Handelskammern: Neue Seidenstraße ist Chance für deutsche Unternehmen

Lesezeit: 2 min
26.02.2018 17:16
Die Handelskammern rufen deutsche Unternehmen zur Beteiligung an dem chinesischen Großprojekt der Neuen Seidenstraße auf.
Handelskammern: Neue Seidenstraße ist Chance für deutsche Unternehmen

Die deutsche Wirtschaft will bei dem von China vorangetriebenen Billionen-Projekt einer Neuen Seidenstraße zwischen Asien und Europa ein größeres Stück vom Kuchen abbekommen. Die Handelskammern starten dazu eine Informationskampagne, um die Unternehmen auf Geschäftschancen hinzuweisen, gab deren Dachverband DIHK am Montag bekannt.

„Es ist besser für die deutsche Wirtschaft, wenn wir uns frühzeitig beteiligen“, sagte DIHK-Außenhandelschef Volker Treier. Bei dem Projekt sind 69 Länder dabei, die zwei Drittel der Weltbevölkerung stellen. „Eine Beteiligung an Projekten im Rahmen der neuen Seidenstraße zwischen Peking, Duisburg, Jakarta und Dar es Salaam sollte für deutsche Unternehmen kurzfristig interessant sein“, sagte Treier. Schließlich würden in nur zehn Jahren 90 Prozent des weltweiten Wachstums außerhalb Europas stattfinden. „Mittel- bis langfristig rückt dann auch die Erschließung dieser neu verbundenen Märkte in den Fokus.“

Das sieht auch die für das Standortmarketing der Bundesrepublik zuständige Gesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) so. „Es gibt erhebliche Chancen für die deutsche Wirtschaft“, sagte ihr Geschäftsführer Jürgen Friedrich. Besonders groß seien sie dort, wo die Asiatische Infrastruktur-Investmentbank beteiligt ist, an der die Bundesrepublik Anteile hält. Hier seien die Ausschreibungen transparent. Interessant sei das auch als „Belt and Road“ bekannte Konzept nicht nur für Großkonzerne mit starker Basis in China wie Siemens, sondern auch für spezialisierte Mittelständler. Einer Umfrage der Auslandshandelskammer unter 2.500 in China tätigen deutschen Unternehmen zufolge sehen 35 Prozent einen positiven Effekt für sich durch die Seidenstraße.

Der GTAI zufolge sind bereits Investitionen von rund 900 Milliarden Dollar fest verplant oder befinden sich in der Umsetzung. Bis 2030 seien allein in Asien Investitionen von mehr als 26 Billionen Dollar vorgesehen, heißt es unter Berufung auf die Asian Development Bank - unter anderem für den Bau von Kraftwerken, Pipelines, Straßen, Eisenbahnen oder Häfen.

Die Seidenstraße war die wichtigste Handelsverbindung zwischen China und Europa in Antike und frühem Mittelalter. China kündigte 2013 an, sie neu zu beleben zu wollen. Kritiker fürchten, die Volksrepublik will damit ihren Einfluss ausweiten. „Die Initiative für eine neue Seidenstraße ist ja nicht das, was manche in Deutschland glauben: Es ist keine sentimentale Erinnerung an Marco Polo“, warnte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel kürzlich. „Sondern sie steht für den Versuch, ein umfassendes System zur Prägung der Welt im chinesischen Interesse zu etablieren.“

Auch westliche Großbanken wie HSBC, Citigroup und Standard Chartered versuchen derzeit, von den umfangreichen geplanten und teilweise bereits laufenden Infrastrukturbauten im Rahmen des Projekts zu profitieren. „Es ist riesig und das Geld aus dem Privatsektor wird große Wirkung zeigen – vorausgesetzt alles geschieht wie geplant“, wird ein Manager von Standard Chartered von der Financial Times zitiert.

Wie die FT berichtet, würden sich die Bemühungen der Banken bereits auszuzahlen beginnen. „Unsere multinationalen Kunden – sowohl aus den USA als auch aus Asien – erkennen in der Initiative eine großzügige Möglichkeit, ihre Reichweite und ihr Geschäft deutlich auszubauen“, sagte der Leiter der Abteilung Asien-Pazifik der Citigroup zur FT.

Die Citigroup begleitete bereits Anleihe-Emissionen der Bank of China und von Beijing Gas, die in Verbindung mit der Neuen Seidenstraße stehen. Zudem wurde sie von mehreren Großkonzernen des Projekts als Vermögensverwalterin und Währungsbeauftragte ernannt.

Standard Chartered zufolge wurden in den vergangenen vier Jahren 20 Finanzierungen in Zusammenhang mit dem Projekt abgeschlossen – darunter auch ein Kredit über 515 Millionen Dollar für ein Kraftwerk in Sambia, welcher von China garantiert wird, ein Kredit über 200 Millionen Dollar für ein Elektrizitätswerk in Bangladesch, dass von einem chinesischen Konsortium gebaut wird sowie eine Exportfinanzierung im Umfang von 42 Millionen Dollar für ein Gas-Terminal auf Sri Lanka, welche ebenfalls von China garantiert wird.



DWN
Politik
Politik Bosch: Von der Leyens „Green Deal“ bricht der deutschen Autobranche das Genick

Der Bosch-Vorstandsvorsitzende Volkmar Denner warnt vor den überzogenen CO2-Vorgaben der neuen EU-Kommission. Diese bedeuteten faktisch...

DWN
Politik
Politik Anhörung eskaliert: „Das Soros-Orchester“ und die ernste Entfremdung zwischen EU-Kommission und Ungarn

Eine Anhörung zu Vorwürfen der EU-Kommission gegen die ungarische Regierung ist aus dem Ruder gelaufen. Die beiden Seiten scheinen sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Studie: Deutsche Wirtschaft und Haushalte steuern mit 5G auf ein Strompreis-Debakel zu

Einer Studie zufolge wird der neue Mobilfunkstandard 5G zu einer massiven Zunahme des Stromverbrauchs führen. Das alles geschieht zu einer...

DWN
Politik
Politik Richtungswahl in Großbritannien: Fundamentale Weichenstellung zwischen hartem Brexit und zweitem Referendum

Die anstehende Parlamentswahl in Großbritannien ist eine Richtungswahl für die Zukunft des Landes. Auf der einen Seite steht der harte...

DWN
Finanzen
Finanzen Die WTO ist handlungsunfähig: „Schwerster Schlag für das multilaterale Handelssystem“

Der zentrale Mechanismus der Welthandelsorganisation wurde durch die US-Regierung deaktiviert. Die Organisation ist gelähmt.

DWN
Politik
Politik Brexit: „In den nächsten beiden Jahren wird überhaupt nichts passieren”

Dem Ökonomen Anatole Kaletsky zufolge wird sich in den kommenden ein bis zwei Jahren im Verhältnis zwischen EU und Großbritannien so gut...

DWN
Politik
Politik Erdogan deutet Entsendung der türkischen Armee nach Libyen an

Der Stellvertreterkrieg in Libyen nimmt Fahrt auf. Die türkische Regierung kann sich eine Entsendung von Truppen vorstellen.

DWN
Finanzen
Finanzen Im Führungszirkel der EZB geraten die Negativzinsen ins Kreuzfeuer

Bei der EZB mehren sich Medienberichten zufolge die Stimmen, die auf die mit dem negativen Einlagezins verbundenen Risiken hinweisen. Das...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nach Börsengang: Saudi Aramco wird wertvollstes Unternehmen der Welt, verdrängt Apple von der Spitze

Der staatliche Öl-Konzern Saudi Aramco ist am Mittwoch nach seinem Börsengang zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Zuvor...

DWN
Politik
Politik US-Armee wird im Sommer 20.000 Soldaten für Großübung nach Europa verlegen

Die USA verlegen 20.000 zusätzliche Truppen nach Europa, die an einer Übung im Sommer teilnehmen sollen. Deutschland spielt dabei eine...

DWN
Finanzen
Finanzen WeWork-Pleite: Goldman Sachs leiht SoftBank Milliarden, um eigene Beteiligungen zu retten

Goldman Sachs hat zugestimmt, die SoftBank bei der Rettung des Büroplatzvermieters WeWork mit einer Finanzierung zu unterstützen. Damit...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Sydney versinkt im Rauch: Feuerinferno steuert auf die Millionenstadt zu

Die seit Wochen wütenden Buschbrände haben sich inzwischen zu einer ernsten Bedrohung für die größte Stadt Australiens entwickelt.

DWN
Deutschland
Deutschland Seen als Wärmequelle: Energieverbände fordern Masterplan für die Geothermie

Deutschland läuft Gefahr, die Klimaziele zu verfehlen. Jetzt taucht plötzlich wieder eine Form der Energiegewinnung in der Diskussion...

DWN
Finanzen
Finanzen Termingeschäfte eingeschränkt: Weltgrößter Pensionsfonds geht gegen Spekulanten vor

Mit einer Neuregelung zu seinem Aktienportfolio macht Japans staatlicher Pensionsfonds Leerverkäufern einen Strich durch die Rechnung....

celtra_fin_Interscroller