Politik

Financial Times fällt ein vernichtendes Urteil über Volkswagen

Lesezeit: 2 min
22.09.2015 16:53
Der Schaden, den VW durch den Betrug an Kunden und Regulatoren angerichtet hat, sei so schwer, dass die Marke VW lange brauchen werde, um sich zu erholen. Das Urteil der FT ist ungewöhnlich harsch. Konzernchef Winterkorn lehnt einen Rücktritt jedoch vorerst ab.
Financial Times fällt ein vernichtendes Urteil über Volkswagen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die Financial Times, einflussreiches Sprachrohr der Finanzbranche, kommt zu einem vernichtenden Urteil über den Betrugsfall bei VW: Niemand installiere irrtümlich eine ausgefuchste Software, die dazu dient, die Aufsichtsbehörden zu täuschen. VW-Chef Martin Winterkorn habe sich selbst immer damit gelobt, als Ingenieur die Technologie zu verstehen und daher bessere Autos zu bauen.

Nun aber sei aufgeflogen, dass VW bewusst in Kauf genommen habe, Kunden und Passagiere in seinen Autos zu gefährden. Die FT listet akribisch auf, dass die giftigen Gase, die VW verharmlost hat, Atemprobleme und eine erhöhte Sterberate wegen Herz- oder Lungenerkrankungen seien die Folge. Gifte wie die in Frage stehenden seien für zehntausende Todesfälle verantwortlich.

VW habe Kunden und Regulatoren bewusst betrogen – und damit die Marke vermutlich auf Jahre hinaus beschädigt. Außerdem habe VW mit seinem kriminellen Verhalten die in Europa als sauber gepriesene Diesel-Technologie schwer beschädigt.

Die Berichterstattung in den USA lässt keine Zweifel zu: Über den Skandal wird berichtet, indem die VW-Produkte im Zusammenhang mit dem Skandal über alle Bildschirme flimmern (Video am Anfang des Artikels).

Die FT fordert ungewöhnlich unverhohlen den Rücktritt Winterkorns, dem sie vorwirft, eine Kette von Befehlsentscheidungen zu verantworten, die zu dem Skandal geführt habe.

Die FT fordert die VW-Investoren auf, harte Fragen zu stellen.

Die US-Behörden haben strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Erste Medien berichten vom bevorstehenden Rücktritt Winterkorns. Die Aktie sackte am Dienstag zeitweise erneut um 20 Prozent ab.

Doch Winterkorn will weitermachen und lehnt einen Rücktritt ab: Es wäre falsch, wenn wegen der schlimmen Fehler einiger weniger, die ehrliche Arbeit von 600.000 Menschen unter Generalverdacht gerät, sagte Winterkorn in einem Video-Statement, das auf der Webseite des Konzerns veröffentlicht wurde. "Deshalb bitte ich um ihr Vertrauen auf unserem weiteren Weg."

Erst im September hatte die deutsche PR-Branche den Kommunikationschef von VW, Stephan Grühsem, für seine "herausragende Arbeit bei der internen wie externen Positionierung des Unternehmenszum PR-Mann des Jahres gekürt". Laudator war Martin Winterkorn, Grühsems Chef. Die Trophäe, die die PR-Profis traditionell jene überreichen, die ihren Spin am geschicktesten in den Medien platzieren, ist traditionell ein Seismograph. Wie erfolgreich Grühsem bei der Positionierung Winterkorns in den Medien war, kann man in der Zeitung Die Welt nachlesen. Das Blatt schreibt im April 2015 nter dem Titel "Warum es Irrsinn ist, Winterkorn zu entmachten":

Selbst als Vorstandschef legte Winterkorn so oft wie möglich selbst Hand an. Alle zwei Wochen landen in Wolfsburg auf dem sogenannten Schadenstisch der Entwicklung Komponenten, die nicht funktionieren, wie sie sollen. Der Metallphysiker Winterkorn greift dann zum Werkzeug, dem sogenannten "Winterkorn-Besteck". Das umfasst Feuerzeug, Nagel, verschiedene Schraubenzieher und -schlüssel. Mit solchen Utensilien traktiert der pingelige Physiker die Bauteile.

Diese Involvierung in Details könnte Winterkron nun zum Verhängnis werden. Es dürfte schwer fallen, die Gerichte und die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass ausgerechnet ein solch essentielles Detail wie die Manipulation der Abgas-Werte an dem für seine straffe Führung bekannten Manager vorbeigeschmuggelt worden sein soll. Der Seismograph war offenkundig nicht Teil des Winterkorn-Bestecks.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Nächster Schock: Bundesregierung hält neuen Lockdown für möglich

Die Bundesregierung will in der Coronavirus-Pandemie einen neuen Lockdown trotz fortschreitender Impfkampagne nicht ausschließen. Der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Energiewende zum Trotz: Die Nachfrage nach Kohle boomt weltweit

Trotz der von vielen Staaten eingeleiteten Wende hin zu einer fossilfreien Energieerzeugung boomt die Nachfrage nach Kohle auf der Welt.

DWN
Politik
Politik PEI meldet 10.578 Verdachtsfälle: 1.028 Personen in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung sind tot

Das Paul-Ehrlich-Institut meldet im Zusammenhang mit den Impfungen in Deutschland: „In 10.578 Verdachtsfällen wurden schwerwiegende...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold als Inflationsschutz? Dieses Jahr ist alles anders

Deutlich besser als Gold haben sich 2021 Industriemetalle wie Kupfer und Nickel entwickelt. Ist das der Beginn des nächsten Superzyklus...

DWN
Politik
Politik Neuer Akt im Schattenkrieg: Sonderbare Schiffsentführung im Golf von Oman ist plötzlich beendet

Keine 24 Stunden, nachdem angeblich ein Tanker im Golf von Oman entführt wurde, hat sich die Lage wieder entspannt.

DWN
Deutschland
Deutschland Wirtschaft kritisiert weitreichende Klima-Forderungen der Grünen

Wirtschaftsverbände reagieren mit Kritik auf die weitreichenden Klima-Forderungen der Grünen. Auch von konservativen Parteien kommt...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russland rüstet bei Atom-Energie auf - und steckt weitere Milliarden in neue Kernkraftwerke

Russland setzt auf Atomkraft. Und pumpt weitere Milliarden Euro in sein laufendes Programm.

DWN
Politik
Politik „Trümmerfeld der Kinderseelen“: Bild-Chefredakteur übt vernichtende Kritik an Corona-Politik der Bundesregierung

Bild-Chefredakteur Julian Reichelt entschuldigt sich in einem Video im Namen des Landes bei den Kindern. Diese seien im Zuge von...