Massensterben: Windräder töten hunderttausende Fledermäuse

Lesezeit: 3 min
11.05.2015 12:34
Häufig berichten Spaziergänger in den USA von toten Fledermäusen in der Nähe von Windkraftanlagen. In einer Studie ging ein Forscherteam der Sache auf den Grund und untersuchte die Umstände des Massensterbens in der Nähe von Windrädern.
Massensterben: Windräder töten hunderttausende Fledermäuse

Fledermäuse sind nachtaktive Säugetiere und werden bis zu dreißig Jahre alt. Bekannt sind sie insbesondere durch ihr einzigartiges Echoortungssystem, das sie bei Nacht nutzen um ihre Umgebung zu erkennen. Die Tiere „sehen“ allerdings nicht ausschließlich per Echoortung, sondern haben auch Augen, wenngleich sie mit diesen nur schwer etwas erkennen können. Wie jede der 25 in Deutschland beheimateten Fledermausarten, sind auch viele weitere der rund 750 Arten weltweit vom Aussterben bedroht.

Gerade durch den Menschen verlieren viele Fledermäuse ihren Lebensraum. Meist leben sie in Bäumen, Höhlen und ähnlichen Räumen, vorzugsweise gut vor Wind, Wetter und natürlichen Feinden geschützt. Viele Fledermäuse leben auch in den Dachböden alter Häuser, wo es warm ist und ihr Nachwuchs sicher alleine warten kann bis die Mutter von der Jagd heimkehrt. Fledermäuse ernähren sich von Insekten wie Mücken, Fliegen, Spinnen und Nachtfaltern, die sie im Flug erbeuten. Sie nutzen dabei ihre Flügel um ihrer Beute zu fangen.

Die Tiere sind aus verschiedenen Gründen bedroht. Einerseits raubt der Mensch ihnen den Lebensraum durch Rodung der Wälder und Sanierung alter Dachböden. Andererseits vergiften in der Landwirtschaft eingesetzte Insektenschutzmittel ihre Nahrung. Somit stellt der Mensch die unmittelbar größte Bedrohung für die kleinen Fluggeschöpfe. Darüber hinaus sind auch Windräder eine große Gefahr für sie.

In den Vereinigten Staaten werden jährlich über 600.000 tote Fledermäuse in der Nähe von Windkraftanlagen gefunden. Auch in Deutschland wurden vereinzelt Fälle gemeldet, jedoch nicht so viele wie in den USA, da die wenigsten Anlagen überwacht werden. Die nachtaktiven Tiere kollidieren offensichtlich bei Dunkelheit mit den Turbinenblättern der Windräder und fallen dann zu Boden. Weshalb das so oft passiert und warum sich Fledermäuse überhaupt den Windrädern nähern war bisher recht unklar. Die meisten dieser Unfälle geschehen in Sommer und Herbst.

Zusätzlich kommt die Frage auf warum ausgerechnet Fledermäuse an den Turbinen verunglücken. Nachtaktive Vögel, wie etwa Eulen, meiden Windräder und fliegen im großen Bogen an den Anlagen vorbei. Dabei sollte man doch meiden, dass Fledermäuse per Echoortung Windräder von Bäumen unterscheiden können müssten.

In Proceedings of the National Academy of Sciences erschien eine Studie, in der ein Forscherteam unter der Leitung von U.S. Geological Survey Scientist Paul Cryan der Sache auf den Grund ging und das Verhalten der Tiere untersuchte. Über einen Studienzeitraum von drei Monaten wurden dabei drei Windräder und deren Umgebung beobachtet. Insgesamt wurden rund 900 Sichtungen von Fledermäusen in der Nähe von Windkraftanlagen gemacht und ausgewertet.

Um die Tiere zu beobachten verwendeten die Forscher Infrarotkameras. Diese liefern auch in der Nacht Bilder, da sie nicht das sichtbare Licht aufnehmen, sondern die von Objekten abgegebene Wärmestrahlung und sie dann in für Menschen sichtbares Licht umwandeln. So ließ sich sehr gut beobachten wie sich Fledermäuse in der Umgebung von Windturbinen verhalten. Die Ergebnisse sind erstaunlich.

Die meisten Vögel fliegen um die Windräder herum. Vermutlich in weiser Voraussicht, die großen Türme und Rotorblätter könnten nichts gutes verheißen. Doch Fledermäuse – die genau genommen keine Vögel sondern Säugetiere sind – nähern sich häufig den Anlagen. Zuerst fliegen sie dabei von der Leeseite, also entgegen der Windrichtung, an das Zentrum der Windkraftanlage. Danach begutachten sie die Rotorblätter – die an ihren Spitzen teilweise 200 Stundenkilometer erreichen – und werden dabei von diesen nicht selten getroffen.

Laut der Studie seien die meisten Aufnahmen von Fledermäusen an Windrädern in klaren, mondbeschienen Nächten gemacht worden. Die Fledermäuse könnten also versucht haben Bäume mit bloßem Auge zu sehen. Dabei flogen sie offensichtlich höher als gewöhnlich und verwechselten die hohen Türme mit möglichen Quartieren.

Außerdem mieden Fledermäuse die großen Kolosse in sehr windigen Nächten. Daraus lässt sich schließen, dass die Tiere die sehr schnelle Rotation der Rotorblätter als gefährlich erachteten und deshalb nicht näher untersuchten. Zusätzlich könnten die Fledermäuse auch stärkere Turbulenzen hinter den Windrädern wahrgenommen haben, wodurch sie abgeschreckt wurden.

„Wir könnten sie davon abhalten, wenn wir wüssten warum sie sich den Windrädern nähern“, sagte der Leiter des Forscherteams Paul Cryan. Ein möglicher Lösungsansatz sei Experten zufolge das Erhöhen der Start-Geschwindigkeit, bei der die Anlagen ihren Betrieb aufnehmen. Bei niedrigen Windgeschwindigkeiten sollten die Windräder hingegen stillstehen, um die Sicherheit der bedrohten Fledermäuse zu gewährleisten.

Einer in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlichte Studie belegt nun , dass 90 Prozent der obduzierten Tiere an einem Barotrauma sterben. Sie verbluten dabei innerlich. Windkraftanlagen erzeugen an ihren Rotoren stark schwankende Luftdruckverhältnisse. Diese können die Fledermäuse mithilfe ihres Echolots nicht erkennen. Sie nähern sich und der plötzliche Unterdruck lässt ihre Lungenbläschen platzen.

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