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Gen-Uhr: DNA verrät Lebenserwartung

Erstmals lassen sich Aussagen über die restliche Lebenszeit anhand von Blutmessungen vornehmen. Wissenschaftlern ist es gelungen, eine eindeutige Verbindung zwischen dem biologischen Alter und der Lebensdauer herzustellen. Wer biologisch älter ist, als in Wirklichkeit, der stirbt wahrscheinlich früher, ergab die Forschung.
07.05.2015 15:21
Lesezeit: 2 min

Ein internationales Forscherteam entwickelte einen Weg, um zu bestimmen, wie viel Zeit einem Menschen voraussichtlich zu leben bleibt. Dafür verglichen sie das echte Alter mit einem ermittelten Wert – dem biologischen Alter. Die Sterblichkeitsrate sei bei denjenigen stark erhöht, die biologisch gesehen älter sind als tatsächlich. Die Forschungsergebnisse wurden in Genome Biology veröffentlicht.

Das Forscherteam unter der Leitung der University of Edinburgh in Schottland griff auf ältere Kohortenstudien zu, in denen die Studienteilnehmer alle bereits über 50 Jahre alt sind: Lothian Birth Cohort von 1921 (LBC1921) und 1936 (LBC1936), Framingham Heart Study (FHS) und Normative Aging Study (NAS). Über 14 Jahre verfolgten sie das Leben der fast 5000 Teilnehmer, deren biologisches Alter zu Beginn mit einer Blutprobe bestimmt wurde.

Diese vier Studien sind besonders aussagekräftig, da über einen langen Zeitraum Informationen von den Teilnehmern gesammelt werden konnte. In den Lothian Birth Cohorts wurde die Intelligenz elfjähriger Kinder gemessen, über 80 Jahren wurden zusätzlich unterschiedliche Vitalwerte gesammelt und ausgewertet, um herauszufinden, wie sich die Intelligenz mit dem Alter verändert.

Die Framingham Heart Study diente der Identifizierung von Faktoren, die eine Rolle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen. Sie begann 1948 mit 5.209 Personen im Alter zwischen 30 und 62. Das Hauptziel der Normative Aging Study sind Hintergrundinformationen zu Erkrankungen die mit dem Alter auftreten. Die Studie begann mit 2.280 Männern – meist Kriegsveteranen - die heute durchschnittlich 73 Jahre alt sind.

Das biologische Alter ist demnach kein willkürlicher Wert, sondern wird anhand der sogenannten DNA-Methylierung gemessen. Dieser Prozess findet im Inneren jeder Körperzelle statt und beeinflusst, welche Erbeigenschaften zurzeit ausgeprägt sind. Methylierte Basenpaare im DNA-Molekül können nicht mehr von Proteinen ausgelesen werden, weshalb die jeweilige Erbeigenschaft deaktiviert ist.

Anders als Mutationen verändert DNA-Methylierung also nicht wirklich die DNA – es werden nur bestimmte Erbeigenschaften mit der Zeit deaktiviert. Die Folgen davon sind Merkmale, die häufig im Alter auftreten – der natürliche Alterungsprozess wird vorangetrieben. Anhand des Fortschritts der DNA-Methylierung lässt sich das biologische Alter messen, allerdings ist die Arbeit des internationalen Teams die erste, die eine eindeutige Verbindung mit der Lebensdauer aufzeigt.

Für Menschen, bei denen das biologische Alter im Durchschnitt fünf Jahre höher war, als das wirkliche Alter, ergab sich eine um 21 Prozent erhöhte Sterblichkeit – unabhängig von der jeweiligen Todesursache. Nach einer Anpassung, die unterschiedliche Faktoren wie Alter, Gesundheit, Geschlecht und Lebensstil mit einbezog, ergaben sich immer noch 16% frühere Tode, als bei Menschen, deren Altersdifferenz geringer ist.

Das ist eine ziemlich deutliche Verbindung. In ihrer Publikation erklären die Wissenschaftler: „Die Unterschiede zwischen biologischem und chronologischem Alter ermöglichen eine Schätzung der Todeswahrscheinlichkeit über eine Kombination von Rauchen, Bildung, IQ in der Kindheit, sozialem Umfeld und verschiedene Erkrankungen hinaus.“ Leider sei noch nicht klar was man mit diesem Wissen anfangen könne.

„Zurzeit ist unklar, welche genetischen Faktoren und welcher Lebensstil das biologische Alter am meisten beeinflussen. Allerdings haben wir schon mehrere Projekte in Planung um das genauer zu untersuchen“, so Riccardo Marioni, Epidemiologe der University of Edinburgh, gegenüber Sciencedaily.

Professor Ian Deary, auch von der Univerity of Edinburgh erklärte: „Diese neuen Ergebnisse stärken unser Verständnis von gesundem Altern. Es ist aufregend, dass sie einen neuen Hinweis zum Altern ergeben. So lässt sich eine verbesserte Voraussage über die Lebensdauer eines Menschen zu treffen, ohne lediglich Faktoren wie Rauchen, Diabetes und Herzerkrankungen miteinbeziehen zu können.“

Bisher wurde nur eine Verbindung zwischen früherem Tod und erhöhtem biologischen Alter festgestellt. Wie man jedoch dieses Wissen nutzen kann, um das biologische Alter zu senken und so die Lebenserwartung in die Höhe zu treiben, ist noch nicht klar. Außerdem finden die meisten Menschen Voraussagen über ihren Tod – besser gesagt die Zeit, die ihnen noch bleibt – nicht sehr angenehm.

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