Großbritannien und Russland sprechen über Ende der Eiszeit

 

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23.12.2017 02:32
Russland und Großbritannien wollen die wirtschaftliche Zusammenarbeit vertiefen. Dies könnte auf Kosten Deutschlands geschehen.
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Beim ersten Besuch eines britischen Außenministers in Moskau seit fünf Jahren hat sich Boris Johnson um ein Ende der Eiszeit in den Beziehungen mit Russland bemüht. Trotz aller "Schwierigkeiten" in den vergangenen Jahren müsse ein Weg gefunden werden, um "voranzugehen", sagte Johnson am Freitag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow.

Das Treffen diente vor allem der wirtschaftlichen Annäherung zwischen Russland und Großbritannien. Die EU-Sanktionen könnten den Briten helfen, Deutschland in wichtigen Exportmärkten Marktanteile abzujagen. Die Sanktionen haben die deutsche Exportwirtschaft schwer getroffen, die Briten haben dagegen kaum Schaden genommen.

Moskau und London wollen die Auswirkungen des Brexit auf die Entwicklung der Handels- und Investitionszusammenarbeit zwischen Russland und dem Vereinigten Königreich und den EU-Mitgliedstaaten untersuchen, sagte der russische Außenminister Lawrow laut TASS: "Wir unterstrichen die Notwendigkeit, das Thema der Folgen des Austritts Großbritanniens aus der EU zu betrachten, vor allem im Hinblick auf die möglichen Auswirkungen endgültiger Abkommen zwischen London und Brüssel auf Russlands Handels- und Investitionsbeziehungen mit Großbritannien und den übrigen EU-Mitgliedern."

Johnson, der sich nun selbst als "russenfreundlich" bezeichnete, hatte einen für April geplanten Besuch in Moskau in letzter Minute wegen der unklaren geopolitischen Großwetterlage nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump abgesagt. Nun zeigte sich Johnson als den Russen besonders zugeneigt: Er sagte, er habe auch russische Vorfahren und sei der erste und auf längere Sicht auch vermutlich letzte britische Außenminister mit dem Vornamen Boris.

Zu Beginn seines Treffens mit Lawrow sagte Johnson, beide Länder sollten zugunsten der weltweiten Sicherheit zusammenarbeiten. Die Gemeinsamkeiten seien wichtiger als die Unterschiede. Als Felder einer möglichen Kooperation nannte Johnson den Iran, Nordkorea und Syrien.

Lawrow erklärte zum Auftakt des Gesprächs, dieses solle zu "konkreten Schritten" führen, um die beiderseitigen Beziehungen zu verbessern. Es sei "kein Geheimnis", dass die Beziehungen "an einem Tiefpunkt" seien.

Die Vorwürfe der russischen Einmischung in die britischen Wahlen nahmen beide Politiker eher von der heiteren Seite: Lawrow sagte, er begrüße Johnsons Äußerung vom November, wonach er keinerlei Beweise für eine russische Einmischung sehe. Darauf fiel ihm Johnson ins Wort, um zu sagen, dass er keine Beweise für eine "erfolgreiche Einmischung" habe. Außerdem gebe es "zahlreiche Beweise für eine russische Einmischung bei Wahlen in Deutschland, Dänemark, Frankreich und in den USA.

Lawrow warf Johnson daraufhin vor, dass er ihm widerspreche, um in London nicht kritisiert zu werden. Der Westen habe die Einmischung Moskaus erfunden. Er scherzte und bat Johnson, doch "konkrete Fakten darüber vorzulegen, dass es eine erfolglose Einmischung gegeben" habe.

Lawrow erklärte zugleich Moskaus Bereitschaft zu einem Dialog auf Augenhöhe über sehr viele Themen. Dabei müssten die Interessen des anderen berücksichtigt und respektiert werden, forderte der russische Chefdiplomat.

Nach seiner Unterredung mit Lawrow nahm Johnson am Grab des Unbekannten Soldaten an einer Zeremonie mit Kranzniederlegung teil. An der Brücke in der Nähe des Roten Platzes, wo der Oppositionspolitiker Boris Nemzow 2015 ermordet wurde, legte Johnson Blumen nieder.

Das Verhältnis zwischen beiden Ländern hatte sich 2006 deutlich abgekühlt, als der ehemalige Geheimagent und spätere Kreml-Kritiker Alexander Litvinenko in London vergiftet wurde.


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