Tausende Stellen betroffen

Bayer kündigt massiven Stellenabbau in Deutschland an

Der Chemiekonzern Bayer hat einen massiven Stellenabbau in Deutschland angekündigt.

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Bayer verordnet sich nach der milliardenschweren und mit Schulden finanzierten Monsanto-Übernahme einen Konzernumbau und will weltweit 12.000 Arbeitsplätze streichen. Ein bedeutender Anteil davon werde in Deutschland wegfallen, teilte Bayer am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter verständigten sich in einer gemeinsamen Erklärung auf eine neue Vereinbarung zur „Zukunftssicherung Bayer 2025“. Demnach sind betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis Ende 2025 grundsätzlich ausgeschlossen.

Beim Abbau der 12.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2021 ist bislang vorgesehen, dass rund 900 Arbeitsplätze in der Forschung der Sparte Pharmaceuticals für verschreibungspflichtige Medikamente wegfallen. In Wuppertal sind Bayer rund 350 Stellen im Zusammenhang mit der Herstellung von Medikamenten gegen die Bluterkrankheit betroffen.

In der Consumer-Health-Sparte für rezeptfreie Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sollen 1100 Stellen wegfallen, in der Crop-Science-Sparte mit den Bereichen Saatgut, Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung rund 4100. Weitere 5500 bis 6000 Stellen werden Bayer zufolge bei den „übergreifenden Konzern- und Querschnittsfunktionen, Business Services sowie den Länderplattformen“ gestrichen.

Die Effizienz- und Strukturmaßnahmen sollen eigenen Angaben zufolge die Wettbewerbsfähigkeit des Dax-Konzerns steigern und einschließlich der erwarteten Synergien aus der Monsanto-Übernahme von 2022 an jährliche Beiträge in Höhe von 2,6 Milliarden Euro generieren.

Der Personalabbau ist Bestandteil eines Effizienzsteigerungsprogramms, mit dem das Unternehmen Produktivität und Ertragskraft deutlich steigern will. Weitere Bestandteile sind die Trennung vom Geschäft mit Tiergesundheit, der Verkauf der Marken Coppertone und Dr. Scholl’s sowie die Abgabe des 60-prozentigen Anteils an dem deutschen Chemiestandort-Dienstleister Currenta.

Im vierten Quartal kommen auf den Konzern zudem Abschreibungen aus den Sparten Consumer Health und Pharmaceuticals in einer Größenordnung von insgesamt 3,3 Milliarden Euro zu. Die Ebitda-Marge vor Sondereinflüssen des Bayer-Konzerns solle im Zeitraum bis 2022 auf mehr als 30 Prozent steigen, hieß es weiter.

Die Milliardenabschreibungen im Zuge des geplanten Bayer-Konzernumbaus haben die Stimmung der Anleger am Donnerstag getrübt. Die Aktien des Pharma- und Agrarchemiekonzerns stiegen nach Ankündigung eines Sparprogrammes mit einem Abbau von rund 12.000 Stellen zunächst um bis zu 3,9 Prozent. Kurz darauf gerieten die Papiere jedoch unter Druck und drehten ins Minus. Bei hohen Umsätzen lagen sie am Nachmittag mit 63,61 Euro rund ein Prozent schwächer. Vor der Mitteilung des Konzerns hatten sie rund 1,4 Prozent höher notiert.

Das Unternehmen hat derzeit gleich an mehreren Fronten zu kämpfen. In den USA sieht sich der Konzern nach der Übernahme von Monsanto mit zahlreichen Klagen wegen des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat konfrontiert. Die Kläger werfen dem von Bayer übernommenen US-Unternehmen Monsanto vor, mit Glyphosat ein krebserregendes Mittel verkauft und nicht ausreichend über die Schädlichkeit informiert zu haben. Bayer weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Doch brach die Bayer-Aktie nach dem ersten verlorenen Glyphosat-Prozess massiv ein. Auch im wichtigen Pharmageschäft hatte der Konzern zuletzt wenig erfolgversprechende Neuentwicklungen zu vermelden.