Politik

Nato-Staat Türkei wirft Russland Imperialismus vor

Lesezeit: 2 min
22.12.2015 13:15
Die Türkei wirft Russland vor, in Syrien imperialistische Ziele zu verfolgen. Der Grund der türkischen Verärgerung: Sie wurden soeben von den Amerikanern abgehalten, ebenfalls imperialistische Ziele in Syrien zu verfolgen. Die USA können aktuell keine türkischen Querschläger gebrauchen.
Nato-Staat Türkei wirft Russland Imperialismus vor
Ein russischer Bomber wirft Bomben über Idlib ab, nach Angaben der Russen treffen diese Bomben ISIS-Einrichtungen. (Archivbild vom Oktober 2015) (Foto: EPA/RUSSIAN DEFENCE MINISTRY)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Türkei  
Russland  
China  
USA  

Die Türkei hat Russland für den ihm zugeschriebenen Angriff auf die syrische Rebellenhochburg Idlib heftig kritisiert. Das syrische Staatsgebiet dürfe nicht Teil "russischer imperialistischer Ziele" werden, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Dienstag vor Abgeordneten der regierenden AK-Partei. Bei dem Angriff am Wochenende waren nach Angaben von Rettungskräften und Anwohnern Dutzende Menschen getötet worden. Die mindestens sechs Luftschläge, die Anwohnern zufolge von russischen Kampfjets ausgeführt wurden, trafen demnach einen gut besuchten Markt im Zentrum, zahlreiche Regierungsgebäude und Wohnviertel, berichtet Reuters. Auf welche Quellen sich die Nachrichtenagentur genau bezieht, ist nicht angegeben.

Die Beziehungen zwischen den Regierungen in Moskau und Ankara sind seit dem türkischen Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs im Grenzgebiet zu Syrien auf einem Tiefpunkt. Russland kämpft an der Seite der syrischen Armee, für die der Verlust der nordwestlichen Provinz Idlib an die Rebellen ein herber Rückschlag war. Nach russischer Darstellung sollen die Luftangriffe alle Terror-Gruppen der Region treffen - also neben dem IS auch die al-Nusra-Front, mit der die USA und die Türkei bisher verbündet waren. Im Zuge der Einigung vor den UN haben jedoch auch die Amerikaner zugestimmt, dass der al-Kaida-Ableger als Terror-Gruppe zu qualifizieren sei.

Mit Verweis auf die türkische Truppenpräsenz im Nordirak sagte Davutoglu, die militärische Unterstützung dort werde fortgesetzt, bis die Stadt Mossul von der Extremistenmiliz Islamamischer Staat (IS) befreit sei. Die Stationierung hatte für Verstimmungen mit der irakischen Regierung gesorgt. Auf Geheiß von US-Präsident Barack Obama zog die Türkei einen Teil der Soldaten ab.

Der wahre Grund der türkischen Verärgerung über den russischen Vormarsch dürfte in der Tatsache begründet sein, dass ihr eigener Vormarsch von Obama gestoppt wurde. Der frühere israelische Sicherheitschef Giora Eiland beschreibt die Ambitionen der Türkei sehr anschaulich. Ein hochrangiger türkischer Diplomat habe ihm vor einigen Jahren erklärt: „Wir wissen, dass wir die Länder, die vor 1917 zum Osmanischen Reich gehörten, nicht zurückbekommen können. Aber macht nicht den Fehler zu denken, dass wir die Grenzen, die uns nach dem 1. Weltkrieg von den Siegermächten – vor allem Frankreich und dem Vereinigten Königreich – zugewiesen wurden, akzeptabel finden. Die Türkei wird einen Weg finden, zu seinen natürlichen Grenzen im Süden – zwischen Mossul im Irak und Homs in Syrien – zurückzufinden. Das ist unser naturgemäßes Bestreben und es ist durch die starke Präsenz von Turkmenen in der Region gerechtfertigt.“

Die USA haben mit Russland eine Allianz in Syrien geschlossen, die auch dazu dienen soll, den chinesischen Einfluss in der Region zurückzudrängen: Die Chinesen sind zwar ehr diskret, doch erkennbar aktiv drauf und dran, zu einer wichtigen Macht im Nahen Osten zu werden (mehr zu dieser interessanten Entwicklung hier).

Syriens Außenminister Walid al-Mualem reist nach chinesischen Angaben noch in dieser Woche nach Peking, um Möglichkeiten einer politischen Lösung des Konflikts in seiner Heimat auszuloten. Al-Mualem werde von Mittwoch bis Samstag im Lande sein und unter anderem mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi zusammenkommen, kündigte Ministeriumssprecher Hong Lei am Dienstag an. Wang hatte am Wochenende nach Verabschiedung der UN-Syrien-Resolution Vertreter der Regierung und der Opposition zu Gesprächen eingeladen, um Wege aus dem Syrien-Konflikt zu erörtern.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Great Reset: Ansichten von SPD-Chefin Esken decken sich mit der Agenda des Weltwirtschaftsforums

Fleischverzicht, eine drastische Reduzierung von Flügen und weitere Maßnahmen sollen laut SPD-Chefin Saskia Esken gut sein, um das Klima...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung schwört Bevölkerung auf fortgesetzten Lockdown ein

Die Mehrheit der Deutschen plädiert für Lockerungen, doch die Bundesregierung und ihre Experten halten dagegen und schließen ein...

DWN
Politik
Politik In ihrem Klimawahn zerstört die EU Europas Auto-Industrie: „Wir werden eine Arbeitslosigkeit erleben, wie wir sie noch nie gehabt haben“

Neue Pläne der EU-Kommission bedeuteten faktisch ein Verbot von Verbrennungsmotoren. Mehrere gewichtige Stimmen aus der Autobranche warnen...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermeiden Sie diese 7 Fehler beim Aktienkauf

Fehler kosten an der Börse oftmals viel Geld. Privatanleger, die zum ersten Mal mit Aktien handeln, treten meistens in dieselben...

DWN
Politik
Politik Corona-Homeoffice: Lehrer masturbiert vor Schülern während Zoom-Sitzung

Während einer Zoom-Sitzung mit seinen Schülern hat ein Lehrer masturbiert. Er hatte nach eigenen Angaben gedacht, die Sitzung sei vorbei....

DWN
Politik
Politik Sky-Moderator: „Globalisten“ verhelfen mit dem Great Reset China und Big Tech zur Weltmacht

Der Sky-Moderator Rowan Dean berichtet, dass die „Globalisten“ des Weltwirtschaftsforums den Niedergang der USA bis 2030 propagieren....

DWN
Politik
Politik Seekabel von Asien nach Europa: China treibt digitale Seidenstraße voran

Über ein Netz von Seekabeln setzt China sein Projekt zur digitalen Seidenstraße um. Das Kabelnetz soll Asien mit Afrika und Europa...

DWN
Deutschland
Deutschland Koalition will Schuldenbremse auch noch 2022 aussetzen

Union und SPD sind sich darüber einig, dass sie die Schuldenbremse auch 2022 noch nicht wieder einhalten wollen. Konservativere Stimmen in...

DWN
Deutschland
Deutschland Reisen innerhalb von Deutschland nur noch mit Impfpass?

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sagte am Freitagmorgen, er könne sich "auf jeden Fall" vorstellen, dass...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesagentur braucht deutlich mehr Steuergeld für Kurzarbeit

Die grassierende Kurzarbeit hat den massiven Schaden, der durch die Corona-Maßnahmen verursacht worden, bisher recht gut verdeckt. Doch...

DWN
Deutschland
Deutschland Wirtschaft warnt vor den Folgen eines fortgesetzten Lockdowns

Deutsche Wirtschaftsverbände warnen die Politik vor den verheerenden Folgen des anhaltenden Lockdowns und fordern klare Schritte in...

DWN
Politik
Politik Corona als Vorwand? Das Recht auf Versammlungsfreiheit in Europa ist bedroht

Der Denkfabrik „Carnegie Europe“ zufolge missbrauchen europäische Regierungen die Pandemie dazu, die bürgerlichen Freiheiten in...

DWN
Politik
Politik Bidens erster Luftschlag: USA greifen Ziele in Syrien an

Die US-Luftwaffe hat auf Anordnung des neuen Präsidenten Joe Biden Stellungen im Osten Syriens attackiert. Ziele waren nach Angaben des...

DWN
Finanzen
Finanzen Weniger Geld: Bayer bedrückt mit Dividendenkürzung die deutschen Anleger

Das deutsche Leitbarometer befindet sich derzeit unterhalb von 14.000 Punkten. Heute Nachmittag könnte es neue Impulse geben.