Hohe Schulden: Razzia bei Kroatiens größtem Konzern

Gegen den Gründer des zwangsverstaatlichten Lebensmittelkonzerns Agrokor läuft eine Razzia.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Das Logo von Agrokor. (Foto: dpa)

Das Logo von Agrokor. (Foto: dpa)

Im Zuge der Ermittlungen zu den hohen Schulden des kroatischen Lebensmittelriesen Agrokor hat die Polizei am Montag die Villa von Eigentümer Ivica Todoric durchsucht. Razzien gab es auch in den Wohnhäusern von zwei weiteren führenden Managern des Konzerns, wie der staatliche kroatische Fernsehsender HRT berichtete.

Agrokor ächzt unter einer Milliarden-Schuldenlast und machte im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Euro Verlust. Der Konzern ist der größte Lebensmittelproduzent und -händler in Südosteuropa und beschäftigt rund 60.000 Menschen, die meisten davon in Kroatien, aber auch in Bosnien, Serbien und Slowenien. Bei Zulieferern arbeiten weitere tausende Menschen für das Unternehmen. Die Schulden beliefen sich im vergangenen Herbst auf rund sechs Milliarden Euro – fast so viel wie der Umsatz von zuletzt rund 6,7 Milliarden Euro. Das sind fast 15 Prozent des kroatischen Bruttoinlandsprodukts.

Der Staat hatte Anfang des Jahres die Kontrolle über den Konzern übernommen und den Krisenmanager Ante Ramljak eingesetzt. Er erstattete Anzeige gegen „Verantwortliche, die 2016 in der Geschäftsführung von Agrokor saßen“, wie er sagte.

Agrokor-Eigentümer Todoric hielt sich am Montag kroatischen Medienberichten zufolge nicht in seinem Wohnhaus in der Hauptstadt Zagreb auf; er soll im Ausland sein. Im September hatte er der Regierung vorgeworfen, sie missbrauche ihre Macht und habe die Kontrolle über den Konzern illegalerweise übernommen.

Krisenmanager Ramljak soll Agrokor umbauen und sanieren. Dafür hat er bis zu 15 Monate Zeit. Sollten seine Bemühungen nicht erfolgreich sein, muss der Konzern einen Insolvenzantrag stellen. Die Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit von Agrokor bereits herabgestuft.

Der Konzern ist durch aggressive Expansion und teure Schulden sehr schnell gewachsen. Gläubiger sind vor allem zwei staatliche russische Banken, die Sberbank und die VTB.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung! Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***