Schulden-Krise: Rating-Agenturen strafen zahlreiche Länder ab

Im ersten Halbjahr haben Rating-Agenturen deutlich mehr Länder herabgestuft als im Vorjahr. Hauptgrund dafür waren meist sehr hohe Schulden in Kombination mit einer schwächelnden Wirtschaft. Die sich häufenden Herabstufungen könnten Vorboten einer Schuldenkrise von globalem Ausmaß sein.

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Die drei größten Rating-Agenturen haben im ersten Halbjahr die Kreditwürdigkeit von deutlich mehr Staaten herabgestuft, als in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres. Moody’s stufte dieses Jahr bereits 24 Staaten zurück – 2015 waren es bis Jahresmitte nur 10 gewesen. Standard & Poor’s strafte 16 Staaten ab – so viel wie in keinem anderen Halbjahr zuvor mit Ausnahme des Jahres 2011 – und Fitch 14, wie Financial Times schreibt. Zu den Ländern, die von allen drei Agenturen schlechter bewertet wurden, gehören wirtschaftliche Schwergewichte wie Saudi-Arabien oder Brasilien.

Als Hauptgrund für die negativen Korrekturen kristallisierten sich in den meisten Fällen hohe Schuldenstände, ein nachlassendes Wirtschaftswachstum oder eine Kombination beider Probleme heraus. Mit den Verweisen auf die Staatsschulden und die Weltwirtschaft wird eine Problematik vorgezeichnet, welche in den kommenden Jahren zum beherrschenden Thema an den Finanzmärkten avancieren dürfte. Auch der Verfall der Rohstoffpreise – allen voran für Erdöl – hat die Kreditwürdigkeit vieler Länder beeinträchtigt.

Großbritannien wurde nach dem EU-Referendum von S&P und Fitch herabgestuft, Moody’s drohte mit diesem Schritt. „Die kurzfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexit-Referendums werden für Großbritannien besonders schwerwiegend sein“, wird ein Repräsentant von Fitch zitiert. Aber auch für Europa als Ganzes berge der Austritt große Probleme: „Europas politischer Rückschritt könnte negative Auswirkungen auf die Bewertung der Staaten haben. Gerade in der Eurozone kann man einige vergleichsweise hohe Schuldenstände beobachten, welche die Bewertungen wahrscheinlich herabziehen werden.“

Auch bedeutende Schwellenländer, welche bislang als „Motor“ der Weltwirtschaft fungierten, finden sich zunehmend im Fokus der Agenturen. „Ich sehe Parallelen zwischen den Herabstufungen von Ländern der südlichen Peripherie während der Euro-Krise 2011 und dem, was sich gerade bei den Schwellenländern abspielt“, wird ein Analyst der UBS zitiert. „Das ist wirklich sonderbar, die Bonität dieser Länder wird unzweifelhaft schwächer aber die Investoren drängen immer noch herein, weil es dort noch nennenswerte Renditen zu erwirtschaften gibt.“

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