Öl-Produzenten fahren Investitionen zurück

Die großen Rohöl-Förderer fahren ihre Investitionen zurück.

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Nach Angaben des ADAC sind die Kosten für eine Tankfüllung in den letzten Tagen des Jahres 2017 deutlich gestiegen. Hintergrund für die höheren Preise könnten nach Meinung von Beobachtern Spekulationen über ein zu erwartendes geringeres Angebot sein.

Drei Jahre nach dem Beginn des Verfalls der Preise für Erdöl könnte nun eine Trendwende unmittelbar bevorstehen. Möglich ist, dass im ersten Quartal 2018 jeden Tag 180.000 Barrel (159 Liter pro Barrel) weniger auf den Markt gelangen werden als im Jahr zuvor. Und das kann für den Benzinpreis nur eins bedeuten – die Verknappung treibt ihn nach oben. Eine der Ursachen: Wichtige Exporteure von Erdöl haben sich verpflichtet, die Förderung bis Ende 2018 zur Stabilisierung der Preise zu reduzieren.

Aber Übereinkünfte im Hinblick auf Förderraten sind nicht die einzigen Faktoren, die die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl beeinflussen, zumal sich solche Abkommen in der Vergangenheit oft als brüchig erwiesen haben. Von entscheidenderen Bedeutung könnte sein, dass wie Mohammed Barkindo, der OPEC-Generalsekretär, vor einigen Monaten bereits angedeutet hatte, die Öllager der Welt massiv abgeflossenen seien.

Wie Bloomberg berichtet, gibt es Hinweise darauf, dass es im Jahr 2018 zu einem deutlichen Preisanstieg bei Erdöl kommen könnte. Obwohl die Anstrengungen bei der Exploration und Förderung von US-amerikanischem Schiefer-Öl in den zurückliegenden Jahren deutlich erhöht worden seien, reichten diese Maßnahmen nicht aus, die weltweit steigende Nachfrage auszugleichen. Gleichzeitig habe nämlich die Öl-Industrie wegen der niedrigen Margen Projekte extrem zurückgefahren.

Wie die unabhängige norwegische Beratungsgesellschaft Rystad Energy in ihrer jüngsten Studie analysiert, hat die Entdeckung neuer Reserven einen neuen Tiefstand im neuen Jahr markiert: Sie repräsentierten lediglich elf Prozent der in diesem Zeitraum geförderten Mengen. Weil derzeit durch die Förderung von Schiefer-Öl ein weltweites Überangebot herrscht, werden die Investitionen in große, konventionelle Abbaustätten eingestellt. Wie der kanadische Öl-Konzern Suncor Energy Inc. vermutet, könnte dies einen Angebotsrückgang rund um den Globus bis zum Jahr 2019 auslösen.

„Das Schiefer-Öl wird das Problem der Angebots-Defizite nicht lösen können“, wird Adam Waterous, vom Waterous Energy Fund aus Calgary zitiert. „Es wird sehr lange dauern, bis die entsprechenden Mega-Projekte wieder ins Laufen kommen.“ Die gesamten Investitionen in Bezug auf die Ölförderung befinden sich auf einem sehr niedrigen Level. Während noch in den Jahren 2013 und 2014 jährlich knapp 500 Milliarden US-Dollar dafür aufgewendet wurden, waren es im gesamten Jahr 2017 nur etwas mehr als 260 Milliarden US-Dollar.

Neue Technologien wie das hydraulische Fracking ermöglichten die Gewinnung von Rohöl aus komplexen Felsformationen und verschafften den USA einen Spitzenplatz unter den Top-Ölproduzenten. Gleichzeitig führte dies aber auch dazu, dass der Ölpreis von 115 US-Dollar im Jahr 2014 auf derzeit etwa 58 US-Dollar gefallen ist. Dies erschütterte allerdings auch die Anstrengungen der Öl-Konzerne im Hinblick auf die Erschließung neuer Reserven, deren Entwicklung einige Jahre dauern kann, die aber dann auch für einige Jahrzehnte nutzbar sind.

Nach Meinung von Adam Waterous könnte der Ölpreis auf 80 US-Dollar steigen und müsste auf diesem Level zwei Jahre verharren, um teure Tiefsee-Projekte an der westafrikanischen Küste oder in Brasilien lohnenswert erscheinen zu lassen. Er meinte auch, dass es Jahrzehnte dauern könnte, bis diese Investments sich auszahlten und Öl von diesen Förderstätten den Weltmarkt erreiche.

Trotz der zuletzt leicht gestiegenen Preise unternehmen viele Produzenten derzeit keine großen Investitionen. Unternehmen wie Pioneer Natural Resources Co., Parsley Energy Inc. oder Newfield Exploration Co., die zu den größten unabhängigen Ölgesellschaften der Erde gehören, wollen ihre Aktivitäten nicht ausweiten bevor die Preise weiter steigen. Wie Bob Fryklund von HIS Markit aus Englewood, Colorado, erklärt: „Die Mega-Projekte im Öl-Sektor sind zum Erliegen gekommen.“