„Welcome to Hell“: Schwere Ausschreitungen in Hamburg

In Hamburg ist es im Zuge der G20-Proteste zu schweren Ausschreitungen gekommen.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Ein Auto brennt am Rande der Demonstration «G20 Welcome to hell» gegen den G20-Gipfel am 06.07.2017 in Hamburg. (Foto: dpa)

Ein Auto brennt am Rande der Demonstration «G20 Welcome to hell» gegen den G20-Gipfel am 06.07.2017 in Hamburg. (Foto: dpa)

Polizisten sind bei der Demonstration «G20 Welcome to hell» am 06.07.2017 in Hamburg im Einsatz. (Foto: dpa)

Polizisten sind bei der Demonstration «G20 Welcome to hell» am 06.07.2017 in Hamburg im Einsatz. (Foto: dpa)

Am Vorabend des G20-Gipfels in Hamburg ist es zu massiven gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Dutzende Polizisten wurden verletzt, Autos und Mülltonnen brannten, Flaschen und Steine flogen, Scheiben gingen zu Bruch, ganze Straßenzüge wurden laut dpa verwüstet.

In der Krawallnacht sind nach Angaben der Polizei 111 Beamte verletzt worden. 29 Menschen seien festgenommen und 15 in Gewahrsam genommen worden, sagte eine Polizeisprecherin am Freitagmorgen. Es sei zu zahlreichen Sachbeschädigungen unter anderem an geparkten Autos, Geschäften und am Amtsgericht Altona gekommen.

Der dpa-Korrespondent spricht von «beängstigenden Szenen»: «Die Krawallmacher reißen Pflastersteine aus den Straßen, um sie auf Beamte zu werfen. Im Minutentakt fliegen Flaschen, Böller werden gezündet, Verkehrsschilder aus ihrer Verankerung gerissen. Immer wieder gibt es Verfolgungsjagden zwischen Linksextremisten und der Polizei, die mit dem Einsatz von Wasserwerfern, Schlagstöcken und Pfefferspray antwortet. Und immer wieder knallt es an einer anderen Ecke. «Ganz Hamburg hasst die Polizei», so schallt es immer wieder durch die Straßen. Eine halbe Stunde vor Mitternacht brennen vor dem linksautonomen Kulturzentrum «Rote Flora» zahlreiche Mülltonnen. Demonstranten blockieren Straßen. Die Polizei geht wie angekündigt mit Härte gegen die Protestierer vor. Die Randale geht weit über das hinaus, was die von den jährlichen 1.-Mai-Demos krawallerprobte Hamburger Polizei gewohnt ist.«

Kurz vor Mitternacht zählte die Polizei in ihren Reihen mindestens 74 Verletzte. Genaue Zahlen über verletzte Demonstranten gibt es zunächst nicht.

Die Ausschreitungen am Hafen selbst dauertn nur knapp eine halbe Stunde. Auf der Straße blieben Scherben, verlorene Schuhe und schwarze Mützen zurück. Zahlreiche Demonstranten flüchteten in Richtung Reeperbahn oder Altona. Wenig später meldete die Polizei dort ein brennendes Auto, außerdem bei einem schwedischen Möbelhaus und einer Sparkasse zerstörte Scheiben.

«Wir sind entsetzt über die offensichtliche Gewaltbereitschaft», twitterte die Polizei.

Zuvor war es flogen bei der «Welcome to Hell»-Kundgebung gegen das Treffen der großen Wirtschaftsmächte laut dpa Flaschen, Feuerwerkskörper wurden gezündet, später brannten umgestürzte Mülltonnen und mehrere Autos. Die rigoros vorgehende Polizei setzte wiederholt Wasserwerfer und Pfefferspray ein und trieb die rund 12.000 Teilnehmer auseinander.

Unter die Demonstranten hatten sich nach Polizeiangaben etwa 1.000 Vermummte gemischt – was die Polizei aber nicht duldete. Sie war ursprünglich sogar von bis zu 8000 gewaltbereiten Autonomen ausgegangen. Der Veranstalter erklärte den Demonstrationszug nach gut einer Stunde für beendet. Dieser war nur wenige Meter weit gekommen.

Das Netzwerk Attac verurteilte die Strategie der Polizei. «Die Auseinandersetzungen bei der Demonstration „Welcome to Hell“ waren eine Eskalation mit Ansage: Es ist offenkundig, dass diese Demonstration nach dem Willen von Polizei und Senat nie laufen sollte», sagte Roland Süß vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis.

Die Polizei sagte, man habe versucht, den «schwarzen Block» der Linksextremen von den friedlichen Demonstranten zu trennen – dann hätte die Kundgebung fortgesetzt werden können. Dies sei aber nicht gelungen. Die Linksextremen hatten über ihre Websiten zuvor angekündigt, mit Gewalt in Hamburg in Erscheinung treten zu wollen.

Aus der Menschenmenge lösten sich anschließend immer wieder einzelne Gruppen, die in Nebenstraßen verschwanden. Gewalttäter rüsteten sich laut Polizei mit Gerüstteilen und Steinen aus, errichteten Hindernisse auf Straßen und zündeten diese zum Teil an. An einem Kaufhaus im Stadtteil Altona, an Banken und am Amtsgericht gingen Scheiben zu Bruch.

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sagte am späten Abend, es gebe mittlerweile viele Kleingruppen, die durch die Stadt zögen. Diese errichteten Barrikaden, Beamte würden angegriffen. Die Lage sei weiter unübersichtlich.

Nachdem Polizei und Aktivisten miteinander Gespräche geführt hatten, formierte sich erneut ein Demonstrationszug und setzte sich – von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet – in Bewegung. Bereits nach kurzer Zeit kam es zu einem erneuten Wasserwerfereinsatz.

Auch Polizei-Pressesprecher Timo Zill wurde angegriffen. Er flüchtete sich laut Polizei in einen Rettungswagen. Die Täter versuchten nach ihren Angaben, die Tür des Rettungswagens aufzureißen. Der Wagen fuhr schließlich mit Blaulicht davon. Der Sprecher blieb unverletzt.

Begonnen hatte die Aktion gegen den G20-Gipfel friedlich am Hamburger Fischmarkt, wo Musik gespielt und Reden gehalten wurden. Die Demonstration sollte von dort aus über die Reeperbahn bis etwa 300 Meter an die Messehallen heran gehen. Keine andere Demonstration darf dem G20-Tagungsort in den Messehallen näher kommen.

Anders als für andere Veranstaltungen hatte die Polizei für «Welcome to Hell» («Willkommen in der Hölle») keine Auflagen erlassen. Anmelder Andreas Blechschmidt vom linksautonomen Kulturzentrum «Rote Flora» warf Innenbehörde und Verfassungsschutz dennoch vor, «eine massive Kampagne» gegen Demonstranten zu führen.

Unterdessen wies das Hamburgische Oberverwaltungsgericht mehrere Beschwerden der globalisierungskritischen Organisation Attac zurück. Deren geplante Demonstrationen in der Hamburger Innenstadt am ersten G20-Gipfeltag bleiben damit vorerst verboten. Die Antragsteller können aber noch Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht einreichen.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung! Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***