Schweiz verurteilt ehemaligen UBS-Banker wegen Spionage

Lesezeit: 1 min
13.10.2014 11:50
Die Schweizer Bundesanwaltschaft versucht, einen Spionage-Skandal abzuwenden. Ein ehemaliger UBS-Banker, der sensible Kundendaten an US-Behörden weitergegeben hat, wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Vorfall soll andere Banker davon abhalten, in einem Prozess gegen den ehemaligen UBS-Chef Raoul Weil auszusagen. Der Steuerstreit zwischen den USA und der Schweiz droht zu eskalieren.
Schweiz verurteilt ehemaligen UBS-Banker wegen Spionage

Der Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA weitet sich zu einem Spionage-Skandal aus. Die Schweizer Bundesanwaltschaft verurteilte den ehemaligen UBS Banker Renzo Gadola, weil dieser in Zusammenarbeit mit US-Behörden sensible Kundendaten weitergegeben hat. Das berichtet die Schweiz am Sonntag unter Berufung auf einen Strafbefehl vom 21. Juli. Darin sei erkenntlich, dass Gadola vor vier Jahren zwei Depotauszüge von Kunden an die US-Ermittler weiter gegeben hat.

Gadola wurde im November 2010 in Miami verhaftet, weil gegen ihn der Verdacht der Steuerhinterziehung vorlag. Schließlich kooperierte er mit den US-Behörden, um einer harten Strafe zu entgehen.

Der Strafbefehl aus der Schweiz untersagt es Bankern, vertrauliche oder geheime Dokumente preiszugeben, selbst wenn sie von US-Ermittlern unter Druck gesetzt werden. Das rechtskräftige Urteil könnte noch Folgen nach sich ziehen. Die Schweiz will offenbar die Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen an die US-Behörden mit allen Mitteln verhindern.

Interessant ist, dass die Strafe für Gadola in der Schweiz relativ milde ausfällt. Die NZZ berichtet:

„Zum anderen wiegt dann das Verschulden von G. offenbar doch nicht so schwer. So erhielt der frühere Banker nur eine Geldstrafe von 6000 Fr. und im Weiteren die Übernahme der Verfahrenskosten von 7117 Fr. aufgebrummt. Die Geldstrafe wurde zudem unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren ausgesetzt. Für weitere von den USA Beschuldigte ist das ein wichtiges Signal.“

Es stecken noch etwa 30 andere Banker in einer ähnlichen Klemme wie Gadola. Das Urteil in der Schweiz könnte sie dazu bewegen, die Kooperation mit US-Behörden abzubrechen oder zumindest keine Geschäftsgeheimnisse preiszugeben.

Das Urteil kann auch direkten Einfluss auf den Prozess gegen den früheren Top-Banker der UBS, Raoul Weil, haben. In dem am 14. Oktober beginnenden Prozess werden mehrere frühere UBS-Banker für die US-Staatsanwaltschaft und gegen Weil aussagen. Wenn sie dabei gegen Schweizer Recht verstoßen, droht ihnen eine ähnliche Strafe wie Renzi Gadola. Verweigern sie eine Aussage, droht ihnen eine Anklage vor einem US-Gericht, die weitreichende Folge haben kann.

Der Vorfall zeigt, wie die Schweizer Bundesanwaltschaft versucht, einen drohenden Spionage-Skandal abzuwenden. Wenn weitere Banker Geschäftsgeheimnisse von Kunden preisgeben, könnte das einen enormen Vertrauensverlust für den Schweizer Bankensektor bedeuten.



DWN
Finanzen
Finanzen Termingeschäfte eingeschränkt: Weltgrößter Pensionsfonds geht gegen Spekulanten vor

Mit einer Neuregelung zu seinem Aktienportfolio macht Japans staatlicher Pensionsfonds Leerverkäufern einen Strich durch die Rechnung....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Telefonica: Europas viertgrößter Telekom-Konzern in der Schuldenspirale, die EZB hängt als Gläubiger mit drin

Um seine massiven Schulden zu tilgen, plant Telefonica einen spektakulären Rückzug aus allen Märkten Lateinamerikas. Doch die dringend...

DWN
Deutschland
Deutschland Während Ungelernte kommen: 180.000 Akademiker und Fachkräfte verlassen Deutschland jedes Jahr

Rund 180.000 gut ausgebildete Fachkräfte oder Akademiker verlassen Deutschland jedes Jahr. Anstatt ständig den Zuzug ausländischer...

DWN
Politik
Politik Machtkampf um Bulgarien: Amerikaner gehen gegen dominante Russen in die Offensive

In Bulgarien begegnen sich die Einflussbereiche der USA und Russlands. Aktuell scheinen die Amerikaner wieder einen Schritt voraus gemacht...

DWN
Technologie
Technologie Beginnt die Abkopplung der Supermächte? Huawei baut erstmals Handy ohne US-Bauteile

Das neueste Handy des chinesischen Herstellers Huawei kommt ganz ohne in den USA gefertigte Chips aus. Es könnte das erste Anzeichen für...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Lithium-Reserven in Bolivien: Morales Sturz ist ein herber Rückschlag für China

Ende September sollen die Chinesen mit der inzwischen gestürzten bolivianischen Regierung eine vertiefte Zusammenarbeit im Lithium-Markt...

DWN
Politik
Politik Das Schicksal der Welt in den Händen von 5 Staaten

Die UN dient faktisch als Instrument von fünf Staaten, die international ihre eigenen Interessen verfolgen. Im UN-Sicherheitsrat verfügen...

DWN
Finanzen
Finanzen Japans Regierung versucht Rezession mit riesigem Kreditprogramm abzuwenden

Seit Monaten schwächt sich die Produktion und der Export des Landes ab. Nun versucht die Regierung mit dutzenden Milliarden gegenzuhalten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Autozulieferer Bertrandt streckt Fühler nach Wasserstoff-Markt aus

Der schwäbische Industriedienstleister Bertrandt stemmt sich mit einem neuen Geschäftsfeld gegen den Abschwung. Der Markt dafür ist...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesregierung plant deutliche Verschärfung des Strafrechts für Firmen

Das Bundesjustizministerium arbeitet an einer Verschärfung der Gesetze zur Unternehmenskriminalität.

DWN
Finanzen
Finanzen Flucht in den Dollar: Syriens Währung fällt auf Rekord-Tief

Der Kurs der syrischen Lira ist Anfang der Woche auf ein neues historisches Tief gesunken. Hintergrund ist nicht zuletzt die Krise im...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Weißrussland ruft Serbien zu Beitritt in die Eurasische Wirtschaftsunion auf

Serbien hat bereits ein Abkommen mit der euroasiatischen Wirtschaftsunion (EAWU) unterzeichnet - der Konkurrenzorganisation zur EU. Jetzt...

DWN
Politik
Politik Moral predigen, Macht ausüben: Die Herrschaft der internationalen Organisationen

Eine neue Art von Akteuren spielt auf der Bühne der globalen Machtkämpfe mit. Doch ihnen und den etablierten internationalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lebens- und Rentenversicherungen: Die Luft wird dünn, Finanzaufsicht kündigt Intervention an

Die Situation bei den deutschen Lebens- und Rentenversicherungen spitzt sich weiter zu. Ursächlich dafür ist die seit Jahren betriebene...

celtra_fin_Interscroller