Griechenland plant Rückkehr an Kapitalmärkte

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
08.04.2014 00:06
Griechenland will 5-jährige Anleihen für insgesamt zwei Milliarden Euro ausgeben. Um Hedgefonds aus den USA anzulocken, ist sogar eine Dollar-Anleihe denkbar. Das Land nutzt die Spekulationen um Anleihekäufe der EZB, um günstig an neues Kapital zu kommen.

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Griechenland plant eine überraschende Rückkehr an die Kapitalmärkte. Die Regierung in Athen will sich über 5-jährige Anleihen bis zu zwei Milliarden Euro von internationalen Investoren leihen.

Erst vor kurzem erhielt Griechenland die Zusage für eine erneute Tranche aus dem Rettungspaket von insgesamt 240 Milliarden Euro.

Ein Teilbetrag von 6,3 Milliarden Euro wird bis Ende April ausgezahlt, die nächsten zwei Milliarden Euro sollen in zwei weiteren Teilbeträgen im Juni und Juli folgen. Insgesamt sind es 8,3 Milliarden Euro. Vom IWF kommen weitere 3,6 Milliarden Euro. Griechenland benötigt das Kapital in erster Linie, um alte Schulden bei Banken und anderen Investoren zu begleichen. Allein im Mai muss Griechenland 9,3 Milliarden Euro an Anleihegläubiger auszahlen.

Obwohl der Schuldenstand Griechenlands Ende 2013 die Höhe von 321,5 Milliarden Euro erreichte, was rund 175 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung entsprach und mit 7 Milliarden Euro Zinslast pro Jahr zu Buche schlägt, will das Land in nächster Zeit Staatsanleihen mit 5-jähriger Laufzeit im Volumen von 2 Milliarden Euro emittieren. Börsianern zufolge könnte der Mittelmeer-Anrainer diese Papiere bereits in den kommenden Tagen anbieten. Der Zeitpunkt der Platzierung, so hieß es zuletzt, hänge von den Marktbedingungen ab. Die scheinen nun so günstig wie seit langem nicht mehr.

Kurz vor dem erwarteten Comeback Griechenlands am Kapitalmarkt griffen Anleger bei Anleihen des Mittelmeer-Anrainers erneut zu, meldet Reuters. Zudem schürten die Spekulationen um Wertpapier-Käufe der Europäischen Zentralbank (EZB) die Kauflaune, sagte ein Börsianer. Hiervon profitierten auch die Anleihen anderer südeuropäischer Staaten.

Unlängst wurden Planspiele der EZB bekannt, wonach ein Programm zum Ankauf von Staatsanleihen im gesamten Euroraum im Volumen von nahezu einer Billion Euro jährlich geprüft wird (mehr hier).

Damit soll die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abgewehrt werden. Die EZB wollte sich zu dem Zeitungsbericht der FAZ nicht äußern, wie Reuters berichtete.

Die Rendite der zehnjährigen griechischen Titel fiel am Montag auf 6,116 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit März 2010. Die vergleichbaren Papiere Spaniens und Italiens standen ebenfalls hoch im Kurs. Ihre Renditen hielten sich mit 3,133 beziehungsweise 3,150 Prozent in Reichweite ihrer Tiefs vom Freitag.

Um vor allem Hedgefonds aus den USA anzusprechen, könnte Griechenland möglicherweise auch eine in US-Dollar benannte Anleihe ausgeben. Ein solches Papier könnte durch ein Syndikat, also einem Zusammenschluss mehrerer Banken, bei internationalen Anlegern platziert werden.

Klaus Regling, Chef des Euro-Rettungsfonds ESM hatte Griechenland davor gewarnt, „bei einer Rückkehr an den Finanzmarkt zu viel für frisches Kapital zu zahlen. Es sei natürlich, dass Griechenland nunmehr die Märkte testen wolle. Es sollte den Investoren aber keine zu hohe Rendite zahlen, um seine Schuldenlast nicht weiter zu erhöhen. Die griechische Regierung müsse sich überlegen, welchen Preis sie bereit sei zu zahlen“, sagte Regling, wie das Handelsblatt kürzlich berichtete.

Griechenlands Verschuldung rechnet sich wie folgt: Etwa 80 Prozent werden von der EU und dem IWF getragen, davon allein circa 40 Prozent vom ESM, bzw. vormals EFSF und EFSM. Die Rückzahlung ist auf 25 Jahre gestreckt und muss zehn Jahre lang nicht getilgt werden.

Zuletzt hatte jedoch der österreichische Kurier berichtete „dass mit einer erneuten Erleichterung der Konditionen auf die schon bisher gigantischen Hilfskredite gerechnet werde. So soll die Laufzeit der Darlehen auf 50 Jahre ausgeweitet und ihre Verzinsung um 0,5 Prozentpunkte gesenkt werden“.



DWN
Deutschland
Deutschland DWN aktuell: Polnische LOT rettet den bankrottreifen Ferienflieger Condor

Der finanziell angeschlagene Ferienflieger Condor hatte noch bis Ende März Zeit, einen neuen Investor zu finden - ansonsten hätte ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Das Zeitalter der entfesselten Spekulation in der Altersvorsorge hat begonnen

Weil die privaten Altersvorsorge-Systeme keine Rendite mehr erwirtschaften können, erwägt die EU eine komplette Öffnung – auch und...

DWN
Finanzen
Finanzen Sigmar Gabriel soll Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank werden

SPD-Politiker Sigmar Gabriel soll in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Das Geldinstitut hat ihn für einen Sitz im Kontrollgremium...

DWN
Politik
Politik SPD schließt Sarrazin aus - weil sie keine besseren Argumente hat

Die SPD wirft Thilo Sarrazin aus der Partei. Mit den Thesen des umstrittenen Autors setzt sich die Parteiführung nicht auseinander -...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldman Sachs beendet Zusammenarbeit mit rein „weißen und männlichen“ Vorständen

Um die Vielfalt zu fördern, will die US-Investmentbank Goldman Sachs keine Börsengänge von Unternehmen mehr begleiten, deren...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Virus lässt Öl- und Rohstoffpreise auf tiefste Stände seit zwei Monaten fallen

Das Corona-Virus zieht immer weitere Kreise. Nun schürt es auch die Angst der Rohstoffanleger. So fallen die Preise für Öl, Kupfer und...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Geringes Wirtschaftswachstum treibt Arbeitslosenzahlen weltweit in die Höhe

Die Konjunktur kühlt sich global immer mehr ab und wirkt sich in vielen Bereichen negativ aus. Die Weltarbeitsorganisation (ILO) rechnet...

DWN
Politik
Politik Nach Berliner Libyen-Konferenz: Wird die deutsche Außenpolitik ein Opfer ihres eigenen Erfolges?

Die von Deutschland initiierte Libyen-Konferenz war ein Erfolg. Doch hat sich die Bundesregierung damit selbst unter Zugzwang gesetzt. Denn...

DWN
Deutschland
Deutschland Daimler dementiert Pressebericht: Keine Kürzung des Absatzziels für Elektro-SUV

Die Ereignisse beim deutschen Autobauer Daimler überschlagen sich derzeit: Erst verkündete der Vorstand eine weitere Gewinnwarnung, dann...

DWN
Politik
Politik Entscheidung gefallen: SPD schließt Sarrazin aus der Partei aus

Die SPD hat den ehemaligen Bundesbanker Thilo Sarrazin aus der Partei ausgeschlossen.

DWN
Technologie
Technologie 5G: Großbritannien spielt immer noch mit dem Gedanken, Huawei ins Land zu holen

Huawei könnte nun doch einen Zugang zum britischen 5G-Netz erhalten. Zumindest planen dies einige Regierungsbeamte in London. Die USA sind...

DWN
Deutschland
Deutschland Umweltschützer fordern Erhöhung von Diesel-Preis um 53 Cent, Behörde um 70 Cent

Nach Vorstellungen des Umweltverbands BUND soll sich der Literpreis für Diesel bis 2030 um 53 Cent verteuern. Das Umweltbundesamt fordert...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutscher Ökonom appelliert an Europas Machthaber: Niedrigzinsen stoppen, Haushalts-Disziplin einhalten

Der deutsche Ökonom und Denkfabrik-Chef Daniel Gros richtet einen dringenden Appell an Europas Entscheider: Stoppt endlich die...

DWN
Politik
Politik Russland und Syrien führen gemeinsames Manöver im Mittelmeer durch

Im östlichen Mittelmeer haben Russland und Syrien ein Seemanöver durchgeführt.

celtra_fin_Interscroller