Politik

Gold wird knapp: Pakistan verbietet Import, Indien könnte folgen

Lesezeit: 3 min
03.08.2013 02:57
Die Regierungen von Indien und Pakistan gehen mit Strafsteuern, Beschränkungen oder gar unverblümten Verboten gegen den Goldkonsum ihrer Bürger vor. So wollen sie ihre Währungen stabil halten. Auch die westlichen Zentralbanken und die Edelmetall-Banken profitieren von der eingeschränkten Goldnachfrage aus Asien.
Gold wird knapp: Pakistan verbietet Import, Indien könnte folgen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Am Dienstag verhängte die Regierung von Pakistan ein vorübergehendes Importverbot für Gold mit sofortiger Wirkung. Auch Indien hat die Goldimporte für dieses Jahr stark beschränkt. Von diesen Verboten profitieren neben den Regierungen der beiden Länder auch die internationalen Edelmetall-Banken, die wie die westlichen Zentralbanken möglicherweise viel weniger Gold besitzen, als sie behaupten.

Vorerst darf einen Monat lang kein Gold nach Pakistan eingeführt werden, berichtet The Express Tribune. Als Grund werden die erhöhten Goldsteuern im Nachbarland Indien angeführt. Weil die Inder keine Steuern auf Goldimporte zahlen wollten, kauften sie verstärkt Gold in Pakistan und schmuggelten dies nach Indien. Dies führe zu einer Abwertung der pakistanischen Rupie, so die Behörden.

Doch diese Argumentation der pakistanischen Regierung hinkt. Die Tatsache, dass die Inder statt ihrer indischen Rupie lieber Gold besitzen, lässt offenbar den Kurs der indischen Rupie sinken. Und das geschieht unabhängig davon, wo sie das Gold erwerben, in Indien oder in Pakistan. Doch die pakistanische Rupie ist von dieser Entscheidung der Inder nicht betroffen.

Die Inder weichen immer mehr ins Ausland aus, um Gold zu erwerben, auch wenn dies illegal ist. Ursache dafür ist die Steuer auf Goldimporte, die im Juni von 6 Prozent auf 8 Prozent erhöht wurde. Die indische Regierung will die Goldimporte gering halten und so einen weiteren Einbruch der indischen Rupie verhindern.

Seit dem Preisverfall beim Gold im April hatten die Inder massiv Gold gekauft, als Schmuck oder zur Wertanlage. Doch im Juni und Juli, nachdem die Importsteuer auf 8 Prozent erhöht worden war, brachen die indischen Goldimporte massiv ein, berichtet VoA. Dies kann zum einen mit Hamsterkäufen im Mai erklärt werden, zum anderen nimmt der Goldschmuggel nach Indien immer größere Ausmaße an (mehr dazu hier).

Und die indischen Juweliere sagen, dass im Sommer gewöhnlich weniger Gold gekauft werde. Der wirkliche Test, wie die Inder auf den niedrigen Goldpreis reagieren, komme erst in der Hochzeits-Saison, die im Oktober beginnt. Die Wertschätzung des Goldes ist traditionell fest in der indischen Bevölkerung verwurzelt. Die Bräute erhalten traditionell goldenen Schmuck. Diese Kultur kann die Regierung nicht über Nacht ändern.

Der World Gold Council sagte, die guten Monsunregen würden in den kommenden Monaten wahrscheinlich zu erhöhten Einkommen führen. Die Inder würden dann verstärkt Gold kaufen, denn vor allem auf dem Land ist Gold eine beliebte Anlage. Und da der Goldpreis noch immer sehr niedrig ist, können die Inder das Edelmetall trotz der erhöhten Importsteuer billiger erwerben als noch vor einem Jahr.

Die Importsteuer auf Gold hat der indischen Regierung also nur scheinbar einen Erfolg gebracht. Denn die Goldnachfrage hält an. Und sie wandert zu beachtlichen Teilen in den Schwarzmarkt ab. Die indische Rupie verliert dadurch weiter an Wert.

Die indische Regierung hat am Mittwoch angekündigt, die indischen Goldimporte dieses Jahr auf 845 Tonnen zu begrenzen, berichtet Bloomberg. Gold ist nach Öl die zweitgrößte Importware des Landes. Der massive Anstieg der Goldimporte hatte das indische Leistungsbilanzdefizit in die Höhe schießen lassen. Dies sei die größte Gefahr für die indische Wirtschaft, so die Zentralbank des Landes.

Durch die reduzierten Goldimporte erwarte man eine Stabilisierung des Leistungsbilanzdefizits, sagte Finanzminister Palaniappan Chidambaram. „Einige weitere Schritte liegen auf dem Tisch, um die Lücke im Bilanzdefizit zu schließen.“

Indische Juweliere zahlen derzeit 10 Dollar mehr pro Unze Gold an Banken und andere Goldimporteure als der in London festgelegte Benchmark. Grund für den Aufschlag ist eine neue Vorschrift der indischen Zentralbank, berichtet Bloomberg. Noch eine Woche zuvor hatte der Aufschlag bei nur 4 Dollar pro Unze gelegen.

Die indische Zentralbank hat alle Goldimporteure des Landes angewiesen, 20 Prozent des Goldes für Re-Exporte in Form von Schmuck zu reservieren. Aus diesem Grund müssen die Schmuckexporte möglicherweise zu sehr billigen Preisen erfolgen, um die Quote von 20 Prozent zu erreichen. Denn der internationale Markt ist derzeit nicht so goldhungrig wie Indien, sodass die Exporte sich nicht so einfach herstellen lassen.

In der Festival-Saison ab Herbst wird nun ein Goldmangel befürchtet. Dieser könnte den Aufschlag, den die Juweliere für Gold zahlen müssen, auf 25 Dollar pro Unze ansteigen lassen. Der Konsument muss diesen mitbezahlen, wenn er Schmuck kauft. Er kommt zu der erhöhten Importsteuer von 8 Prozent noch hinzu.

Von der Unterdrückung des Goldkonsums in Asien profitieren allerdings nicht nur die dortigen Regierungen, sondern auch die westlichen Regierungen und die internationalen Edelmetall-Banken. Der Schweizer Vermögensverwalter Egon von Greyerz sagte kürzlich zum KingWorldNews Blog:

„Regierungen und Zentralbanken haben über Jahrzehnte ihr Gold verliehen oder verkauft. Daher besitzen sie sehr wahrscheinlich sehr wenig von den 23.000 Tonnen, die westliche Zentralbanken angeblich halten.

„Aber auch die Edelmetall-Banken haben jetzt ein Problem: Sie versuchten während des massiven manipulierten Verkaufs, den wir in den letzten paar Monaten im Papiermarkt gesehen haben, sich mit physischem Gold einzudecken. Obwohl sie den Preis gedrückt haben, wurde das meiste physische Gold, dass durch den Verkauf von börsengehandelten Fonds frei wurde, von Asien aufgenommen.“

Auch der Schweizer Investor Marc Faber glaubt, dass die Zentralbanken in Wirklichkeit viel weniger physisches Gold besitzen, als sie behaupten (hier). Greyerz erwartet einen starken Anstieg des Goldpreises ab September.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Ukraine-Hauptquartier: Amerikaner übergeben Nato-Mission ausgerechnet Deutschland
14.06.2024

Die Nato plant, die internationalen Waffenlieferungen und Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte zu koordinieren. Deutschland fällt...

DWN
Politik
Politik Die Bahn kommt: Bund und Länder einig über Sanierungskosten und Ertüchtigung
14.06.2024

Vor lauter Hiobsbotschaften von der Bahn gehen manchmal die wirklich wichtigen Nachrichten unter. Bund und Länder haben sich diese Woche...

DWN
Politik
Politik Die DWN-Chefredaktion kommentiert: Warum Deutschland bei Abschiebungen Zeit verschwendet
14.06.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...

DWN
Immobilien
Immobilien ZIA-Immobilientag 2024: Krise in der Baubranche „ist noch gar nicht richtig angekommen“
14.06.2024

Beim jährlichen „Tag der Immobilienwirtschaft“ des Spitzenverbands der deutschen Immobilienwirtschaft (ZIA) diese Woche war ein...

DWN
Politik
Politik Waffenruhe Ukraine: Putin nennt Verzicht auf NATO-Mitgliedschaft als Bedingung
14.06.2024

Russlands Präsident Wladimir Putin bietet eine Waffenruhe in der Ukraine an, stellt dafür aber klare Bedingungen auf: Die Ukraine muss...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft EU-Strafzölle treffen auch Tesla: Warnung vor Preiserhöhungen
14.06.2024

Obwohl Tesla eine Fabrik in Grünheide hat, importiert das Unternehmen den Bestseller Model 3 aus Shanghai nach Deutschland. Jetzt...

DWN
Politik
Politik Krieg in Nahost: Bidens Friedensplan erhält Unterstützung von den G7
14.06.2024

Im Bemühen, einen Weg aus dem Gaza-Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas zu finden, hat sich auch die G7-Gruppe der...

DWN
Politik
Politik Schuldenerlass: Bundesregierung verzichtete seit 2000 auf knapp 16 Milliarden Euro an Auslands-Forderungen
14.06.2024

Deutschland geht etwas leichtfertig mit Forderungen an andere Länder um, wie kumulierte Schuldenerlässe von 16 Milliarden Euro innerhalb...