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Niedrigzins: Finanzinvestoren setzen auf deutsche Firmen

Lesezeit: 2 min
06.10.2015 10:45
Die Investitionen in Unternehmen und Start-Ups haben sich im ersten Halbjahr deutlich erhöht. Die Niedrigzinspolitik der EZB macht Unternehmen weitaus lukrativer als Geldanlage als Staatsanleihen. Eine Anhebung der Niedrigzinsen ist noch nicht in Sicht.
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In Zeiten des niedrigen Zinsumfeldes werden Alternativen für Finanzinvestoren immer wichtiger. (Foto: EU-Kommission)

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Die Finanzinvestoren in Deutschland ziehen eine positive Halbjahresbilanz und wollen 2015 an das erfolgreiche Vorjahr anknüpfen. Nach sechs Monaten investierte die Branche 2,91 Milliarden Euro in rund 600 deutsche Firmen und damit gut vier Prozent mehr als vor Jahresfrist, wie der Lobbyverband BVK am Montag mitteilte. Die Beteiligungsunternehmen gehen davon aus, dass das Investitionsniveau von 2014 - dem erfolgreichsten Jahr seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 - wieder erreicht wird. „Wir sind optimistisch, in den nächsten Monaten noch zuzulegen, da zur Jahresmitte einige große Transaktionen angekündigt wurden“, sagte BVK-Vorstand Christian Stoffel. Zudem habe sich das Geschäft mit Wagniskapital gut entwickelt.

Der Geschäftsbereich Übernahmen kam auf 2,14 Milliarden Euro und blieb damit leicht unter dem Ergebnis der ersten sechs Monate 2014. Die Investitionen rund um Start-Ups ("Venture Capital") legten um etwa ein Drittel auf 437 Millionen Euro zu. "Es ist das beste Halbjahres-Ergebnis seit 2008", erklärte BVK-Vorstand Ulrike Hinrichs. Auch die Minderheitsbeteiligungen stiegen um rund ein Drittel auf 329 Millionen Euro. Derzeit kommen nach BVK-Angaben zwei Drittel aller Investitionen von ausländischen Beteiligungsgesellschaften, entweder direkt aus dem Ausland oder über ihre Büros in Deutschland.

Erst Ende August zeigte eine Analyse des Beratungsunternehmens Ernst & Young, dass Start-Ups für Investitionen sehr beliebt sind. Im ersten Halbjahr dieses Jahres flossen 1,9 Milliarden Euro in deutsche Startups – schon jetzt mehr als im gesamten letzten Jahr.

Die Bundesregierung hat sich vor kurzem nach längeren Diskussionen auf Eckpunkte zur Förderung der Finanzierung innovativer Jungfirmen geeinigt. Das „Eckpunktepapier Wagniskapital“ stößt aber in der Politik auch auf Kritik und geht Branchenvertretern nicht weit genug.

In Zeiten des niedrigen Zinsumfeldes werden Alternativen für Finanzinvestoren immer wichtiger. Deutsche Unternehmen bieten da eine große Chance und auch Sicherheit, wohingegen beispielsweise für deutsche Staatsanleihen teilweise noch draufgezahlt werden müsste. Die Allianz rechnet nicht so bald mit einer Erhöhung der Zinsen. Sie rät ihren Kunden deshalb mittlerweile von klassischen Lebensversicherungen ab. Binnen drei Jahren werde deren Anteil am Neugeschäft mit Privatkunden auf zehn bis 15 Prozent schrumpfen, sagte Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber am Montag in Frankfurt. Derzeit schließt noch jeder dritte Privatkunde eine klassische Rentenversicherung ab, obwohl die Allianz-Vertreter zu neuartigen Produkten raten, die zwar höhere Renditen, aber keine lebenslangen Garantien mehr bieten.

„Aus Kundensicht ist ein reines Klassik-Produkt nicht mehr sinnvoll - das sagen wir auch deutlich in der Beratung“, sagte Faulhaber. Die Kunden müssten wegen der Zinsgarantien zu hohe Abstriche bei der Rendite machen.

Dennoch will die Allianz die klassischen Leben- und Renten-Policen nicht aus dem Programm nehmen, wie das kleinere Rivalen gemacht hatten. „Wir wollen den Kunden nicht bevormunden", sagte Faulhaber. Die Allianz verdiene - anders als das der Konkurrent Ergo für seinen Bestand erklärt hatte - auch mit den Garantieprodukten noch Geld und könne sich die Garantien unter den verschärften Kapitalvorschriften ("Solvency II") leisten.

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