Bond-Markt nervös: Globale Schuldenkrise kehrt zurück

Die Anzeichen für sich anbahnende Staatsbankrotte in vielen ärmeren Ländern nehmen zu. Der starke Dollar könnte den Schulden-Turm zum Einsturz bringen.

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Kreditkarten und Geldscheine illustrieren die Rückkehr der globalen Schuldenkrise. (Foto: dpa)

Kreditkarten und Geldscheine. (Foto: dpa)

Die Anzeichen einer Schuldenkrise in zahlreichen Schwellenländern haben deutlich zugenommen. Diese hatten in den vergangenen Jahren in großem Umfang neue Schulden aufgenommen. Die Rückzahlung dieser Verbindlichkeiten könnte durch den vergleichsweise starken Dollar in Zukunft deutlich erschwert werden.

Ein wichtiges Anzeichen, welches auf eine zunehmende Vorsicht der Geldgeber hindeutet, ist das Ansteigen der Renditen von Staatsanleihen mehrerer Schwellenland-Staaten. Wie die Financial Times berichtet, waren die Zinsen für Papiere von Ländern, die erst kürzlich den Gang an die internationalen Anleihemärkte wagten, besonders deutlich gestiegen.

Dazu gehört Tadschikistan, das im vergangenen Jahr mit der Emission von Anleihen im Gesamtwert von 500 Millionen Dollar seinen Einstand feierte. Die Rendite der Papiere mit fünf Jahren Laufzeit stieg seitdem von 7,125 Prozent auf aktuell 9,26 Prozent. Auch Ecuador – welches im Oktober 2017 2,5 Milliarden Dollar durch zehnjährige Papiere einnahm – muss nun nicht mehr 8,875 Prozent, sondern bereits 10,8 Prozent zahlen. Auch Länder wie der Irak, die Ukraine oder Bahrain müssen inzwischen zwischen 8 und 9 Prozent auf ihre Schulden bezahlen.

Offenbar befürchten Investoren, dass viele dieser Staaten ihren Verbindlichkeiten künftig kaum noch nachkommen können. Ein Grund dafür ist, dass der Dollar in den vergangenen Wochen zu anderen wichtigen Handelswährungen deutlich aufwertete. Dies erschwert die Rückzahlungsbedingungen von Staaten, die Dollar-Schulden aufgenommen haben, und wirkt faktisch wie eine Zinserhöhung auf die von ausländischen Investoren gehaltenen Anleihen.

Zum Zweiten haben zahlreiche Schwellenländer in den vergangenen Jahren in großem Umfang neue Schulden aufgenommen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte im März, dass es bald zu einer Häufung von Staatsbankrotten kommen könnte. Aus Daten des Fonds geht hervor, dass das Verhältnis von Schulden zur Wirtschaftsleistung bei ärmeren Staaten seit dem Jahr 2013 von durchschnittlich rund 13 Prozent auf jetzt 47 Prozent gestiegen ist – was fast einer Vervierfachung in vier Jahren gleichkommt.

Aus der Studie des IWF geht außerdem hervor, dass inzwischen 40 Prozent der Schwellenländer „signifikante auf Schulden beruhende Probleme“ haben. Im Jahr 2013 seien dies nur rund 20 Prozent gewesen.

„Die Haushaltsdefizite stiegen zwischen 2013 und 2017 in fast 75 Prozent der vom IWF untersuchten Länder. In fast der Hälfte dieser Fälle kam es zu einer Ausweitung des Defizits, obwohl die Investitionen zurückgingen – ein Indiz dafür, dass die Schulden für unproduktive Zwecke verwendet wurden“, schreibt die Financial Times. Der IWF zeigte sich hinsichtlich des Schuldenwachstums „sehr besorgt“ und schlussfolgerte, dass es ein dringendes Bedürfnis für „fiskalische Sorgfalt und einem besseren Schuldenmanagement“ gäbe.

Noch Anfang 2016 nahmen alle Schwellenländer pro Jahr zusammen etwa 100 Milliarden Dollar an neuen Schulden auf den Kapitalmärkten auf. Bereits Anfang 2017 lag der 12-Monats-Durchschnitt über 180 Milliarden Dollar. Aktuell liegt er bei etwa 220 Milliarden Dollar.

Dem Institute of International Finance zufolge stieg die weltweite Verschuldung von privaten und öffentlichen Haushalten sowie Unternehmen und Finanz-Institutionen im vierten Quartal 2017 auf ein neues Allzeithoch von etwa 237 Billionen Dollar. Die globale Verschuldung ist damit mehr als dreimal so hoch wie die globale Wirtschaftsleistung. Innerhalb von zehn Jahren seit Ausbruch der Finanzkrise seien weltweit mehr als 70 Billionen Schulden hinzugekommen. Alleine im vergangenen Jahr habe es einen Anstieg um 21 Billionen US-Dollar gegeben. Gezählt wurden dabei die Schulden von öffentlichen und privaten Haushalten sowie Unternehmen und Finanzinstituten.

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