Unternehmen

Krise als Chance: Chinesische Investoren erobern Europa

Lesezeit: 2 min
31.10.2013 11:52
Chinesische Investoren sind heiß auf den europäischen Markt. Deutschland, Großbritannien und Frankreich sind beliebte Ziele für chinesisches Kapital. Investiert wird in Infrastruktur, Immobilien und Technologieunternehmen. Die EU will für die Chinesen ein investitionsfreundliches Klima schaffen.

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die wirtschaftliche Krise in Europa ist ein perfekter Zeitpunkt für chinesische Investoren, um in den Ländern der EU lukrative Geschäfte abzuschließen. Die Chinesen wollen sich nicht auf die traditionellen Märkte wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich beschränken, sagte Chen Xin, Direktor des Europäischen Institutes der Chinese Academy of Social Sciences.

„Chinas Investmentziele sind nicht gleichmäßig genug verteilt“, sagte Chen der europäischen Ausgabe von China Daily. Man müsse weg von der Finanzindustrie in Großbritannien und dem Tourismus in Südeuropa. „Wir müssen neue Märkte erobern“.

Der Geldfluss in Europa ist aufgrund der anhaltenden Staatsschuldenkrise und der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung stark eingeschränkt. Banken leihen sich untereinander nur noch zu schlechten Konditionen Geld. Die Zahl der faulen Kredite ist größer, als vor der Krise (mehr hier). Unternehmen in Südeuropa haben es schwer, günstige Kredite für Investitionen zu erhalten.

Das ist der beste Zeitpunkt für chinesische Investoren, um den europäischen Markt zu erschließen“, sagte Tong Jisheng, leitender Manager der Shanghai Construction Group. Die SCG investiert seit 2005 in den Ausbau der A2 in Polen.

Investiert wird im großen Stil in Infrastrukturprojekte. Die Beijing Construction Engineering Group will knapp 200 Millionen Dollar in den Ausbau des United Kingdom Manchester Airport stecken. Weitere beliebte Interessensfelder sind Immobilien in der Schweiz sowie Technologieunternehmen aus Deutschland (hier).

Chinesische KMU investieren in Europa

Der Geldfluss aus China werde anhalten, sagte Pascal Gondrand, Frankreichs Investmentberater in China. „Er wird aber mehr von privaten Unternehmen kommen, insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen“. Bis 2020 sollen die Investitionen nach Angaben des chinesischen Außenministeriums auf 500 Milliarden Dollar ansteigen.

Über 15.000 Franzosen arbeiten bereits für chinesische Firmen, die in Frankreich ansässig sind. 21 Prozent aller Investitionen aus China gehen nach Frankreich, gefolgt von Großbritannien (16%) und Deutschland (7%). Aufgrund der kulturellen und industriellen Vielfalt eröffnen sich auch in Osteuropa gute Einstiegsmöglichkeiten für chinesische Investoren. Die günstigen Arbeitsbedingungen vor Ort bieten einen guten Zugang zum entwickelten europäischen Markt (hier).

Dabei bieten Investitionen in Europa nicht automatisch erfolgreich sein. Die Einstellung zur Investition muss stimmen, sagte Cui Honjian, vom chinesischen Institute of International Studies. Man solle auf „Spekulationen und nicht nur nach einem hohen Ertrag „geiern“, so Cui.

Schwierigkeiten bei Handelsabkommen mit EU

Nach einem Handelskrieg, der im Juni über den Import billiger Solarmodule nach Europa entbrannt ist (mehr hier), versuchen die EU und China ihre Handelsbeziehungen wieder zu verbessern. Beide Seiten sind auf der Suche nach einem Handelsabkommen. Die EU will einen besseren Zugang zur chinesischen Industrie und dem Bankenwesen und will Investoren aus China dafür einen attraktiven Zugang zum EU-Markt gewähren.

Im Gegenzug will sie verhindern, dass europäische Unternehmen mit einem chinesischen Joint Venture Partner zusammen arbeiten und wichtiges Know-How abgeben müssen, dass den Technologietransfer beschleunigt, berichtet Reuters. Die EU hält die staatlichen Subventionen in China für illegal, da sie die Produktionspreise vor Ort niedrig halten, ihren eigenen Export stärken und dadurch europäische Firmen benachteiligen.

„Das ganze System der Subventionen ist eines der größten Probleme in unserer Handelsbeziehungen, sagte, EU-Handelskommissar Karel De Gucht.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 



DWN
Deutschland
Deutschland Nächster Schock: Bundesregierung hält neuen Lockdown für möglich

Die Bundesregierung will in der Coronavirus-Pandemie einen neuen Lockdown trotz fortschreitender Impfkampagne nicht ausschließen. Der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Energiewende zum Trotz: Die Nachfrage nach Kohle boomt weltweit

Trotz der von vielen Staaten eingeleiteten Wende hin zu einer fossilfreien Energieerzeugung boomt die Nachfrage nach Kohle auf der Welt.

DWN
Politik
Politik PEI meldet 10.578 Verdachtsfälle: 1.028 Personen in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung sind tot

Das Paul-Ehrlich-Institut meldet im Zusammenhang mit den Impfungen in Deutschland: „In 10.578 Verdachtsfällen wurden schwerwiegende...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold als Inflationsschutz? Dieses Jahr ist alles anders

Deutlich besser als Gold haben sich 2021 Industriemetalle wie Kupfer und Nickel entwickelt. Ist das der Beginn des nächsten Superzyklus...

DWN
Politik
Politik Neuer Akt im Schattenkrieg: Sonderbare Schiffsentführung im Golf von Oman ist plötzlich beendet

Keine 24 Stunden, nachdem angeblich ein Tanker im Golf von Oman entführt wurde, hat sich die Lage wieder entspannt.

DWN
Deutschland
Deutschland Wirtschaft kritisiert weitreichende Klima-Forderungen der Grünen

Wirtschaftsverbände reagieren mit Kritik auf die weitreichenden Klima-Forderungen der Grünen. Auch von konservativen Parteien kommt...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russland rüstet bei Atom-Energie auf - und steckt weitere Milliarden in neue Kernkraftwerke

Russland setzt auf Atomkraft. Und pumpt weitere Milliarden Euro in sein laufendes Programm.

DWN
Politik
Politik „Trümmerfeld der Kinderseelen“: Bild-Chefredakteur übt vernichtende Kritik an Corona-Politik der Bundesregierung

Bild-Chefredakteur Julian Reichelt entschuldigt sich in einem Video im Namen des Landes bei den Kindern. Diese seien im Zuge von...