Große Koalition will Versandhandel von Medikamenten verbieten

Eine Klausel aus dem Koalitionsvertrag könnte zum Problem von Versand-Apotheken werden.

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Verschiedene Medikamente in Pillenform. Der Versandhandel von Medikamenten könnte in der GroKo verboten werden. (Foto: dpa)

Verschiedene Medikamente in Pillenform. (Foto: dpa)

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Die Aussicht auf ein Verbot für den Apotheken-Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln macht den börsennotierten Onlineapotheken zu schaffen. Die Aktien des Anbieters Shop Apotheke notierten am Donnerstag 0,6 Prozent tiefer mit 33,80 Euro, nachdem sie am Mittwoch mehr als 24 Prozent abgestürzt waren.

Die in Zürich gelisteten Titel des DocMorris-Mutterkonzerns Zur Rose fielen um 7,6 Prozent auf ein Rekordtief von 104,40 Franken, nachdem sie am Mittwoch um zwölf Prozent eingebrochen waren.

Auslöser der Verkäufe waren Einzelheiten aus der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und SPD. Darin heißt es: „Um die Apotheken vor Ort zu stärken, setzen wir uns für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein.“ Dafür hatte sich die CDU starkgemacht, der das Gesundheitsministerium zufallen soll. Die SPD wollte den Handel dagegen gestatten.

Beide Versandapotheken kündigten Widerstand an und beschrieben das Vorhaben als verfassungs- und europarechtlich bedenklich. Auch Analysten halten ein Verbot für nicht leicht umsetzbar. Zum einen müsse ein EU-Notifizierungsverfahren gestartet werden, in dem die einzelnen EU-Länder mehrere Monate Zeit für Stellungnahmen hätten, gaben die Experten der Züricher Kantonalbank zu bedenken. „Erst wenn alle Instanzen grünes Licht gäben, würde das Gesetz in Kraft treten. Das ist ein langer Weg.“ Aufgrund der Rechtssprechung und von Rechtsgutachten halten die Fachleute ein Verbot am Ende für unwahrscheinlich. Sollte es doch dazu kommen, erwarten die Analysten von UBS bei der DocMorris-Mutter einen Umsatzrückgang von 25 bis 30 Prozent. Zur Rose erzielte 2017 in Deutschland etwa 27 Prozent seines Gesamtumsatzes.

Das Schweizer Unternehmen kam im Juli 2017 mit einem Ausgabepreis von 140 Franken an die Börse. Shop Apotheke mit Sitz im niederländischen Venlo ist seit Oktober 2016 in Frankfurt notiert. Der damalige Ausgabepreis betrug 28 Euro. Die Shop Apotheke hatte im November 2017 die Europa Apotheek Venlo übernommen und bezeichnet sich selbst als die führende und am stärksten wachsende Online-Apotheke in Kontinentaleuropa. Im September machten Spekulationen über eine mögliche Übernahme durch Amazon die Runde, die das Unternehmen aber zurückwies.