setzen Panzer und Hubschrauber gegen die protestierende indigene Bevölkerung ein. Die selbsternannte...

DWN
Politik
Politik USA fordern von Südkorea mehr Geld für stationierte US-Truppen

Die Gespräche zwischen Washington und Seoul über die Aufteilung der Kosten für den Verbleib von US-Truppen in Südkorea wurden vorzeitig...

DWN
Politik
Politik Epstein-Skandal: Fernseh-Interview wird für Prinz Andrew zum Fiasko

Prinz Andrew gerät im Zuge des Prostitutionsskandals um den inzwischen verstorbenen Jeffrey Epstein unter starken öffentlichen Druck.

DWN
Finanzen
Finanzen Krypto-Königin bringt Anleger um Milliarden und taucht unter

Die Gründerin der Betrugs-Kryptowährung OneCoin ist nach der Aufdeckung des Skandals untergetaucht. Ihr Bruder, der gestanden und...

DWN
Finanzen
Finanzen Moody’s senkt Ausblick für Deutschlands Bankenbranche auf „negativ“

Der US-Ratingagentur Moody’s zufolge nimmt die Kreditwürdigkeit deutscher Banken ab.

DWN
Deutschland
Deutschland Investoren stoßen in großem Umfang Schuldscheine von Autozulieferer Leoni ab

Der Automobilzulieferer Leoni AG, eines der ältesten deutschen Unternehmen, steht bei Anlegern unter Druck. Dies zeigt die wachsende...

DWN
Politik
Politik Griechenland: Die EU benutzt uns als „Parkplatz für Migranten“

In der EU existiert auch vier Jahren nach der Flüchtlingskrise von 2015 keine einheitliche Asyl- und Migrationspolitik. Der griechische...

DWN
Deutschland
Deutschland Altmaier verteidigt Abstandsregeln: Windkraftgipfel geht ohne Ergebnisse zu Ende

Das Treffen zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und Vertretern der Windkraftbranche ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Politik...

celtra_fin_Interscroller