Politik

Türkei verlegt schweres Militär-Gerät an die Grenze zu Syrien

Die Türkei verlegt seit mehreren Tagen schweres Gerät an die türkisch-syrische Grenze. Präsident Assad besuchte am Dienstag den russischen Militärstützpunkt Hmeimim.
28.06.2017 00:57
Lesezeit: 2 min

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Die Türkei verlegt seit mehreren Tagen Panzer, Panzerhaubitzen und weiteres schweres Militär-Gerät an die türkisch-syrische Grenze. Die militärischen Vorbereitungen könnten Teil eines von Russland und der Türkei ausgehandelten Plans sein, wonach die Region Idlib, wo sich zahlreiche internationale Söldner befinden, unter Kontrolle genommen werden soll.

Gleichzeitig werden die Russen offenbar die türkischen Operationen gegen die Kurden-Milizen der PYD, die die syrischen Ableger der PKK sind, billigend in Kauf nehmen. Die islamistische Söldnertruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS) protestierte am Montag gegen eine türkisch-russische Intervention in der Provinz Idlib. „Auch wenn die Türkei von vielen als ,Freund' angegesehen wird: Sobald sie einmarschieren, wird die Hölle losbrechen“, zitiert ARA News das HTS-Mitglied Mostafa Mahamed. In einer Mitteilung meldete HTS, dass sie „in keiner Weise eine ausländische Intervention akzeptieren“ werde, die Syrien in Einflusszonen aufteilt.

Hassan Hassan vom Tahrir-Institut für Nahostpolitik sagte ARA News, dass es unter den Söldnern Meinungsverschiedenheiten über die Rolle der Türkei in Idlib gebe. „HTS, ehemals Al-Nusra-Front, lehnt die Idee (Anm.d.Red. einer türkischen Intervention) ab, aber wachsende Stimmen außerhalb von HTS sagen, dass türkische Truppen besser sind als ein potenzieller Regimeangriff“, so Hassan.

Die Differenzen zwischen den Söldnern waren insbesondere nach der Katar-Krise ausgebrochen. Wegen des Streits zwischen Saudi-Arabien und Katar hatten die Söldner in Syrien begonnen, gegeneinander zu kämpfen. Die Türkei steht in der Katar-Krise an der Seite von Katar.

Ein signifikanter Teil der Söldner in Syrien und Idlib ist gegen den Plan Russlands, des Irans und der Türkei, wonach in Syrien Deeskalationszonen unter der Kontrolle dieser drei Länder entstehen sollen. Am vergangenen Donnerstag sprach der Sprecher des türkischen Präsidialamts, Ibrahim Kalin, offen über den Plan für Idlib. „Die türkischen und russischen Militärs könnten als Teil der Vereinbarungen über die Deeskalationszonen in die syrische Provinz entsendet werden“, zitiert die Nachrichtenagentur Tass Kalin. Nach Angaben des türkischen Nahost-Experten Hüsnü Mahalli befinden sich in der Provinz Idlib etwa 40.000 internationale Söldner. Nach der Befreiung von Aleppo hatten zahlreiche Söldner die Stadt in Richtung Idlib verlassen müssen.

Am 4. Mai hatten Russland, Iran und die Türkei vereinbart, in Syrien vier Deeskalationszonen einzurichten. Im Rahmen eines Memorandums, das bei den Gesprächen in Kasachstans Hauptstadt von Astana unterzeichnet wurde, gehören zu diesen vier Zonen die Provinz Idlib und einige Gebiete in den benachbarten Provinzen (Aleppo, Latakia und Hama), ein Gebiet nördlich von Homs, der Vorort von Ost-Ghouta, Daraa und Al-Quneitra, die sich im Süden von Syrien befinden, so die Tass.

Die Verlegung der türkischen Truppen an die syrische Grenze zielt nach Angaben der Zeitung Hürriyet auf die Stadt Afrin im Nordwesten von Syrien ab, die von den Kurden-Milizen der PYD kontrolliert wird. „Die Türken verlegen Truppen und schweres Militär-Gerät an ihre Grenze zu Syrien. Auch in der Nähe von Idlib sind Truppenverlegungen zu beobachten“, zitiert die Zeitung Vatan den Sprecher der Kurden-Milizen, Nuri Mehmud. Die regierungsnahe Zeitung Günes berichtet, dass das türkische Militär mit Operationen die Stadt Tal-Rifat im Kanton Afrin und den Luftwaffenstützpunkt Minnigh von den Kurden-Milizen befreien möchte. „In den kommenden Monaten werden sich unsere Operationen in dieser Region intensivieren. Gleichzeitig werden wir andere Ergebnisse als zuvor erzielen. Die PKK/YPG wird 30 bis 35 Kilometer nach Syrien gedrängt werden, um die Region zu sichern“, so der türkische Innenminister Süleyman Soylu.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat am Dienstag erstmals den russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim im Westen des Landes besucht. Auf Fotos, die von dem Besuch veröffentlicht wurden, ist Assad im Cockpit eines russischen SU-35-Kampfflugzeuges zu sehen. Zudem inspizierte er Waffensysteme und gepanzerte Fahrzeuge. Empfangen wurde er vom russischen Generalstabschef Waleri Gerassimow, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete.

Der Stützpunkt in der Nähe der Hafenstadt Latakia ist das Zentrum der russischen Streitkräfte, die Assad seit 2015 im Kampf gegen Rebellen und muslimische Extremisten unterstützen.

Assad hat in den vergangenen Tagen im Norden Syriens mehrere Orte besucht. Am Sonntag beging er das Opferfest zum Ende des Ramadans in der Stadt Hama. Am Donnerstag besuchte er nach Berichten der staatlichen Medien verwundete Soldaten in der Region. Dabei wurde er von seiner Frau Asma und den Kindern begleitet, wie Bilder der Medien zeigten.

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