Technologie

E-Autos: Deutsche Straßen könnten zu Solar-Speichern werden

Lesezeit: 2 min
10.06.2016 20:29
Aachener Forscher entwickeln einen Straßenbelag, der nicht nur Solar-Energie liefert, sondern zusätzlich noch Schadstoffe aus der Luft filtern kann. Mit dem erzeugten Strom werden Elektro-Autos während der Fahrt kabellos aufgeladen. Eine erste Testsfläche soll in Berlin verlegt werden.
E-Autos: Deutsche Straßen könnten zu Solar-Speichern werden
Die Wissenschhaftler um Professor Markus Oeser wollen Photovoltaikzellen in die Oberflaeche von Strassen integrieren. (Foto: RWTH Aachen University/Peter Winandy)
Foto: Peter Winandy

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Deutsche Forscher an der RWTH Aachen haben eigene Solarstraßen entwickelt. Die in den Straßenbelag eingebaute Photovoltaik liefert nicht nur Energie, sondern soll zusätzlich noch Schadstoffe aus der Luft filtern. Den Forschern zufolge könnte die Nutzung der rund 1,4 Milliarden Quadratmeter „horizontalen Flächen“ für die Solarenergie in Deutschland genug Strom für 20 Millionen E-Fahrzeuge liefern, so Ingenieur Lukas Renken vom Team der RWTH Aachen.

Solar-Module gibt es derzeit in Deutschland nur für Dächer und Fassaden, nicht jedoch für waagrechte Flächen wie Straßen, die potentiell jedoch viel mehr Fläche bieten als Dächer. Würden nur 15 Prozent der Straßen mit den Solarmodulen ausgestattet und für Energieerzeugung genutzt, bräuchte Deutschland den Entwicklern zufolge kein einziges Atomkraftwerk mehr.

Die etwa fünf bis sechs Millimeter dicken Solar-Module sind aus bruchsicherem und rutschfestem Spezialglas und können wie ein Fliesenteppich zusammengesetzt und einzeln ausgetauscht werden. Allerdings sind die Forscher noch in der Testphase: In den nächsten zwei Jahren werden die technischen und wirtschaftlichen Risiken befahrbarer Solar-Module erforscht, eine erste Testsfläche entsteht dazu in Berlin. So müssen sie zum Beispiel eine mechanische Belastbarkeit von bis zu 11,5 Tonnen Achsenlast haben, um auch LKWs tragen zu können.

Hierzu könnten die Forscher nach Frankreich schauen, wo die Konkurrenz bereits einen ähnlichen Belag zur Marktreife gebracht hat, der auch schwere Transporter tragen kann (siehe Video am Anfang des Artikels). Frankreichs Regierung will in den nächsten fünf Jahren rund 1000 Kilometer Straßen mit Solarzellen ausstatten. Diese sollen Strom für fünf Millionen Franzosen liefern, bezahlt werden soll die neue Energie mit Steuern auf Erdöl.

Auch die Aachener Forscher werden staatlich gefördert, denn mit dem Projekt wollen die Wissenschaftler auch das wachsende Strombedarfs-Problem angehen, dass durch die Energiewende und die geplante Umstellung von Verbrennungsmotoren auf Elektroautos bevorsteht. Denn der Ausstieg aus dem Atomkraft macht alternative Stromquellen unverzichtbar zudem steigert die zunehmende Elektromobilität den Verbrauch.

Durch die Solarmodule könnten sich die Straßen quasi selbst finanzieren: Die lokalen Versorger können auf regenerative Alternativen umstellen und langfristig die Kosten für die Straßenerhaltung refinanzieren, so Donald Müller-Judex vom RWTH Forschungspartner Solmove GmbH. Der Energieaufwand für die Produktion der Module werde demnach in drei Jahren ausgeglichen. Das System soll zudem mit einer Lebensdauer von 25 Jahren länger halten als konventioneller Asphalt, der in der Regel nach 20 Jahren grundsaniert werden muss.

Doch die Forscher haben den Bodenbelag nicht nur zur Energiegewinnung entwickelt, sondern gleich noch mit einem weiteren klimafreundlichen Feature ausgestattet: Die besondere Oberfläche führt zu photokatalytischen Effekten, baut Stickstoff ab und kann zur Luftreinhaltung beitragen, so Lukas Renken. An warmen Sommertagen kann Stickstoffdioxid zu Stickstoffmonoxid zerfallen und mit dem Luftsauerstoff bodennahes, schädliches Ozon bilden. Über 40 Prozent dieser Emissionen verursacht der Straßenverkehr.

Damit nicht genug: Die Fahrbahnen sollen zudem selbstreinigende Eigenschaften erhalten, damit möglichst wenig Schmutz das Sonnenlicht von den Solarzellen abhält. Eine akustisch optimierte Struktur macht die Solarstraßen zudem besonders leise und reduziert den Straßenlärm erheblich.

Zu guter letzt haben die Ingenieure eine denkbar bequeme Art der Energieübertragung geplant: Dank Induktionsschleifen versorgen die Photovoltaik-Fahrbahnen die Autos während der Fahrt drahtlos mit Energie. Auch Ampelsysteme werden über die Module mit Energie versorgt, ebenso wie in den Seitenstreifen integrierte LED-Lampen zur Straßenbeleuchtung. Sollte dann noch Energie übrig bleiben, haben die Entwickler auch an Systeme gedacht, die die überschüssige Energie zwischenspeichern.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Rezession wie Zweiter Weltkrieg – der Tod des Gastgewerbes ist beschlossene Sache

Die aktuelle Corona-Rezession weist große Ähnlichkeiten mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf. Aus einem...

DWN
Deutschland
Deutschland 900 Millionen Euro mehr: Stromkosten in Deutschland explodieren

Die Haushalte in Deutschland haben im vergangenen Jahr so viel für ihren Strom bezahlt wie noch nie.

DWN
Politik
Politik Steinmeier erwägt staatliche Regulierung der sozialen Medien im Namen der Freiheit und der Demokratie

Bundespräsident Steinmeier meint: „Die Demokratien der Welt müssen ihre Verfasstheit auch im Digitalen sichern, gegen Feinde von innen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Softwareriese Microstrategy nutzt Kursknick für weitere starke Bitcoin-Käufe

Das an der Nasdaq notierte Unternehmen Microstrategy hat im großen Stil Bitcoin zugekauft. Das Investieren von Bitcoin ist zum zentralen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lieferketten-Chaos und hohe Transportkosten fachen Inflation in Europa an

Produzenten geben die teils deutlich gestiegenen Kosten an die Kunden weiter, die Inflation in Europa erreicht die Geschäfte und...

DWN
Politik
Politik Zwischen Europa und Russland tobt ein harter Kulturkampf

Der geopolitische Wettbewerb zwischen Europa und Russland nimmt Konturen eines Kulturkampfs an, bei dem es um Religion, Familienwerte und...

DWN
Finanzen
Finanzen Zentralbank der Zentralbanken warnt vor Blasen im Finanzsystem

Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich wählt ihre Worte mit Bedacht. Im Klartext warnt sie vor dem Platzen riesiger...

DWN
Politik
Politik Schock-Bericht: Bundesregierung will Lockdown bis Ende März verlängern

Aus einem Bericht geht hervor: „Aus Regierungskreisen heißt es, dass der Lockdown voraussichtlich bis Ende März im Grundsatz...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Erschreckend hohe Kosten erdrücken Deutsche Metall- und Elektroindustrie

Dass die deutsche Metall- und Elektroindustrie im internationalen Vergleich relativ hohe Kosten hat, dürfte wohl kaum jemanden...

DWN
Deutschland
Deutschland Verrückte Entwicklung: Immobilien-Preise auf Sylt steigen wegen Corona

Der rasante Anstieg der Immobilienpreise auf Sylt wird durch die Corona-Pandemie verstärkt.

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld boomt: Die Federal Reserve überschwemmt die Welt mit Dollar-Banknoten

Die Nachfrage nach Dollar-Banknoten zieht derzeit weltweit spürbar an – ein Beleg für die Flucht der Bürger in den sicheren Hafen...

DWN
Politik
Politik Die Politik beschließt Corona-Maßnahmen nach dem Mephisto-Prinzip

DWN-Kolumnist Christian Kreiß wendet zur Beurteilung der Corona-Maßnahmen ein neues Verfahren an. Die Ergebnisse sind verblüffend.

DWN
Politik
Politik Italien: Ein Land kann seinen größten Trumpf nicht nutzen

In der elften Folge der großen geopolitischen DWN-Serie zeigt Moritz Enders auf, warum Italien sein Potential als Regionalmacht nicht...

DWN
Politik
Politik Südostasiens Drahtseilakt zwischen den Giganten: Wo führt China, wo die USA? - Teil 2

Wie tief und verlässlich die bilateralen Beziehungen der Vereinigten Staaten und Chinas zu ihren Partnern in Südostasien sind, lässt...