Autobranche fürchtet Strafmaßnahmen

Der Präsident des europäischen Autoverbandes warnt vor zu schnellen und harten Maßnahmen gegenüber den europäischen Autobauern. Man dürfe nur aufgrund der Abgas-Affäre nicht eine ganze Branche schädigen. Nicht nur die Hersteller auch die Zulieferer rechnen mit negativen wirtschaftlichen Folgen.

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Beim Thema Abgasnorm waren sich Merkel und Juncker bisher nicht einig. Geht es nach der Autolobby soll das auch so bleiben. (Foto: EU-Kommission)

Beim Thema Abgasnorm waren sich Merkel und Juncker bisher nicht einig. Geht es nach der Autolobby soll das auch so bleiben. (Foto: EU-Kommission)

Die europäischen Autobauer haben angesichts des Skandals um manipulierte Diesel-Abgaswerte bei Volkswagen vor einer Überreaktion der Politik gewarnt. „Wir sollten Maßnahmen vermeiden, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche untergraben“, erklärte der Präsident des europäischen Autoverbandes ACEA, Renault-Chef Carlos Ghosn, in einem Reuters vorliegenden Brief an den EU-Industrieministerrat. Schließlich stehe die Autoindustrie für gut zwölf Millionen Arbeitsplätze in Europa. Auch BMW-Chef Harald Krüger warnte am Freitag davor, den Technologiestandort Deutschland und seine Schlüsselindustrie infrage zu stellen. „Ein Generalverdacht ist fehl am Platz“, sagte er der Süddeutschen Zeitung.

Wie aus dem Schreiben des ACEA hervorgeht, fürchtet die Autoindustrie, dass wegen des Abgasskandals die gerade noch verhandelten Vorgaben zum neuen Messverfahren „Real Driving Emissions“ (RDE) verschärft werden. Die Frage, wie Emission realistischer gemessen werden könnten, dürfte nicht vermischt werden mit den Abgas-Manipulationen von VW, appellierte Ghosn in dem Brief. Er äußerte in dem Schreiben den Verdacht, die USA wollten mit ihrem Vorgehen im Abgasskandal die Marktführerschaft der Europäer bei Diesel-Autos attackieren. Mit dem neuen Verfahren sollen die Schadstoffwerte auch im Straßenbetrieb und nicht länger nur auf dem Rollenprüfstand gemessen werden. Denn bisher ist die gemessene Schadstoffbelastung nur im Labor unter den Grenzwerten, während Autos im Fahrbetrieb ein Mehrfaches des Erlaubten ausstoßen. Mit RDE soll diese Kluft verringert werden.

Auch die Zulieferer haben sich mittlerweile zu Wort gemeldet. Volkswagen sollte im Diesel-Skandal nach Ansicht des Autozulieferers und Anlagenbauers Voith rasch aufklären und seine Verfehlungen offen zugeben. „Gerade in Amerika schätzen die Menschen es, wenn man Fehler eingesteht, Reue zeigt, Besserung gelobt und schnell Taten folgen lässt“, sagte Voith-Chef Hubert Lienhard der FAZ. Sollte VW die richtigen Konsequenzen ziehen, „dann werden auch die Kunden akzeptieren, dass in einem Unternehmen Fehler gemacht werden können“. Zudem legte Lienhard den Wolfsburgern nahe, bei ihrem Vorgehen nicht nur den finanziellen Aufwand zu sehen. „Eins ist in dem aktuellen Fall klar: Kosten sind zunächst zweitrangig, es geht um Vertrauen.“ Voith macht auch Geschäfte mit VW, die Firma aus Heidenheim (Baden-Württemberg) ist unter anderem in den USA tätig.

Die EU-Kommission will unterdessen die neuen Messverfahren schneller, nämlich bis Ende des Jahres verabschieden. Sie sollen für alle Neufahrzeuge ab Herbst 2018 gelten. Der ACEA kündigte in dem Schreiben an, die Hersteller könnten das erst bis September 2019 schaffen. BMW-Chef Krüger erklärte dagegen, die Auto-Konzerne müssten täglich am Vertrauen ihrer Kunden arbeiten. Dazu gehöre auch, „dass wir uns ohne Wenn und Aber an die Vorgaben der Politik halten“. Auch hier versuchte die Autolobby bereits erneut Einfluss zu nehmen.

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