Politik

Facebook löscht legendäres Kriegs-Foto aus Vietnam

Lesezeit: 1 min
09.09.2016 20:48
Facebook hat ein wichtiges Foto aus dem Vietnamkrieg gelöscht. Betroffen waren unter anderem eine norwegische Tageszeitung und die Ministerpräsidentin Norwegens. Erstaunlich ist das nicht: Facebook ist ein privates Unternehmen und wird immer den inhaltlichen Vorgaben seiner Eigentümer und Financiers folgen.
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Faceboook ist in  Norwegen unter Druck geraten, weil das soziale Netzwerk das weltberühmte Vietnamkriegsfoto eines nackt vor einem Napalm-Angriff fliehenden Mädchens vom Facebook-Account von Norwegens größter Zeitung Aftenposten entfernt hatte. In den Chor der Kritiker stimmte am Freitag auch die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg ein und warf dem sozialen Netzwerk „Zensur“ vor. Auch auf ihrer Seite wurde das Foto geslöscht.

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Sie „schätze die Arbeit von Facebook und anderer Medien“, um die Verbreitung unangemessener Inhalte zu stoppen, schrieb Solberg auf ihrer Facebook-Seite. „Aber Facebook schlägt den falschen Weg ein, wenn es solche Fotos zensiert“, schrieb die Ministerpräsidentin weiter. Damit bremse Facebook die Meinungsfreiheit aus.

Das weltbekannte Bild zeigt die Vietnamesin Kim Phuc, die während des Vietnamkrieges als Neunjährige nach einem Napalm-Angriff nackt und vor Schmerz schreiend aus ihrem Dorf flüchtet. Dem Fotografen Nick Ut brachte die Aufnahme, die zu einem der Symbole des Krieges wurde, den Pulitzer-Preis ein. Aftenposten hatte das Bild auf seiner Facebook-Seite gezeigt und damit nach Auffassung des sozialen Netzwerks gegen die Regeln zur Nacktheit verstoßen.

Am Freitag druckte die Zeitung das weltberühmte Foto auf ihrer Titelseite ab. Aftenposten-Chefredakteur Espen Egil Hansen wandte sich zudem in einem offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Er sei „beunruhigt" darüber, dass das ‚wichtigste Medium der Welt‘ sich „teilweise autoritär“ verhalte.

Facebook lenkte am Freitag ein: Das Bild werde fortan nicht mehr von den Seiten der Nutzer gelöscht, teilte das Online-Netzwerk am Freitag mit. Das Foto sei ein wichtiges historisches Dokument und dürfte daher wieder auf Facebook geteilt werden.

Tatsächlich gibt es bei Facebook schon lange Richtlinien, nach denen Inhalte veröffentlicht werden dürfen. So waren die Deutsch-Türkischen Nachrichten vor einigen Monaten Opfer einer Sperrung geworden, weil sie ein Bild mit angeblichen PKK-Demonstranten veröffentlicht hatten. Die Facebook-Regelungen sehen klar vor, dass Administratoren gegen die Darstellung von PKK-Symbolen vorzugehen haben.

In Deutschland durchkämmt eine Bertelsmann-Firma Facebook Postings, weil das Unternehmen der Bundesregierung zugesagt hatte, bestimmte Inhalte zu löschen. Dies bezieht sich offiziell auf "Hasskommentare". Eine detaillierte Richtlinie, welche Beiträge darunter fallen, ist nicht veröffentlicht worden.

Klassische Medien haben solche Vorgaben der Regierung bisher abgelehnt, weil die Kontrolle der Inhalte in einem genuin journalistischen Projekt in die ausschließliche Verantwortung der Redaktion fällt.

Es ist allerdings ein Irrglaube anzunehmen, Facebook befinde sich wegen der Löschungen nicht im Recht: Alle Medien nehmen, sofern sie nicht Teil des Partnerprogramms von Facebook sind, die Dienste von Facebook gratis in Anspruch. Facebook hat als privates Unternehmen das Recht, Bilder nach Belieben zuzulassen oder zu verhindern. Inwieweit Facebook dabei einer politischen Agenda folgt, ist unerheblich: Auch das ist, wie die Weitergabe von Nutzerdaten an die Geheimdienste, eine private Angelegenheit eines privaten Unternehmens. Nutzer können sich diesem Verhalten leicht entziehen, indem sie auf die Nutzung von Facebook verzichten.

Auch für Medien empfiehlt sich der Abschied von Facebook, weil Facebook etwa in Deutschland auf Wunsch der Regierung unpassende Postings registriert und gegebenenfalls löscht. In Kombination mit den Interessen der Eigentümer von Facebook ist das Netzwerk kein Garant für die Presse- und Meinungsfreiheit. Der Druck auf die Medien ist auch wirtschaftlicher Natur: Facebook nimmt den Medien mittlerweile einen Großteil der Werbeeinnahmen weg. So gab der frühere Chefredakteur des Guardian, Alan Rusbridger, neulich zu Protokoll, dass ein Großteil der geplanten Mehreinnahmen für die digitale Ausgabe des Blattes an Facebook gewandert sei. Der Guardian befindet sich, trotz seiner offensiven Digital-Strategie, in einer schweren Krise.

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