Politik

Blackout in Berlin: Wenn die Infrastruktur versagt

Der dramatische Stromausfall in Berlin hält bereits den fünften Tag an und ist eine Warnung für das ganze Land. Auch in einer hoch entwickelten Metropole kann also die kritische Infrastruktur in Gefahr geraten. Welche Folgen durch den Anschlag auf das Stromnetz zu erwarten sind.
07.01.2026 11:18
Lesezeit: 4 min

Blackout in Berlin: Wenn die Infrastruktur versagt

In Berlin herrscht aktuell eine krisenhafte Lage nach einem gezielten Anschlag auf die Stromversorgung. Zehntausende Haushalte im Südwesten der Stadt waren seit dem 3. Januar 2026 ohne Energie. Der Blackout konzentriert sich auf die Stadtteile Lichterfelde, Zehlendorf, Nikolassee und Wannsee. Zunächst waren bis zu 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen betroffen. Zwar konnten bereits einige tausend Haushalte wieder ans Netz gehen, doch etwa 30.000 Haushalte sind weiterhin ohne Strom. Eine vollständige Wiederherstellung der Versorgung wird erst für Donnerstagnachmittag erwartet. Ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über dem Teltowkanal hat die Hauptleitungen zerstört. Die linksextreme „Vulkangruppe“ hat sich in einem Bekennerschreiben zu der Tat bekannt. Der Bezirk hat Wärmestuben eingerichtet und bietet Notlager für Betroffene an. Pflegeheime mussten teilweise evakuiert werden.

Ausnahmesituation Blackout trifft Bürger und Unternehmen hart

Langanhaltende Stromausfälle wie der aktuelle Blackout im Berliner Südwesten haben bei den herrschenden winterlichen Temperaturen und Schneefall tiefgreifende Auswirkungen auf den Alltag und die Sicherheit der Bevölkerung.

Da viele moderne Heizungsanlagen sowie das lokale Fernwärmenetz für die Steuerung und Umwälzpumpen auf Strom angewiesen sind, kühlen Wohnungen bei Frostgraden schnell aus. In mehrstöckigen Gebäuden fallen elektrische Wasserpumpen aus, was zum Verlust des Wasserdrucks in den oberen Etagen führt. Mobilfunknetze und Festnetz-Internet fallen nach Erschöpfung der Notbatterien in den Basisstationen aus, was die Kontaktaufnahme zu Rettungskräften erschwert.

Supermärkte und Einzelhandelsgeschäfte mussten schließen. Ohne Strom funktionieren weder Kassen noch Kartenzahlungssysteme oder Kühlungen, was schnell zum Verderb von Lebensmitteln führt. Aufzüge in Hochhäusern bleiben stecken, was besonders für Senioren und Gehbehinderte eine Falle darstellt. Auch Tankstellen können ohne Strom keinen Treibstoff fördern.

Menschen, die zu Hause auf elektrische medizinische Geräte (z. B. Beatmung oder Dialyse) angewiesen sind, geraten in Lebensgefahr. Pflegeheime und Krankenhäuser mussten Patienten teilweise verlegen oder auf Notstrombetrieb umschalten, der jedoch nur begrenzt aufrechterhalten werden kann. Der plötzliche Verlust der gewohnten digitalen Vernetzung und der Komfortzone „Heim“ führt auch zu erheblicher psychischer Belastung und Verunsicherung. Die Dunkelheit im öffentlichen Raum und der Ausfall von Alarmanlagen können das subjektive Sicherheitsgefühl beeinträchtigen. Zur Entlastung hat der Bezirk Wärmestuben in Turnhallen eingerichtet, in denen Betroffene sich aufwärmen und Informationen erhalten können.

Landeskriminalamt und der Generalbundesanwalt ermitteln zum Blackout

Die Ermittlungen des Landeskriminalamts (LKA) zum Blackout im Berliner Südwesten konzentrieren sich aktuell auf die Auswertung des Bekennerschreibens und die Sicherung technischer Spuren am Tatort. Da von einer politisch motivierten Tat ausgegangen wird, hat die Abteilung für politisch motivierte Kriminalität des LKA die Ermittlungen übernommen. Ein Schreiben der linksextremen „Vulkangruppe“ wird von den Ermittlern als „glaubhaft“ eingestuft. Die Gruppe bezeichnete den Anschlag auf die Kabelbrücke des Kraftwerks Lichterfelde darin als „Akt der Sabotage“. Experten des LKA sicherten unmittelbar nach dem Brand Spuren an der betroffenen Kabelbrücke über den Teltowkanal. Dabei kamen auch Drohnen zum Einsatz, um das Ausmaß der Zerstörung aus der Luft zu dokumentieren. Berichten zufolge werden unter anderem verdächtige Fußspuren im Bereich des Tatorts untersucht. Das LKA prüft Parallelen zu früheren Anschlägen der „Vulkangruppe“, etwa auf die Stromversorgung des Tesla-Werks in Grünheide oder frühere Sabotageakte an der Berliner S-Bahn-Infrastruktur.

Aufgrund der Schwere der Tat und der massiven Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit hat die Berliner Generalstaatsanwaltschaft die Federführung der Ermittlungen übernommen. Es wird wegen des Verdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage sowie der Brandstiftung ermittelt. Die Polizei hat die Präsenz in den betroffenen Bezirken Steglitz-Zehlendorf erhöht und bittet Zeugen, die am frühen Samstagmorgen des 3. Januar verdächtige Beobachtungen am Teltowkanal gemacht haben, sich zu melden.

Politische Reaktionen und Forderungen auf den Blackout

Die Berliner Politik reagiert mit scharfer Kritik und fordert weitreichende Konsequenzen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) bezeichnen den Anschlag als „Terrorismus“. Wegner kündigte an, den Ermittlungsdruck auf die linksextreme Szene massiv zu erhöhen. Franziska Giffey fordert ferner finanzielle und logistische Unterstützung vom Bund, um die immensen Schäden – die Firmen allein im Millionenbereich erwarten – zu bewältigen.

Ferner gibt es Forderungen nach einem deutlich besseren Schutz von Knotenpunkten der Stromversorgung, da die aktuelle Sabotage die Verwundbarkeit der Metropole offengelegt hat. Opposition und Experten kritisieren, dass die Reparaturzeiten in einer Metropolregion unakzeptabel seien und die Vorbereitung auf solche Szenarien lückenhaft wirke.

Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt Vorbereitung auf Blackouts

Nach den Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sollten Haushalte generell so vorbereitet sein, dass sie ein paar Tage auch ohne externe Stromversorgung auskommen können. Dazu gehören beispielsweise für den Notfall geladene Powerbanks und auch batteriebetriebene Radios sowie Bargeld, Wasservorräte und haltbare Lebensmittel. Auch wenn der Staat in solchen Fällen Hilfe organisiert, ersetzt dies nicht die individuelle Vorsorge. Der Zugang zu offiziellen Informationen wird dann wichtig, genauso wie die Nachbarschaftshilfe.

Neues KRITIS-Dachgesetz zur Vorbeugung von Blackouts geplant

Allerdings führt der umfassende Blackout in Berlin jetzt natürlich auch zu einer größeren Debatte, die sich generell mit der Sicherheit kritischer Infrastrukturen befasst. Für diese sogenannte KRITIS ist Strom das erste Fundament für die Funktionsfähigkeit aller anderen wichtigen Infrastruktursysteme. Ohne Strom versiegt die Kommunikation, der Verkehr und Zahlungsverkehr und wichtige Teile der Gesundheitsversorgung. Aus diesem Grund arbeitet die Bundesregierung jetzt auch unter Hochdruck an einem neuen KRITIS-Dachgesetz.

Durch die neue Gesetzgebung sollen die Betreiber kritischer Anlagen verpflichtet werden, systematische Risikoanalysen durchzuführen, neue Schutzmaßnahmen für die Systeme umzusetzen und auch Notfallpläne vorzubereiten. Als Maßnahmen sind neben Meldepflichten bei Störungen eben auch regelmäßige Risikoanalysen und verbindliche Mindeststandards für die physische Sicherung der Systeme geplant. Diese sollen durch staatliche Kontrollen gewährleistet werden. Insgesamt soll durch die neue Gesetzgebung die Widerstandsfähigkeit der Systeme erhöht werden. Dabei geht es dann nicht nur um technische Defekte, sondern auch um Terror und Sabotage oder hybride Bedrohungen. Noch diesen Januar soll hierfür eine nationale Strategie erarbeitet werden, die verschiedene Schutzmaßnahmen miteinander verbindet.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat vor großflächigen Stromausfällen bereits seit Jahren gewarnt. Auch häufen sich die Angriffe auf kritische Infrastrukturen, deren Komplexität weiter wächst. Fallen wichtige Knotenpunkte in der Infrastruktur aus, können ganze Bezirke und Stadtteile für längere Zeit ohne Stromversorgung bleiben. Der Blackout in Berlin zeigt deutlich, wie verletzlich die modernen Systeme letztendlich sind und er ist eine Warnung an das ganze Land, die kritischen Infrastrukturen deutlich besser abzusichern.

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