Technologie

Investor baut komplette Stadt, um sie als Technologie-Labor zu vermieten

Ein US-Investor baut eine komplette Stadt ohne Einwohner als Test-Labor für Innovationen. Die CITE wird eine funktionsfähige Infrastruktur mit Straßen, Wasser, Strom, Kirche und Flughafen bekommen und soll eine Milliarde Dollar kosten. Jeder kann die Stadt mieten, um neue Technologien wie etwa fahrerlose Autos oder alternative Energieversorgung unter realen Bedingungen zu testen, ohne dabei auf die Einwohner Rücksicht nehmen zu müssen.
27.05.2015 13:15
Lesezeit: 2 min

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Im US-Bundesstaat New Mexico entsteht ein privat finanziertes Test-Zentrum für Innovationen namens CITE (Center for Innovation, Testing and Evaluation). CITE soll nach Angaben der verantwortlichen Pegasus Global Holding als Einrichtung für die Betriebsprüfungen, Bewertung und Vermarktung von Innovationen und Zukunfts-Technologien dienen.

Es soll ein Testumfeld bieten für Technologien, um sie in städtischen Infrastrukturen zu integrieren, ohne dabei auf Bewohner Rücksicht nehmen zu müssen. Durch zahllose Sensoren und Messgeräte in allen Leitungen, Gebäuden und Straßen soll es zudem detaillierte Mess-Ergebnisse über die Auswirkungen der Technik auf die Wirtschaft liefern, zum Beispiel im Bereich Energie, Transport, Telekommunikation, Sicherheit oder Landwirtschaft.

CITE wird dazu eine vollständig an das Struktur- und Versorgungsnetz angeschlossene Anlage, die nach dem Vorbild einer mittelgroßen amerikanischen Stadt entworfen wurde, einschließlich aller innerstädtischen, vorstädtischen und ländlichen Gebiete, mit Straßen, Gebäuden, Stromversorgung, Wasser und Kanalisation, Telekommunikationsnetz, Rathaus, Schulen, Flughafen, Einkaufscenter, Kirche und Tankstellen - sogar Kunst und Graffiti soll es geben und alles was sonst dazu gehört – bis auf die Einwohner. Anders als in den bekannten chinesischen Geisterstädten ist das Fehlen der Menschen jedoch beabsichtigt, das US-Magazin Atlantic spricht daher von einer „umgekehrten Geisterstadt“.

Als Repräsentation der modernen Stadt will CITE es den Kunden so ermöglichen, die Vorteile und die Kosten der von ihnen vorgeschlagenen Innovationen und Technologien, sei es Hardware oder Software, ausgiebig und ungestört unter realen Bedingungen zu testen – ohne dabei von lästigen Menschen gestört zu werden oder das Leben echter Stadtbewohner zu stören.

Dabei geht es nicht um einen Prototypen der Stadt der Zukunft, sondern vielmehr um eine realistische Stadt unserer Zeit, wie der Leiter des Projekts Robert Brumley dem Atlantik erklärte: Die CITE sollte „mehrere Schichten älterer Technologie haben und oben drauf neuere Technologie. Also nicht nur Glasfaserkabel, sondern auch Kupfer.“ Am Ende solle die Stadt wirken wie eine „vollständig aktive, bevölkerte, lebendige, atmende Stadt, deren Bevölkerung eines Tages plötzlich verschwunden ist“. Es sollte aussehen, wie von den Menschen verlassen, und nicht so, als ob die Menschen noch nie dort gelebt haben.

Wenn der Bau wie erwartet in etwa vier Jahren abgeschlossen ist, wird CITE damit das größte Forschungslabor des Planeten: Es simuliert einen Lebensraum, der rund 35.000 Einwohnern Platz böte und soll die Pegasus Holding am Ende eine Milliarde Dollar kosten.

Der Investor ist überzeugt, dass die Nachfrage für so ein Testcenter existiert und sich mit der Vermietung des Geländes die Investitionssumme wieder reinholen lässt. Derzeit ist die Idee insbesondere für die Vernetzung des Verkehrs interessant: Autobauer und IT-Industrie arbeiten immer enger zusammen, um selbstfahrende Fahrzeuge zu entwickeln. Allerdings können diese nur einen Bruchteil der möglichen Technologien im realen Straßenverkehr testen, da sie für riskante oder unerprobte Neuerungen keine Straßenzulassung bekommen. Auch Smart-City-Projekte wie intelligente Stromnetze oder neue Verteilungsmöglichkeiten können so getestet werden, ohne gleich Gefahr zu laufen, dass im Ernstfall tausende Menschen ohne Strom dastehen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Finanzen
Finanzen Polen setzt auf Atomenergie: Orlen verspricht den Bau des ersten SMR-Reaktor Europas
31.08.2025

Polen baut Europas ersten Small Modular Reactor (SMR) vom Typ BWRX-300. Während Warschau auf Kernkraft setzt, könnte Deutschland bald...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fossiles Heizen: Explodieren die Preise 2027?
30.08.2025

Seit Jahren herrscht ein Kampf in Europa: Wie kann man die klimaschädlichsten Aspekte des Gebäudesektors in Angriff nehmen und...

DWN
Finanzen
Finanzen Wird die Grundsteuer erhöht? Zu viele Ausgaben, zu wenig Einnahmen - deutsche Kommunen vorm finanziellen Kollaps
30.08.2025

Fast neun von zehn Städten und Gemeinden in Deutschland droht in absehbarer Zeit die Pleite, wie der Stadt Moers in NRW. Die Kommunen...

DWN
Technologie
Technologie Atomkraftwerke in Deutschland: Rückbau "läuft auf Hochtouren"
30.08.2025

Seit dem endgültigen Atomausstieg läuft in Deutschland der Rückbau von Kernkraftwerken. Doch wie weit ist dieser Prozess tatsächlich?...

DWN
Finanzen
Finanzen Erneuerbare Energien-ETF: Vergleich – wie Anleger am besten vom globalen Energieumbruch profitieren können
30.08.2025

Der weltweite Energieumbruch verändert Märkte, Technologien und Kapitalströme – und die globale Energiewende ist längst Realität....

DWN
Technologie
Technologie Europas Energie aus dem All: Die Sonne könnte 80 Prozent liefern
30.08.2025

Forscher sehen eine radikale Lösung für Europas Energiekrise: Solarkraftwerke im All sollen bis 2050 vier Fünftel des Bedarfs decken –...

DWN
Technologie
Technologie Retro-Revival: Warum die Kassette ein Comeback erlebt
30.08.2025

Retro ist wieder in – und die Musikkassette steht dabei im Mittelpunkt. Einst totgeglaubt, erlebt sie heute ein überraschendes Comeback....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zu viele Tools, zu wenig Schutz: Wie Unternehmen ihre Cyberabwehr selbst sabotieren
30.08.2025

Je mehr Sicherheitslösungen, desto sicherer? Das Gegenteil ist der Fall: Tool-Wildwuchs, inkompatible Systeme und überforderte Teams...