Finanzen

China und Indien bremsen Asiens Wachstum

Lesezeit: 2 min
25.09.2015 02:24
In ihrem neuen Bericht korrigiert die Asian Development Bank den Ausblick für Asiens Wachstum nach unten. Die Hauptursachen sind dafür die beiden Exportriesen China und Indien. Denn deren produktive Möglichkeiten steigen schneller als die Nachfrage im Ausland.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die renommierte Asian Development Bank (ADB) hat ihren Herbst-Ausblick vorgelegt, der eine erneute Abwärtskorrektur der Wachstumsschätzung voraussagt. Statt je 6,3 Prozent für 2015 und 2016 erwarten die Volkswirte nun 5,8 Prozent und 6 Prozent für die beiden Jahre. Die Abschwächung geht dabei von den regionalen Schwergewichten China und Indien aus. Lediglich Vietnam steht mit der Korrektur von 6,1 Prozent und 6,2 Prozent auf 6,5 Prozent und 6,6 Prozent vor verbesserten Aussichten.

In China macht sich die Abkehr vom bisher verfolgten Wachstumsmodell bemerkbar, das auf hohen Investitionen und einer klaren Exportorientierung beruht. Mittlerweile legen diese beiden Aggregate in deutlich ruhigerem Tempo zu. Stattdessen rückt der private Konsum langsam in den Vordergrund. Dieser Wandel kommt allerdings nicht ganz freiwillig in Gang. Mittlerweile ist der Zwang, durch immer neue Exportrekorde ausreichend Beschäftigung für die bislang rasant wachsenden Kapazitäten zu schaffen, an die Grenze des Möglichen gestoßen: Die Nachfrage des Auslands wächst nicht so schnell wie die vom Investitionsboom aufgeblähten chinesischen Produktionsmöglichkeiten. Das hat bereits zu einem schwächeren Investitionstrend geführt. Unterm Strich schwindet die Dynamik der Industrie, die Produktion stagniert.

Zwar wird auch Indiens Wirtschaft mit der schwächeren Auslandsnachfrage konfrontiert, ist aber nicht annähernd so abhängig davon wie China. Vielmehr macht sich in Indien ein Rückstand bei den Reformen bemerkbar, die von der Regierung Narendra Modis angekündigt, bislang aber nicht umgesetzt werden. Insofern gilt für Indien, was die ADB für Asien insgesamt geltend macht: Ein neuer Wachstumsschub setzt voraus, dass durch Reformen neue Kräfte freigesetzt und Potenziale erschlossen werden. Es bleibt aber bemerkenswert, dass von Indien mit 7,4 Prozent und 7,8 Prozent (statt bisher 7,8 Prozent und 8,2 Prozent) unverändert deutlich mehr Wachstum für 2015/16 erwartet wird als vom bisherigen Champion China.

Die von beiden Ländern ausgehende Schwäche strahlt auf die ganze Region Südostasien aus, deren Ausblick von 4,9 Prozent und 5,3 Prozent auf 4,4 Prozent und 4,9 Prozent zurückgenommen wurde. Besonders deutlich geht es für Indonesien abwärts (statt 5,5 Prozent und 4,9 Prozent jetzt 4,9 Prozent und 4,4 Prozent für 2015 und 2016). Hier macht sich die außenwirtschaftliche Schwäche nicht zuletzt auch durch die nachgebende Währung bemerkbar, während die Binnennachfrage robust bleibt. Die Belebung 2016 soll von den öffentlichen Investitionen ausgehen. Auch Thailand wird mit 2,7 Prozent und 3,8 Prozent statt 3,6 Prozent und 4,1 Prozent schwächer eingeschätzt, was in erster Linie auf die Zurückhaltung der privaten Haushalte und Unternehmen zurückzuführen ist.

Insgesamt bestätigt die ADB mit diesem Report, dass Asien global die interessanteste Region für Emerging-Market-Investments bleibt und keinesfalls wegen der aktuellen Probleme Chinas untergewichtet werden darf.

***

In Kooperation mit PLATOW Medien. Seit 70 Jahren steht der Name PLATOW für herausragende Berichte und Exklusivrecherchen aus Wirtschaft, Kapitalmarkt und Politik. Für ein 4-wöchiges Probeabonnement können Sie sich hier anmelden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Die EU im Klima-Wahn: Unsinnige Verordnungen, der kommende Blackout und der Mensch als Sünder

DWN-Kolumnist Ronald Barazon nimmt die "Klima-Agenda" der EU Stück für Stück auseinander und zeigt ihre massiven Ungereimtheiten auf. Am...

DWN
Technologie
Technologie „Technologietransfer ist immer die Folge einer verfehlten Politik“ - wie Nuklear-Innovationen aus Deutschland verdrängt werden

Kernenergie spielt in den Planungen der Bundesregierung keine Rolle mehr. Doch kann der Ausstieg aus fossilen Energieträgern ohne sie...

DWN
Politik
Politik Iran eröffnet Öl-Pipeline zur Umgehung der Straße von Hormus

Der Iran hat eine strategisch wichtige Öl-Pipeline in Betrieb genommen. Dadurch wird es Teheran möglich sein, die Straße von Hormus zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Family Offices der Superreichen setzen auf Bitcoin

Nach Angaben von Goldman Sachs, haben zahlreiche Family Offices, mit denen die Investmentbank zusammenarbeitet, bereits in Bitcoin...

DWN
Politik
Politik Leere Regale und volle Mülltonnen: Staatlich angeordnete Corona-Isolation bringt Großbritannien an den Rand des Kollapses

Die staatlich verordnete Isolierung von Millionen Bürgern bringt das Gesamtsystem an den Rand des Kollapses.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Das Fiat-Geldsystem der Zentralbanken baut auf einer großen Lüge auf

Die massive Ausgabe von Fiat-Geld durch die Zentralbanken schafft die Illusion von Wohlstand. Das Geld, das aus dem Nichts geschaffen wird,...

DWN
Politik
Politik Eric Clapton droht mit Absage von Konzerten, wenn von seinen Fans Impfnachweise verlangt werden

Der Musiker Eric Clapton hat unmissverständlich deutlich gemacht, dass er seine künftigen Konzerte absagen werden, wenn von seinen Fans...

DWN
Deutschland
Deutschland Thüringen: AfD scheitert mit Misstrauensantrag gegen Ramelow

Die AfD konnte mit dem von ihr initiierten Misstrauensvotum keinen Sturz von Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow herbeiführen.