Serie Mittelstand: Übernahmen können schnell scheitern

Der deutsche Mittelstand treibt international die Innovation voran. In einer DWN-Serie stellen wir einige Geheimnisse vor, warum die deutschen Unternehmen weltweit so erfolgreich sind.

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Viele deutsche Mittelständler sind erfolgreiche Familienunternehmen, die behutsam aufgebaut wurden und sich stark an den seit Jahrzehnten vermittelten Werten orientieren. Umso wichtiger ist für die Mitarbeiter, Inhaber und auch für die Kunden eine geeignete Nachfolge. In den kommenden zehn Jahren werden etwa 46.000 Mittelständler eine geeignete Nachfolge finden müssen.

Am liebsten wird die familieninterne Nachfolge von den Mittelständlern gesehen. Doch nicht immer funktioniert das. Und so werden Verkäufe an Private-Equity-Investoren oder aber der Einsatz eines familienexternen Managements häufiger. Hier ist jedoch Vorsicht geboten. Sonst könnte es dem Unternehmen am Ende so gehen wie einem einst erfolgreichen Produzenten von Antriebskomponenten, welches aus datenschutzrechtlichen Gründen im Folgenden Ankog genannt werden soll.

Ankog war ein familiengeführtes Unternehmen mit weltweit etwa 1.100 Mitarbeitern. Das Unternehmen stellte sowohl Standard- als auch Sonderkomponenten her und erreicht ein EBIT von 8 Prozent. Ursprünglich sollte das Unternehmen an die Tochter des Inhabers gehen. Als diese aber aus gesundheitlichen Gründen ausschied, wurde das Unternehmen mit samt den drei geschäftsführenden Gesellschaftern an ein Private-Equity-Unternehmen verkauft.

Dieser US-Konzern orientierte sich beim Ebit am eigenen Markt und verlangte fortan eine Ebit-Rate von 20 Prozent. Zudem sollte jeden Monat ein 32-seitiger Bericht erstellt und die Sonderkomponenten nach und nach verschwinden. Trotz zahlreicher Versuche der drei Geschäftsführer, mit der US-Führung über die neue Ausrichtung zu sprechen, blieb der US-Konzern bei seinen Zielvorgaben.

Das hatte zur Folge, dass nach den drei Geschäftsführern und einem gescheiterten Versuch des früheren Inhabers, das Unternehmen zurückzukaufen, immer mehr Führungskräfte das Unternehmen verließen und zur Konkurrenz wechselten. Der US-Konzern hatte seine Zielvorgaben und seine Arbeitskultur scheinbar ohne Rücksprache und ohne Kenntnis auf das deutsche Unternehmen projiziert.

Vier Jahre nach dem Kauf des US-Konzerns „wurde die ANKOG für einen guten Preis an eine Private-Equity-Gesellschaft verkauft, die das Unternehmen bald an die nächste Gesellschaft weiterveräußerte“, schreiben Heiner Kübler und Carl A. Siebel in ihrem Buch „Mittelstand ist eine Haltung: Die stillen Treiber der Deutschen Wirtschaft“. Wie „eine heiße Kartoffel wurde das einstige Vorzeigeunternehmen weitergereicht – inzwischen aber nur noch zur Hälfte des einstigen Kaufpreises.“

Der deutsche Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Vor allem viele Unternehmen, die außerhalb des Rampenlichts großer Konzerne agieren, prägen die Wirtschaft Deutschlands. Sie sind Impulsgeber, Wertebewahrer und Exportmeister. Zusammen mit Econ-Verlag werfen die Deutschen Wirtschafts Nachrichten in ihrer Reihe „Das bewegt den Mittelstand“ einen genauen Blick in die Welt der leisen Sieger.

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Das Buch Mittelstand ist eine Haltung: Die stillen Treiber der deutschen Wirtschaft“ ist im September im Econ-Verlag erschienen. Die beiden Autoren Heiner Kübler und Carl A. Siebel schauen dabei hinter die Kulissen des Deutschen Mittelstandes. Erfolg und Misserfolg ist hier gleichermaßen zu finden. Entscheidend jedoch ist, wie die Mittelständler mit den Misserfolgen umgehen.  Bestellen Sie das Buch bei Amazon.