Politik

Griechenland: Samaras bietet Einheits-Regierung an, Tsipras lehnt ab

Lesezeit: 1 min
03.04.2015 02:23
Griechenlands Ex-Premier Antonis Samaras bietet Regierungs-Chef Alexis Tsipras die Gründung einer Einheits-Regierung an. Doch dieser lehnt das Angebot ab. Daraufhin wirft der erboste Ex-Premier der Regierung in Athen eine Nähe zum Iran, Russland und China vor.
Griechenland: Samaras bietet Einheits-Regierung an, Tsipras lehnt ab

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Ex-Regierungschef Antonis Samaras sagt, er sei bereit sich einer Regierung der nationalen Einheit anzuschließen, wenn die Zugeständnisse, die zur Sicherung der Kredite notwendig sind, einen Streit innerhalb der Regierungs-Koalition auslösen sollten. „Wenn der Plan ist, Griechenland im Euroraum zu halten, dann werde ich das unterstützen (…) Ein Euro-Austritt würde die totale Katastrophe signalisieren“, zitiert Bloomberg Samaras. Der Verbleib im Euro-Raum sei für Griechenland der einzig denkbare wirtschaftliche Weg.

Samaras wörtlich:

„Für den Euro-Raum wären die Übertragungs-Effekt eines Euro-Austritts Griechenlands heute nicht mehr so groß, wie sie es noch vor vier Jahren gewesen wären (…) Aber dieser wäre immer noch groß und würde zu einer politischen Katastrophe führen“.

Der amtierende Regierungs-Chef Alexis Tsipras hingegen wies die Aussicht auf eine Kooperation mit Samaras zurück. „Szenarien über eine Pro-Bailout-Einheitsregierung, die von Herr Samaras und verschiedenen Kräften in Griechenland ausgefeilt werden, sind ein Sommernachts-Traum“, erklärte der Tsipras-Sprecher Gabriel Sakellaridis in einer Mitteilung.

Griechenland muss am kommenden Donnerstag eine Kreditrate von 450 Millionen Euro an den IWF zahlen. Innenminister Nikos Voutzis hatte deren fristgerechte Begleichung zuletzt infrage gestellt. Doch ein Regierungssprecher hatte kurz darauf eine pünktliche Zahlung zugesichert. Währenddessen stockte die EZB den Kredit-Rahmen, mit denen über die Notenbank in Athen die Banken des Landes Liquiditäts-Kredite erhalten, auf fast 72 Milliarden Euro auf.

Tsipras sagt, dass er einen „ehrenvollen Kompromiss“ aushandeln möchte, der den Weg für weitere Kredite ebnet und ein Grexit verhindert. Dazu sagt Samaras: „Ich beobachte eine Menge Floskeln, Theorien, viele Lügen und keinerlei Aktionen (..) All diese Dinge summieren sich zu einem großen Fragezeichen (…) Die Regierung sollte die Verpflichtungen, die im Februar-Deal zur Verlängerung des Bailouts beschlossen wurden, ehren (…) Wenn sie ideologisch entscheiden, dass sie sich nicht an diese Vereinbarung halten werden, könnte dies zur Zahlungsunfähigkeit führen.“

Doch der Ex-Regierungschef kritisiert auch die aktuelle griechisch-russische Annäherung. Dies untergrabe die Glaubwürdigkeit des Landes. Kommende Woche wird Tsipras zu einem Staatsbesuch nach Moskau fahren.

Samaras fügt hinzu, dass Tsipras seinen Cousin nach Teheran entsendet habe, um dem Iran Käufe von griechischen Staatsanleihen anzubieten. „Wenn man sich in Europa befindet und gleichzeitig das eigene Haushaltsdefizit von Chinesen, Iraner und Russen finanzieren lassen will, entsendet man dann nicht das Signal an den Rest Europas, dass man nicht wirklich ein ernster Pro-Europäer ist?“, fragt Samaras.

Samaras versucht offenbar, die EU und den Westen gegen die Regierung in Athen aufzubringen. Bei seinem Vorschlag zur Gründung einer Einheits-Regierung geht es ihm in erster Linie darum, die Tsipras-Regierung wieder auf West-Kurs zu bringen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Mit digitalem Gold auf Erfolgskurs

Die Vervielfachung der Geldmenge hat enorme Auswirkungen. Die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite zeichnet sich...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zwischen Russland und Saudi-Arabien bahnt sich ein neuer Ölpreis-Krieg an

Im März findet das nächste Treffen der OPEC + statt. Während Saudi-Arabien die Öl-Produktion weiter drosseln will, plädiert Russland...

DWN
Politik
Politik Jetzt bahnt sich auch ein digitaler EU-Impfpass an

Am 25. und 26. Februar werden die Mitglieder des Europäischen Rates zusammenkommen, um über die Einführung von digitalen Impfpässen zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Plötzlich üben die Medien Kritik an Spahn, doch es ist zu spät

Die Medienlandschaft hat sich dazu durchgerungen, Jens Spahn zu kritisieren. Doch es ist zu spät, obwohl die Deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank warnt vor überhöhten Immobilienpreisen

Im vergangenen Jahr haben die „markanten Preisübertreibungen“ auf dem Wohnungsmarkt zugenommen, so die Bundesbank. Teilweise liegen...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitale Zentralbankwährungen für den Großhandel und Einzelhandel bahnen sich an

In einem aktuellen Bericht plädiert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für die Einführung von digitalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld-Nutzung in den USA ist während der Pandemie gestiegen

In den USA ist nach Angaben eines Unternehmens für Sicherheitsdienste und Werttransporte die Bargeldnutzung gestiegen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schwab hatte es „vermutet“: Großunternehmen werden größer, während Kleinunternehmen ganz verschwinden

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab schreibt in seinem Buch „Covid-19: Der Grosse Umbruch“, das im Juli 2020 erschienen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundeskabinett beschließt Einführung des digitalen Impfpasses

Das Bundeskabinett hat am Montag die Einführung eines digitalen Impfpasses beschlossen, damit Geimpfte Restaurants und Konzerte besuchen...

DWN
Politik
Politik Blackwater-Gründer Prince spielte zentrale Rolle im Libyen-Krieg

Einem UN-Bericht zufolge spielte der Blackwater-Gründer Erik Prince eine wichtige Rolle im Libyen-Konflikt. Dass die UN erst jetzt auf...

DWN
Finanzen
Finanzen BÖRSE AKTUELL: Heftige Korrektur bei Bitcoin - jetzt wird der Einstieg vollends zum Vabanque-Spiel

Gestern vermeldeten wir den rapiden Kursverfall der Kryptowährung "Bitcoin". Heute liefert unser Börsen-Experte Andreas Kubin, wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Anleger hoffen nach Powells Rede weiter auf Riesen-Konjunkturpaket aus den USA

Die Börsen entwickeln sich langsam weiter. Heute Nachmittag warten die Anleger auf wichtige Konjunkturdaten.

DWN
Politik
Politik E-Patientenakte: Merkel und Spahn haben den Datenschutz ausgehebelt, doch keiner hat es bemerkt

Die Bundesregierung hat durch ein neues Patientenakten-Gesetz den Datenschutz ausgehebelt. In der Akte sollen alle relevanten...

DWN
Deutschland
Deutschland Geduld des Handels ist am Ende: Klagewelle gegen Lockdown rollt

Obi, Media Markt, Breuninger und Co. wollen nicht länger auf Zugeständnisse der Politik warten. Immer mehr Händler versuchen, vor...