Aufsicht setzt Sonderbeauftragten bei Deutscher Bank ein

Die Finanzaufsicht Bafin schickt einen Sonderbeauftragten in die Deutsche Bank.

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Die Fassade der Deutschen Bank in Frankfurt. (Foto: dpa)

Die Fassade der Deutschen Bank in Frankfurt. (Foto: dpa)

Die Finanzaufsicht BaFin greift bei dem krisengeplagten Geldhaus durch. Wie die Aufseher am Montag mitteilten, wird die Behörde künftig einen Sonderbeauftragten bei dem größten deutschen Institut einsetzen, der die Umsetzung der von der BaFin angeordneten Maßnahmen im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung überwachen soll. „Es ist das erste Mal, dass die BaFin eine solche aufsichtliche Maßnahme bei einer Bank im Bereich der Geldwäscheprävention anordnet“, hieß es in einer Mitteilung der Behörde.

Die Entsendung eines Sonderbeauftragten erfolge zusammen mit der Anordnung, angemessene Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen und allgemeine Sorgfaltspflichten einzuhalten. Die Deutsche Bank teilte mit, sie stimme mit der BaFin überein, dass Prozesse zur Identifizierung von Kunden („Know Your Costumer“) in ihrer Unternehmens- und Investmentbank verbessert werden müssten. „Die Bank arbeitet gemeinsam mit der Finanzaufsicht und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG als Sonderbeauftragtem daran, die regulatorischen Anforderungen schnellstmöglich und im vorgegebenen Zeitrahmen zu erfüllen.“ KPMG ist aktuell auch der reguläre Wirtschaftsprüfer der Deutschen Bank.

Zwei Personen mit Kenntnis des Falls sagten Reuters, die Entscheidung der BaFin, die Überwachung der Deutschen Bank beim Thema Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verschärfen, habe keinen konkreten Anlass und stehe nicht im Zusammenhang mit dem Geldwäscheskandal bei der dänischen Danske Bank, der in den vergangenen Tagen die Schlagzeilen beherrschte. KPMG soll die Fortschritte der Bank im Auftrag der BaFin für drei Jahre überprüfen, allerdings könne der Auftrag auch verkürzt oder verlängert werden, hieß es in Finanzkreisen.

Die Maßnahme zeigt allerdings, dass in den Aufsichtsbehörden wegen des Danske-Skandals große Unruhe herrscht. 

Die Deutsche Bank hat bereits Erfahrung mit externen Kontrolleuren, die Aufsichtsbehörden bei ihr installieren, unter anderem ist das nach wie vor in den USA in der New Yorker Filiale der Fall. Das Geldhaus war in der Vergangenheit in zahlreiche Skandale verstrickt, unter anderem in die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor und verbotene Russland-Geschäfte. Die Verfehlungen zogen teilweise milliardenschwere Strafen nach sich und noch immer sind nicht alle Verfahren abgeschlossen.

Das Institut hatte erst vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass es einen Ersatz für seinen bisherigen obersten Anti-Geldwäschebeauftragten gefunden hat: Stephan Wilken arbeitet seit 24 Jahren als Risikomanager für das größte deutsche Geldhaus. Wilkens Vorgänger Philippe Vollot geht zur von einem Geldwäsche-Skandal erschütterten Danske Bank und zieht dort in den Vorstand ein. Auf Wilken wartet viel Arbeit: Wie Reuters erst kürzlich berichtet hatte, funktionieren die Geldwäschekontrollen trotz einiger Fortschritte noch längst nicht so, wie es sich die Bank selbst wünscht. Beispielsweise gibt es nach wie vor Probleme bei der Identifizierung von Kunden – einer wichtigen Voraussetzung, um Geldwäsche-Fälle aufzudecken und sie dann effizient verfolgen zu können.

Spekulation über Fusion mit Commerzbank

Der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, hat Spekulationen über ein Zusammengehen seines Instituts mit der Commerzbank neue Nahrung gegeben. Sewing sagte am Montag bei der Eröffnung des Tages der Deutschen Industrie (TDI) in der Berlin, für die nächste Zeit stehe für sein Geldhaus erst einmal im Vordergrund, seine „Hausaufgaben“ zu machen. Dabei gehe es vor allem um die Profitabilität. Die gelte es in den nächsten 18 Monaten zu steigern. Wenn man damit vorangekommen sei, könne man auch über andere Dinge reden. Sewing vermied es allerdings, konkret von einem Zusammengehen mit der Commerzbank zu sprechen.

Der Deutsche-Bank-Chef sprach davon, dass in dem Institut in den letzten Jahren viel aufgeräumt worden sei. „Wir haben von der Stabilität her wahrscheinlich die besten Werte, die wir je gehabt haben.“ Die Bank müsse aber jetzt vor allem an der Profitabilität arbeiten. „Solange diese Profitabilität nicht da ist, werden wir auch in der Marktbewertung nicht höher kommen“, sagte er. „Die muss über die nächsten 18 Monate kommen.“ Wenn das geschehen sei, könne man auch über andere Dinge sprechen. Die Deutsche Bank wolle zudem ein globales Institut bleiben.

Seit Wochen wird an den Finanzmärkten darüber spekuliert, ob die Deutsche Bank nicht früher oder später mit der Commerzbank zusammengehen wird, um einen nationalen Champion in der deutschen Bankenbranche zu schaffen. Auftrieb hatten solche Überlegungen auch durch Äußerungen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz erhalten. Der hatte beklagt, dass es Deutschland und Europa weithin an international wettbewerbsfähigen Banken fehle, die mit den großen US-Banken Schritt halten können.

In Koalitionskreisen hatte es geheißen, im Finanzministerium werde momentan erwogen, ob nicht ein Zusammengehen der beiden größten Instituts Deutschlands letztlich sinnvoll sein könnte. Diese Überlegungen seien aber noch sehr allgemein. Eine klare, eindeutige Haltung dazu gebe es in der Bundesregierung noch nicht. Im Kanzleramt waren solche Ideen zu einem „nationalen Champion“ im Bankengewerbe in der Vergangenheit eher auf Skepsis getroffen. Als ein Argument von Kritikern wird ins Feld geführt, dass ein Zusammengehen von Deutscher Bank und Commerzbank viele Stellen kosten könnte.