Atlantik wird zum Zentrum der Suche nach Öl und Gas

Die Erkundungsfahrten nach Öl- und Gasfeldern im Atlantik nehmen zu. In der Region Asien-Pazifik herrscht dagegen Stagnation.

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Eine Bohrinsel in der Nordsee. (Foto: dpa)

Eine Bohrinsel in der Nordsee. (Foto: dpa)

Die Zahl der Erkundungsmissionen nach Erdöl und Erdgas in den Weltmeeren nimmt zu. Insbesondere im Atlantik suchen Unternehmen wieder vermehrt nach Quellen. In den Gewässern asiatischer Staaten – welche nicht nur den höchsten Energiebedarf, sondern auch das stärkste Nachfragewachstum verzeichnen – nimmt die Anzahl der Explorationen dagegen deutlich ab, wie Bloomberg berichtet.

„Wir haben derzeit nur zwei Schiffe in der Region Asien-Pazifik, weil es dort weniger Möglichkeiten und wenig Aktivität gibt“, wird ein Sprecher der norwegischen Explorationsgesellschaft PGS zitiert.

Der Analyse-Gesellschaft Bernstein Research zufolge gibt es derzeit im gesamten Raum Asien-Pazifik nur 4 kleinere Offshore-Förderprojekte von jeweils unter 50.000 Barrel (159 Liter) Kapazität am Tag, im Atlantik dagegen 5 große Projekte über 50.000 Barrel und 11 kleinere. Auch Analysen der Geophysikfirma TGS zeigen, dass die meiste Aktivität im Atlantik stattfindet.

Beispielsweise hatten die kanadischen Behörden vor Kurzem Explorationsgenehmigungen im Gesamtwert von 1,6 Milliarden US-Dollar verkauft. Für die nächste Auktion im Herbst 2018 gibt es mit 38 Anfragen so viele Interessenten wie noch nie. An der afrikanischen Atlantikküste vergaben die Behörden der Elfenbeinküste größere Aufträge an BP und Kosmos Energy.

Der Rückgang der Öl- und Gas-Suche im Pazifik hat mehrere Gründe. In Australien beispielsweise hemmen hohe Kosten die Exploration und Förderung. Sobald ein Schiff unter fremder Flagge australische Gewässer befährt, muss es australische Arbeiter aufnehmen, welche dann vier Wochen lang sieben Tage die Woche 12 Stunden für vergleichsweise hohe Kosten arbeiten. Danach haben sie vier Wochen frei. Zu Zeiten, als der Erdölpreis noch deutlich über 100 Dollar pro Barrel lag, war dies kein Problem – heute können sich die meisten Gesellschaften bei Preisen um 60 Dollar keine australischen Arbeitskräfte mehr leisten.

Im Südchinesischen Meer – wo große Energievorkommen vermutet werden – verhindern die geopolitischen Auseinandersetzungen um Ansprüche zwischen den Anrainerstaaten sowie Chinas Politik des Inselbaus Explorationen.

Die Vorkommen in den Gewässern rund um Malaysia und Indonesien nehmen hingegen seit einiger Zeit deutlich ab und örtliche Firmen beginnen, ihre Operationen mehr auf die Raffinerie anstatt auf die Förderung zu verlagern.

Die Entwicklung bedeutet, dass die asiatischen Länder in Zukunft vermehrt auf Importe angewiesen sein werden. Die Kosten für Erdölimporte der Region haben sich zwischen den Jahren 2000 und 2016 bereits auf mehr als 420 Milliarden Dollar jährlich verdoppelt. Im laufenden Jahr könnten die Kosten die Marke von 500 Milliarden Dollar überschritten haben.

Aus einer Analyse von Bloomberg geht hervor, dass die Region Asien-Pazifik deutlich mehr Öl und Gas verbraucht, als sie selbst fördern kann. Auch die Bilanz der Region Nordamerika ist negativ, während Europa praktisch genauso viel fördert, wie es verbraucht. Deutlich positiv ist die Bilanz für die Region des Mittleren Ostens sowie leicht positiv für Afrika.