Politik

Innovation oder Rendite: BMW vor Richtungs-Entscheidung

Lesezeit: 2 min
12.09.2016 01:39
BMW prüft einen beschleunigten Einstieg in den Bau von Elektroautos. Allerdings ist dieser mit erheblichen Investitionen verbunden. Diese könnte der Aktie des Unternehmens schaden. Denn auf absehbare Zeit können nur geringe Stückzahlen abgesetzt werden.
Innovation oder Rendite: BMW vor Richtungs-Entscheidung

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Irene Preisinger und Edward Taylor von Reuters liefern einen interessanten Zustandsbericht über die Lage bei BMW:

BMW-Chef Harald Krüger hat Ende September keine Zeit für einen Auftritt auf der Automesse in Paris: Genau dann sollen nämlich in Vorstand und Aufsichtsrat des Autokonzerns die Weichen für die künftige Elektroautostrategie gestellt werden. Zur Diskussion stehe, ob BMW neben dem i3 eine Elektroversion des Mini und ein SUV mit reinem Batterieantrieb bauen soll, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Lange haben Manager mit der Elektroexpansion gerungen. "Wie soll das Unternehmen im verlustanfälligen Segment Elektroautos expandieren und zugleich seine Spitzenrendite halten? Diese Frage treibt das Management gerade um", sagte einer der Insider. "Die Frage ist, welche Alternative gibt es", ergänzte ein anderer. BMW wollte am Freitag dazu nicht Stellung nehmen.

Vor drei Jahren hatte BMW mit dem i3 und seiner leichten Carbonkarosserie die Nase vorn im Vergleich zu den deutschen Premiumrivalen Daimler und Audi. Doch die verhältnismäßig teuren Elektroautos stießen mit ihrer auf knapp 200 Kilometer begrenzten Reichweite auf weniger Interesse als erhofft. Der Absatz blieb hinter den Erwartungen zurück. Infolge taten sich die Münchner bei der Entscheidung für neue Elektromodelle schwer. Mittlerweile nimmt das Thema Elektroautos allerdings wieder Fahrt auf: In Deutschland gibt es seit kurzem eine Kaufprämie. Im Frühjahr beeindruckte der US-Elektroautopionier Tesla mit rund 400.000 Vorbestellungen seines neuen Model 3 binnen weniger Tage. Und BMW-Rivale Mercedes-Benz will auf dem Pariser Autosalon seine Elektroauto-Offensive im Detail präsentieren. Bei BMW soll ein neuer Akku mit einer um 50 Prozent gesteigerten Reichweite den i3-Absatz ankurbeln.

Ein Treiber des nächsten Anlaufs von BMW in Sachen Elektroautos war den Insidern zufolge auch Aufsichtsratschef Norbert Reithofer, Krügers Vorgänger. Unter seiner Ägide waren der i3 und der hybride Sportwagen i8 entwickelt worden. Nun seien der Elektro-Mini und ein Modell der X-Reihe mit Strombetrieb spätestens für 2019 geplant, erklärte einer der Insider. Damit hätte BMW keine Lücke im Angebot, bis das schon angekündigte nächste i-Modell, das nicht nur elektrisch, sondern auch autonom fahren soll, 2021 vom Band rollt. Die Elektrifizierung soll sogar quer über alle Modellreihen angeschoben werden. Allerdings müssten dafür alle Werke so aufgerüstet werden, dass sie E-Autos produzieren könnten. Das kostet dem Insider zufolge einen dreistelligen Millionenbetrag - pro Werk. Die Kosten dafür will Krüger unter anderem mit dem Verkauf von neuen, hoch profitablen Luxusmodellen einspielen, unter anderem einem Modell das über dem 7-er BMW positioniert sein wird.

Beschäftigen müssen sich die BMW-Manager auch damit, wie sie das dafür notwendige Spitzenpersonal halten. Jaguar oder Tesla sollen schon verstärkt Personal von BMW mit höheren Gehältern abgeworben haben. Im Frühjahr wechselte der damalige Chef des i8-Projekts, Carsten Breitfeld, mit zwei Kollegen zum chinesischen Startup "China's Future Mobility". Dem Manager ging es in München nicht schnell genung. "Nach diesem ersten Schritt hat sich BMW zurückgelehnt und abgewartet, was am Markt passiert", sagte Breitfeld im Juli in einem Reuters-Interview. Er habe den Eindruck, die traditionellen Autobauer seien nicht in der Lage, mit dem Markt Schritt zu halten, begründete er seinen Wechsel. Bei seinem neuen Arbeitgeber könne er mit zehn Leuten in kurzer Zeit Entscheidungen treffen. "Das gleiche dauert in einem Großunternehmen ein halbes Jahr, weil es nicht mit zehn, sondern 500 Leuten besprochen werden muss."

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Kalte Enteignung der Sparer geht in eine neue Runde

Die kalte Enteignung der Sparer ist in vollem Gange. Nichts deutet darauf hin, dass sich die Lage verbessert – ganz im Gegenteil.

DWN
Politik
Politik „Wir sind am Ende“: Unternehmen bereiten Verfassungsklage gegen das Infektionsschutzgesetz vor

Eine Gruppe von Händlern und Gastronomen will gegen die geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes und der Einführung einer...

DWN
Politik
Politik Unruhe in Peking: „Die USA wollen in China einen Umsturz herbeiführen“

Einem chinesischen Bericht zufolge planen die USA, auf dem chinesischen Festland eine Farbrevolution herbeizuführen. Es sei geplant, einen...

DWN
Finanzen
Finanzen Milliarden-Verlust: Realzins pulverisiert deutsche Spareinlagen

Der Realzins dreht im ersten Quartal mit minus 1,25 Prozent wieder ins Negative. Das heißt, dass die Ersparnisse der Deutschen im 1....

DWN
Deutschland
Deutschland Das sind die umstrittenen Bestimmungen des Bundes-Lockdowns

Aus einer Aufstellung geht detailliert hervor, welche Folgen der Bundes-Lockdown für Unternehmer und Bürger haben wird.

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation voraus: Konsum-Rausch in den USA, Biden saniert damit geschickt den Staatshaushalt

Ökonomen zufolge hat das aktuelle US-Konjunkturpaket einen Konsumrausch ausgelöst, weil Schecks an die Bevölkerung verteilt wurden. Was...

DWN
Finanzen
Finanzen „Gold ist die Grundlage der Stabilität des internationalen Währungssystems“

Nach Angaben der europäischen Notenbanken ist Gold wichtig für die Stabilität des internationalen Währungssystems. Doch das Edelmetall...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft BlackRock und Corona-Krise: Zwischen Allmacht, Größenwahn und Profitgier

Der US-Vermögensverwalter BlackRock gehört zu den größten Profiteuren der Corona-Krise. Doch damit nicht genug. BlackRock wird auch im...