Bitcoin-Futures verzeichnen starken Kursanstieg

Bei ihrer Premiere verzeichnete der Kurs von Bitcoin-Terminkontrakten einen starken Kursanstieg.

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Die Website der Chicago Board Options Exchange (CBOE) verkündet, dass ab dem 10.12.2017 Bitcoin-Futures auf die Digitalwährung Bitcoin an der CBOE gehandelt werden. (Foto: dpa)

Die Website der Chicago Board Options Exchange (CBOE) verkündet, dass ab dem 10.12.2017 Terminkontrakte auf die Digitalwährung Bitcoin an der CBOE gehandelt werden. (Foto: dpa)

Bitcoin-Futures haben bei ihrem mit Spannung erwarteten Debüt an der US-Derivatebörse CBOE einen Kursanstieg von 21 Prozent verzeichnen können. Der Terminkontrakt für Januar eröffnete in der Nacht zum Montag bei 15.460 Dollar und stieg zwischenzeitlich auf bis zu 18.850 Dollar. Die CBOE warnte, dass ein Ansturm auf ihre Webseite dazu führen könnte, dass diese vorübergehend nicht erreichbar sei, berichtet Reuters.

Der Handel mit Futures gilt als Meilenstein in der Entwicklung von Bitcoin. Mit den Papieren können Investoren auf steigende oder fallende Kurse setzen. Sie gelten als Türöffner für das Engagement institutioneller Anleger. Einige Experten gehen jedoch davon aus, dass sich diese zuerst anschauen werden, ob der Handel sauber abläuft. „Richtig aufregend wird es, wenn der Futures-Markt etabliert ist“, sagte Ophir Gottlieb von Capital Market Laboratories. „Das könnte einige Tage dauern.“

„Die ersten Türen für den Mainstream sind offiziell eröffnet“, sagte Timo Emden, Deutschland-Chef des Online-Brokers DailyFX. Mati Greenspan, Marktanalyst des Online-Handelshauses eToro, sprach von einem überraschend starken Debüt. „Zudem sind Leerverkäufe weitgehend ausgeblieben, was den gesamten Kryptomarkt positiv stimmte und die Preise sowohl für Bitcoin als auch für einige andere Währungen in Richtung neuer Allzeithochs trieb.“ Bitcoin gewann gut neun Prozent und blieb mit 17.030 Dollar etwa 120 Dollar unter dem Rekordhoch vom Freitag. Mit Leerverkäufen wetten Anleger auf fallende Kurse.

Für den Marktanalysten Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader hat Bitcoin noch Luft nach oben: „Man muss kurzfristig zwar mit weiteren Flash-Crashs rechnen, aber die Kryptowährung dürfte bis zum Jahresende die Marke von 20.000 US-Dollar erreichen.“ Zweistellige prozentuale Kursstürze binnen weniger Minuten sind bei Bitcoin keine Seltenheit. Am Montag lag die Schwankungsbreite bei rund 3000 Dollar. „Der Kurs wurde zum Spielball und somit zum Opfer von Arbitrage-Jägern, welche die massiven Preisunterschiede auf weltweiten Cyberbörsen ausnutzten“, erklärte DailyFX-Experte Emden. Auch Grant Spencer, Chef der neuseeländischen Zentralbank, äußerte sich kritisch: „Im Laufe der Jahrhunderte haben wir Spekulationsblasen gesehen, und das hier scheint ein klassischer Fall zu sein.“

Dem Hype der vergangenen Wochen zum Trotz hielten sich die Handelsumsätze an der CBOE Börsianern zufolge allerdings in Grenzen. „Die wenigsten Händler haben bislang Zugang zu diesem Future“, sagte einer von ihnen. Der Financial Times zufolge wollen einige Großbanken vorerst keine Kundenaufträge für den Handel mit Bitcoin-Futures annehmen. Auch die Online-Broker Charles Schwab und TD Ameritrade halten sich noch zurück. Für Ophir Gottlieb, den Chef des Anlageberaters Capital Market Laboratories, ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis Profi-Anleger in großem Stil in den Markt einsteigen. Sie wollten zunächst abwarten, ob der Handel sauber ablaufe.

Hinter Bitcoin stehen weder Regierungen noch Zentralbanken, über den Preis entscheiden allein Angebot und Nachfrage. Viele Anleger schauen mit gemischten Gefühlen auf die neuen Papiere. Kopfschmerzen bereiten etwa die starken Kursausschläge wie auch eine Serie von Hackerangriffen auf die Handelsplattformen für die virtuelle Währung.

Bitcoin wurde von einer Person oder Gruppe mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto entwickelt und 2009 vorgestellt. Unter dem Eindruck der Finanzkrise von 2008 sollte eine weltweit jederzeit verfügbare unabhängige Währung geschaffen werden. Ihr Herzstück ist die sogenannte Blockchain, in der alle Transaktionen fälschungssicher gespeichert werden.

In Japan ist Bitcoin bereits gesetzliches Zahlungsmittel. Würden alle wirtschaftlichen Transaktionen in den sieben größten Industriestaaten der Welt künftig über die Cyberwährung abgewickelt, müsse ihr Wert theoretisch auf 220.000 Dollar steigen, rechnete Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer vor. Dem werde der Staat aber sicher einen Riegel vorschieben. „Schließlich hat er ein großes Interesse, sein Geldsystem aufrechtzuerhalten.“

Die Behörden sind bereits hellhörig: Der österreichische Notenbank-Chef Ewald Nowotny plädierte für eine rasche Regulierung des bislang weitgehend freien Marktes für virtuelle Währungen. „Es wäre etwas eigenartig, hier quasi große Transaktionsvolumen völlig außer acht zu lassen.“ Auch Südkorea denkt über neue Gesetze nach. Die CBOE-Papiere werden im vergleichsweise schwach regulierten OTC-Geschäft gehandelt. Vor diesem Hintergrund und wegen der starken Kursausschläge des Bitcoin-Kurses verlangt die Derivatebörse von Investoren eine Sicherheitsleistung („Margin“) von 30 Prozent des Kontraktvolumens. Bei den CME-Titeln werden sogar 35 Prozent vorab fällig.

Gefahren für die Gesamtwirtschaft gebe es durch den Bitcoin-Boom nicht, betonte EZB-Ratsmitglied Benoit Coeure. Anleger brächten nur ihr eigenes Vermögen in Gefahr. Volkswirt Andrew Kenningham vom Analysehaus Capital Economics verwies auf den mit 280 Milliarden Dollar vergleichsweise geringen Gesamt-Börsenwert von Bitcoin. „Wenn der Kurs heute auf null fiele, entsprächen die Verluste auf dem Papier einem Preisrückgang der US-Aktien von 0,6 Prozent.“