Deutsche Industrie mit deutlichem Rückgang der Aufträge

Die deutsche Industrie meldet einen starken Rückgang der Aufträge. Die Zahlen signalisieren eine Rückkehr zur Normalität.

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Die deutsche Industrie ist laut Reuters mit dem größten Auftragsrückgang seit Anfang 2009 ins neue Jahr gestartet. Bei den Betrieben gingen im Januar 7,4 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Viele Ökonomen sehen darin einen Ausreißer und das Minus als Reaktion auf das kräftige Plus von 5,2 Prozent im Dezember. „Die Zahlen von heute sind kein Grund zur Sorge“, sagte UniCredit-Analyst Thomas Strobel. Das Ministerium verwies auf ungewöhnlich wenig Großaufträge im Januar und rechnet weiter mit einer „Belebung der Konjunktur im Verarbeitenden Gewerbe“.

Die Auftragsdaten können von Monat zu Monat vor allem wegen Großbestellungen stark schwanken. So gab es im Dezember noch den größten Anstieg seit Juli 2014. Fachleute hatten deshalb für Januar mit einer Gegenbewegung von minus 2,5 Prozent gerechnet, wurden dann aber vom kräftigen Rückgang überrascht. Klammert man Großaufträge aus, lag das Minus bei 2,9 Prozent. Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Dezember/Januar gegenüber Oktober/November schrumpft der Rückgang sogar auf 0,4 Prozent zusammen. „Insgesamt stehen diese Daten einer Fortsetzung des Aufschwungs nicht entgegen“, sagte BayernLB-Experte Stefan Kipar. „Die Produktion bleibt weiter ausgelastet.“

Vor allem die Nachfrage aus dem Inland brach um 10,5 Prozent ein, die Auslandsaufträge sanken fast halb so stark. Das Ministerium verwies jedoch auf das dicke Auftragspolster von Ende 2016 und betonte: „Der schwache Einstieg in das neue Jahr sollte verkraftbar sein.“ Zudem sei das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe deutlich aufgehellter als im langjährigen Schnitt. Zuletzt hatte auch die Ifo-Umfrage signalisiert, dass die deutsche Wirtschaft auf gutem Kurs bleibt. Die deutsche Industrie verbuchte im Januar das größte Auftragsminus seit Anfang 2009. „Man sollte den Jahresauftakt nicht überinterpretieren“, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. „Vor dem Hintergrund der allgemein guten Stimmung in der Industrie sollte im Februar wieder ein klares Plus zu vermelden sein.“

ING-Diba-Chefökonom Carsten Brzeski sieht keinen Grund für Konjunktureuphorie und sagte zu den Auftragsdaten: „Sie sind eine Mahnung, dass die Industrie mehr Probleme hat zum vollen Tempo zurückzukehren als es die überschäumenden Frühindikatoren nahelegen.“

Enttäuschende Konjunkturdaten haben Anleger am Dienstag vom Wiedereinstieg in die europäischen Aktienmärkte abgehalten. Dax und EuroStoxx50 notierten jeweils kaum verändert bei 11.974 und 3385 Punkten. „Zuletzt gab es sehr viel Optimismus, vielleicht ist dies ein Zeichen dafür, dass nicht alles positiv ist“, sagte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. „Die Deutsche Bank ist auch nicht hilfreich.“

Die Aktien des Geldhauses verloren wegen der am Wochenende angekündigten acht Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung bis zu 3,2 Prozent. Damit büßte das Institut binnen zwei Handelstagen knapp elf Prozent seines Börsenwertes ein. „Erneute Verluste bei der Aktie der Deutschen Bank deuten darauf hin, dass Investoren sich die Frage stellen, ob acht Milliarden Euro genug sind, um die Bank auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu bringen“, sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets.

Aussagen von Vorstandschef John Cryan, erst nach einem erfolgreichen Umbau abtreten zu wollen, sorgten für zusätzlichen Druck. Börsianer kritisierten fehlende Details zum erneuten Umbau des Instituts. Cryan habe eine Rolle rückwärts gemacht und wirke konfus, sagten Großaktionäre. Im Sog der Deutschen Bank gaben andere Finanzwerte ebenfalls nach. Commerzbank büßten 1,5 Prozent ein, der europäische Banken-Index verlor 0,5 Prozent.

Am Devisenmarkt blickten Anleger auf das britische Oberhaus. Dessen Mitglieder sollen über mögliche Änderungen am Gesetz zum geplanten Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU abstimmen und damit dem Parlament mehr Mitspracherechte gewähren. Vor diesem Hintergrund fiel das Pfund Sterling zeitweise auf ein Sieben-Wochen-Tief von 1,2180 Dollar.

Der Euro bewegte sich dagegen kaum und kostete 1,0570 Dollar. Eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed in der kommenden Woche gilt an der Börse als sicher. Investoren sehen nach Reuters-Daten die Wahrscheinlichkeit hierfür bei 85 Prozent.

Parallel dazu trennten sich Investoren von fest verzinsten zehnjährigen italienischen Anleihen, um in ihren Depots Platz für neue, inflationsabhängig verzinste Papiere zu schaffen. Der Thomson-Reuters-Tochter IFR zufolge zeichneten sie neue Titel im Volumen von mehr als vier Milliarden Euro. „Der Zeitpunkt der Emission ist schlau gewählt, kurz nach Bekanntgabe des Anstiegs der Inflationsrate auf zwei Prozent“, sagte Unicredit-Anlagestratege Luca Cazzulani.

Die Autobauer Daimler und Volkswagen sowie der Zulieferer Continental führten mit Kursgewinnen von bis zu 1,1 Prozent den Dax an. Die Branche profitierte Börsianern zufolge vom Beginn des Genfer Autosalons. Außerdem schüre die Übernahme der General Motors-Tochter Opel durch Peugeot Fusionsfantasien innerhalb der Branche. Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne betonte, ein Schulterschluss mit GM sei für ihn weiter erstrebenswert.

An der Londoner Börse stürzten Aggreko dagegen um bis zu 14 Prozent ab. Der Vorsteuergewinn des Vermieters von Stromgeneratoren fiel auf 221 Millionen Pfund (255 Millionen Euro) von 252 Millionen Pfund im Vorjahr. Für 2017 stellte die Firma einen weiteren Rückgang in Aussicht.

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