Finanzen

Bundesbank sieht Ende der Krise und will dem Markt Liquidität entziehen

Lesezeit: 1 min
28.04.2012 22:39
Die Deutsche Bundesbank möchte genau das Gegenteil von dem, was der französische Präsidentschaftskandidat Francois Hollande fordert: Ein Vorstandsmitglied der BuBa hat nun erstmals öffentlich darüber nachgedacht, wie man die ausgeschüttete Liquidität wieder zurückrufen könnte.
Bundesbank sieht Ende der Krise und will dem Markt Liquidität entziehen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Bundesbankvorstands-Mitglied Joachim Nagel hat Maßnahmen präsentiert, um die Preisstabilität in der Eurozone wieder gewähren zu können. Demnach soll dem Markt verstärkt wieder Liquidität entzogen werden und so eine steigende Inflation gestoppt werden: „Die Geldpolitik sollte sich möglichst bald wieder allein auf die Gewährleistung von Preisstabilität im Euro-Währungsraum konzentrieren“, sagte Nagel bei einer Veranstaltung in München.

Die überschüssige Liquidität, die durch die beiden Tender durch die Europäische Zentralbank im vergangenen Dezember und Februar ausgegeben wurde, soll durch Termineinlagen, höheren Anforderungen an die Mindestreserven und Schuldverschreibungen durch die Zentralbanken vom Markt genommen werden.

Diese Maßnahmen sollen gesetzt werden, sobald die Banken ihre Finanzierungsfunktionen wieder stabil übernehmen können und sich eine Entspannung der Eurokrise bemerkbar macht.

Die billigen Kredite für die Banken durch die EZB waren dazu gedacht, die Wirtschaft in der Eurokrise zu entlasten. Doch das Geld kommt auch nach den jüngsten Erkenntnissen der EZB nicht bei den Unternehmen an (mehr hier).

Die Banken haben mit dem Geld entweder Staatsanleihen hochverschuldeter Staaten gekauft, oder es wieder bei der EZB hinterlegt. Die Übernachteinlagen bei der EZB sind durch die eine Billion Euro die insgesamt ausgegeben wurde, erheblich gestiegen: Zuletzt bunkerten die Banken über 775 Milliarden Euro dort.

Dadurch stiegen die Preise für Rohstoffe und Energie sowie die Inflationsrate. Daher soll das überschüssige Geld so früh wie möglich wieder vom Markt genommen werden.

Die Tatsache, dass diese Maßnahmen nun präsentiert wurden, ist bemerkenswert: Denn während die Franzosen und andere Europäer fordern, dass die EZB noch mehr Geld in den Markt pumpen solle, um das Wachstum zu steigern, unterstreicht die BuBa, dass sie von einer Ausweitung der Geldmenge nichts hält - im Gegenteil: Um eine Inflation zu verhindern, muss das Geld, welches Mario Draghi in den Markt gepumpt hat, wieder zurückgeholt werden.

Voraussetzung für solche Maßnahmen sind freilich normale Zustände, mithin also das Ende der Krise. Ob die Bundesbank ernsthaft mit dem Ende der Krise rechnete oder die Wortmeldung nur das Abstecken einer Position im Streit mit der Sürdeuropa-Fraktion in der EZB ist, wird der Fortgang der Debatte in den kommenden Wochen weisen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland IWF und Bundesregierung planen die Enteignung des deutschen Mittelstands

DWN-Kolumnist Ernst Wolff fordert den Mittelstand auf, sich zu wehren - weil seine Existenz gefährdet ist.

DWN
Politik
Politik Krankenschwester in Österreich stirbt nach AstraZeneca-Impfung

In Österreich ist eine Krankenschwester nach einer AstraZeneca-Impfung verstorben. Ein Zusammenhang zwischen Tod und Impfstoff wird...

DWN
Politik
Politik Gegenspieler von Papst Franziskus: Die Kräfte der Finsternis greifen nach der Macht

Im zweiten Teil des großen DWN-Interviews mit dem umstrittenen Erzbischof Carlo Maria Viganò gibt dieser weitere tiefe Einblicke in seine...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin schwächelt: Ende des Bullenmarkts oder Chance zum Einstieg?

Seit seinem Rekordhoch am 21. Februar befindet sich Bitcoin in einer Phase der Schwäche. Doch Analysten erwarten weitere Rekorde, sobald...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung will Fregatte in Krisengebiet schicken: Supermacht sendet Warnung

Einem Schiff der deutschen Marine steht eine heikle Mission bevor.

DWN
Politik
DWN
Politik
Politik Erzbischof Carlo Maria Viganò: Der Tiefe Staat und die Tiefe Kirche verfolgen die gleiche Agenda

Im großen DWN-Interview legt der umstrittene Erzbischof Carlo Maria Viganò, der als Gegenspieler von Papst Franziskus gilt, seine Sicht...

DWN
Deutschland
Deutschland Tödliche Corona-Verläufe in Berlin am geringsten, in Sachsen-Anhalt am höchsten

Der Johns Hopkins University zufolge ist der Anteil der tödlichen Verläufe der Corona-Erkrankungen in Berlin und NRW deutschlandweit am...