Politik

Flüchtlinge: EU will Balkan-Route für geschlossen erklären

Lesezeit: 1 min
06.03.2016 03:03
Im Entwurf für das Schlussdokument des EU-Gipfels erklärt die EU die Balkan-Route für geschlossen. Griechenland wird demnach die ankommenden Flüchtlinge und Migranten aufnehmen müssen. Keine klare Vereinbarung gibt es für die Verteilung der Flüchtlinge in Europa.
Flüchtlinge: EU will Balkan-Route für geschlossen erklären
EU-Präsident Donald Tusk mit dem türkischen Premier Ahmet Davutoglu am Freitag in Ankara. (Foto: EPA/TURKISH PRIME MINISTER PRESS OFFICE)

Mehr zum Thema:  
Europa >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Europa  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die Wiener Zeitung Der Standard hat das Abschlussdokument des EU-Gipfels zur Flüchtlingskrise eingesehen. Darin wird die von Österreich, Slowenien und Kroatien bereits umgesetzte Praxis der Schließung der Balkanroute offiziell verkündet. In dem Papier heißt es demnach: „Der irreguläre Strom von Migranten entlang der Westbalkanroute geht zu Ende. Diese Route ist ab nun geschlossen.“

Das bedeutet, dass die EU die über die Ägäis einreisenden Flüchtlinge und Migranten in Griechenland halten will. Es soll „das Äußerste“ getan werden, um Athen zu unterstützen. Zu diesem Zweck erhält Athen 700 Millionen Euro, verteilt über drei Jahre.

Die Türkei soll bewegt werden, die Flüchtlinge und Migranten im Land zu halten. Nur Syrer sollen nach Europa weiterreisen dürfen. Zu diesem Zweck will die EU eine Diskussion über die Abschaffung der Pressefreiheit in der Türkei verhindern. Die Bundesregierung erklärte, sie äußere sich zu innenpolitischen Vorgängen in der Türkei grundsätzlich nicht öffentlich. Amnesty International erklärte, die Türkei walze die Menschenrechte nieder, indem sie versuche, kritische Stimmen zu unterdrücken.

Die wichtigste Frage bleibt allerdings offen – wie nämlich die Flüchtlinge und Migranten in der EU verteilt werden soll. Angela Merkel ist immer noch überzeugt, dass es eine europäische Lösung geben werde. Sie sagte der Bild-Zeitung: „Ich erwarte, dass wir Schritt für Schritt das praktisch umsetzen, worauf wir uns beim letzten Europäischen Rat im Februar mit allen 28 Mitgliedsstaaten geeinigt haben. Wir können diese Herausforderung nur gemeinsam bewältigen.“ Interessant: Das Dokument sieht vor, dass Staaten auch mehr Flüchtlinge auf freiwilliger Basis aufnehmen können als in der ursprünglichen Quote vereinbart. Es ist unklar, ob es Staaten gibt, die von diesem Ansatz Gebrauch machen. Die Bundesregierung hat sich noch nicht festgelegt, ob Deutschland gegebenenfalls mehr Flüchtlinge und Migranten aufnehmen wird.

Der griechische Europaminister hat in einem Interview mit dem Standard gesagt, dass er genau wisse, wann die Flüchtlingskrise beendet sein werde: „Wenn der Krieg in Syrien, im Irak, in Libyen vorbei ist. Die Frage ist, was wir tun und was wir in den vergangenen fünf Jahren getan haben, um den Krieg zu beenden. Wie bringen wir zum Beispiel Frankreich, das mitverantwortlich für das Chaos in Libyen ist, dazu, mehr für Frieden und Stabilität zu wirken? Der Westen hat nicht viel getan, um diese Krisen zu entschärfen. Es ist ein gutes Geschäft für Unternehmen, die Munition verkaufen.“

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Europa >

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russlands Wirtschaft geht es prächtig
01.03.2024

Trotz oder gerade wegen des anhaltenden Krieges in der Ukraine läuft Russlands Wirtschaft immer besser. Die Sanktionen des Westens...

DWN
Panorama
Panorama CO2-Speicherung: Norwegen wird europäisches Drehkreuz – Deutschland ändert seine Haltung
01.03.2024

Auf der norwegischen Insel Blomoyna entsteht Europas größtes Projekt zur CO2-Abscheidung. Auch Deutschland, als größter...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft US-Magazin Bloomberg: „Deutschlands Tage als industrielle Supermacht sind gezählt“
01.03.2024

Das führende US-Wirtschaftsmagazin Bloomberg gibt eine niederschmetternde Prognose für die Zukunft Deutschlands ab: Deutschlands Tage als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen ChatGPT-Firma OpenAI kooperiert mit Roboter-Entwickler
01.03.2024

Die Macher des Chatbots ChatGPT wollen ihre Software mit Künstlicher Intelligenz in humanoide Roboter bringen. Das befeuert auch die...

DWN
Politik
Politik Gefährdet Kanzler Scholz unsere Sicherheit? Experten kritisieren Aussagen zu Verbündeten scharf
29.02.2024

Bundeskanzler Olaf Scholz gerät auch bei Politikprofis mehr und mehr in die Kritik. Hat er mit seinem "Nein" zur Lieferung des Systems...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aixtron-Aktie stürzt ab: 2024 weniger Wachstum erwartet - und nun?
29.02.2024

Die Aixtron-Aktie ist im Donnerstagshandel abgestürzt, zeitweise rutschte das Papier des Chipindustrie-Ausrüsters annähernd 20 Prozent...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nachhaltigkeitspflicht ab 2024: Wie deutsche Firmen jetzt handeln müssen!
29.02.2024

Mit der Einführung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU im Jahr 2024 müssen große Konzerne ihre Bemühungen in...

DWN
Politik
Politik EU-Kommission genehmigt Freigabe von Milliarden-Geldern für Polen
29.02.2024

Geldsegen aus Brüssel: Die polnische Regierung erhält Milliardengelder. Die EU-Kommission stimmt zu, eingefrorene Gelder in...