Politik

SinnLeffers und Strenesse: Deutsche Mode-Branche in der Krise

Die deutsche Modebranche steckt in der Krise: Strenesse kämpft nach einer geplatzten Übernahme ums Überleben. SinnLeffers hat die Insolvenz angemeldet.
13.09.2016 01:23
Lesezeit: 2 min

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die Modekette SinnLeffers ist zahlungsunfähig und hat einen Insolvenzantrag gestellt. «Um die SinnLeffers GmbH (...) dauerhaft wettbewerbsfähig positionieren zu können, ist eine leistungs- und finanzwirtschaftliche Sanierung im Wege eines gesteuerten Insolvenzplanverfahrens in Eigenverwaltung erforderlich», teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Göbel sagte: «Wir sind überzeugt, dass durch die Eigenverwaltung der Fortbestand der SinnLeffers GmbH gesichert ist und der Großteil der vorhandenen Arbeitsplätze erhalten werden kann.»

Als Sanierungsgeschäftsführer berief das Unternehmen den Düsseldorfer Rechtsanwalt Thomas Kluth, vorläufiger Sachwalter ist der Jurist Rolf Weidmann aus Essen.

Der Antrag habe «keinen Einfluss auf die operativen Geschäfte und die laufende Sanierung der Rudolf Wöhrl AG», teilte der Modehändler Wöhrl mit, der die gleichen Eigentümer hat wie SinnLeffers. «Weder Standorte noch Mitarbeiter oder Geschäftsbeziehungen von Wöhrl sind davon berührt.»

Wöhrl hatte vergangene Woche ein sogenanntes Schutzschirmverfahren eingeleitet. Dies schützt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe bereits Insolvenz anmelden müssen. Die Geschäftsführung kann das Nürnberger Unternehmen weiter lenken. Ihr wird allerdings ein Anwalt als «Sachwalter» und externer Berater zur Seite gestellt.

SinnLeffers war 1997 durch die Fusion aus den zwei kleineren Traditions-Modehäusern Sinn und Leffers entstanden. Von 2001 bis 2005 gehörte das Unternehmen zum Essener KarstadtQuelle-Konzern, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen wurde. Aktuell gibt es 22 SinnLeffers-Filialen in Deutschland. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen 1259 Mitarbeiter.

Erst vor wenigen Tagen war Übernahme des angeschlagenen Modeherstellers Strenesse gescheitert. Wie der Insolvenzverwalter des Unternehmens aus Nördlingen am Freitag berichtete, ist er vom Kaufvertrag mit einem niederländischen Investor zurückgetreten. Unklar blieb, wieso das Geschäft mit der MAEG Holding aus Amsterdam fehlschlug. Insolvenzverwalter und Investor machten sich in Pressemitteilungen gegenseitig dafür verantwortlich.

Strenesse als bisheriger Eigentümer erklärte, dass MAEG den Kaufpreis nicht gezahlt habe. Der Investor hätte demnach bis Ende August zahlen müssen. Diese Frist sei bis Freitag verlängert worden, ohne dass Geld eingegangen sei, berichtete Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Deswegen sei er vom Vertrag zurückgetreten. «Die Geschäfte laufen planmäßig weiter, alle Lieferanten- und Kundenbeziehungen werden aufrechterhalten», betonte Nerlich.

Eine PR-Agentur teilte hingegen im Namen von MAEG mit, es habe sich herausgestellt, dass die «Angaben über die wirtschaftliche Situation von Strenesse falsch gewesen» seien. «Der wahre Investitionsbedarf zur Neuaufstellung von Strenesse ist deshalb um ein Vielfaches höher, als auf Grundlage der vorgelegten Zahlen kalkuliert werden konnte», hieß es. Deswegen werde MAEG den Kaufvertrag nicht einhalten.

Ursprünglich hatte es Anfang August geheißen, dass MAEG alle 240 Mitarbeiter des schwäbischen Modeherstellers übernehmen wolle. Dafür hatte der Investor bereits eine neue GmbH gegründet. Erst vor wenigen Tagen war Strenesse von einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung in ein reguläres Insolvenzverfahren gewechselt, um die nach der Übernahme der Geschäfte eigentlich überflüssig gewordene Aktiengesellschaft abzuwickeln.

Der hoch verschuldete Modehersteller hatte 2014 Insolvenz angemeldet. Das einst von der Unternehmerfamilie Strehle geführte Unternehmen galt lange als ein deutsches Designermode-Aushängeschild.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fossiles Heizen: Explodieren die Preise 2027?
30.08.2025

Seit Jahren herrscht ein Kampf in Europa: Wie kann man die klimaschädlichsten Aspekte des Gebäudesektors in Angriff nehmen und...

DWN
Technologie
Technologie Atomkraftwerke in Deutschland: Rückbau "läuft auf Hochtouren"
30.08.2025

Seit dem endgültigen Atomausstieg läuft in Deutschland der Rückbau von Kernkraftwerken. Doch wie weit ist dieser Prozess tatsächlich?...

DWN
Finanzen
Finanzen Erneuerbare Energien-ETF: Vergleich – wie Anleger am besten vom globalen Energieumbruch profitieren können
30.08.2025

Der weltweite Energieumbruch verändert Märkte, Technologien und Kapitalströme – und die globale Energiewende ist längst Realität....

DWN
Technologie
Technologie Europas Energie aus dem All: Die Sonne könnte 80 Prozent liefern
30.08.2025

Forscher sehen eine radikale Lösung für Europas Energiekrise: Solarkraftwerke im All sollen bis 2050 vier Fünftel des Bedarfs decken –...

DWN
Technologie
Technologie Retro-Revival: Warum die Kassette ein Comeback erlebt
30.08.2025

Retro ist wieder in – und die Musikkassette steht dabei im Mittelpunkt. Einst totgeglaubt, erlebt sie heute ein überraschendes Comeback....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zu viele Tools, zu wenig Schutz: Wie Unternehmen ihre Cyberabwehr selbst sabotieren
30.08.2025

Je mehr Sicherheitslösungen, desto sicherer? Das Gegenteil ist der Fall: Tool-Wildwuchs, inkompatible Systeme und überforderte Teams...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland rüstet auf: Digitale Waagen gegen Brummi-Sünder
30.08.2025

Überladene Lkw ruinieren Straßen und bedrohen die Sicherheit. Deutschland setzt jetzt auf digitale Hightech-Waagen – und erklärt den...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungslos trotz Job: Wohnungsnot betrifft in Deutschland zunehmend Erwerbstätige
29.08.2025

Die Wohnungslosenzahlen steigen in Deutschland rasant: 474.700 Menschen gelten aktuell als wohnungslos – das sind 8 Prozent mehr als...