Deutschland
„Unter Plan“

Automobilkrise: ZF Friedrichshafen brechen die Gewinne weg

Der bedeutende Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen hat seine Umsatz- und Gewinnziele für das laufenden Jahr kassiert. Der Nettogewinn im ersten Halbjahr brach ein.
02.08.2019 14:03
Lesezeit: 1 min

Der Zulieferer ZF Friedrichshafen reiht sich in die Serie von Gewinnwarnungen aus der Autoindustrie ein. Im ersten Halbjahr brach der operative Gewinn des Stiftungskonzerns um 39 Prozent auf 646 Millionen Euro ein, wie ZF am Freitag mitteilte.

Der Nettogewinn ging noch stärker um gut 70 Prozent auf 166 Millionen Euro zurück. Vorstandschef Wolf-Henning Scheider verwies als Grund auf die schwierige Situation der Weltwirtschaft mit Handelskonflikt und schrumpfenden Automobilmärkten. Die Pkw-Produktion gehe 2019 schätzungsweise um vier Prozent zurück, die von Nutzfahrzeugen um drei Prozent. ZF erwartet deshalb jetzt mit 36 bis 37 Milliarden Euro Umsatz eine Milliarde weniger als ursprünglich. Die bereinigte operative Rendite soll nach dem Rückgang auf fünfeinhalb Prozent im vergangenen Jahr auf vier bis fünf Prozent weiter sinken.

Ähnlich wie der drittgrößte Autozulieferer rechnen auch der größere Konkurrent Continental oder Schaeffler mit sinkendem Gewinn. Von den deutschen Autobauern verdienen die ZF-Kunden BMW und Daimler deutlich weniger, während der Volkswagen-Konzern gegen den Trend Wachstum in Aussicht stellte.

Der Umsatz von ZF sank im ersten Halbjahr bereinigt um 1,7 Prozent auf 18,4 Milliarden Euro. Der Hersteller von Antriebstechnik und Fahrzeugsicherheit gibt für die Übernahme des Bremsenspezialisten Wabco bis 2020 umgerechnet 6,3 Milliarden Euro aus. Jetzt müsse ZF noch mehr sparen, kündigte Finanzvorstand Konstantin Sauer an. So habe es in China zum Beispiel schon Entlassungen gegeben.

In Deutschland, wo ZF rund 50.000 Beschäftigte hat, sei das nicht notwendig, weil über Gleitzeit und andere Instrumente das Arbeitsvolumen angepasst werden könne. Kurzarbeit sei bisher jedoch kein Thema. Andere kleinere Autozulieferer bauen Stellen ab wie etwa Mahle oder meldeten Insolvenz an wie der Anlagenbauer Eisenmann.

Für Technologien wie Elektromobilität und autonomes Fahren wolle ZF nach wie vor mehr Personal einstellen, betonte Sauer. Denn an seinen Investitionsplänen will der Konzern Sauer zufolge trotz des Gewinnschwunds festhalten. Von 2019 bis 2023 sollen zwölf Milliarden Euro in die Produktion von Elektro- und Hybridantrieben fließen. Für 2020 erwartet Sauer allerdings noch keine Erholung an den Automobilmärkten. "Wir gehen hauptsächlich am Pkw-Markt von einer flachen Entwicklung 2020 aus."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kapitalismus lebt: Warum Yanis Varoufakis mit seiner Theorie vom Technofeudalismus zugleich falsch und richtig liegt
25.10.2026

Der Kapitalismus ist tot. An seine Stelle ist ein neofeudales System getreten, in dem sich die Macht in den Händen der Eigentümer...

DWN
Finanzen
Finanzen OpenAI-IPO: Die wahre Sorge der Finanzchefin vor dem Börsengang
25.10.2026

Während die Finanzwelt auf den milliardenschweren OpenAI-Börsengang wartet, treibt Finanzchefin Sarah Friar eine ganz andere Sorge um:...

DWN
Technologie
Technologie Adobe-Alternative kostenlos: Ein verärgerter Kunde fordert den Milliardenkonzern heraus
25.10.2026

Ein Kunde will sein Adobe-Abo kündigen und soll dafür auch noch bezahlen. Seine Rache könnte den Software-Riesen teuer zu stehen kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI im Unternehmen: Warum ChatGPT allein noch keine Prozesse automatisiert
25.10.2026

ChatGPT schreibt Texte, fasst Informationen zusammen und spart Mitarbeitern Zeit. Doch wer KI wirklich zur Prozessautomatisierung nutzen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Robin Zeng: Der Chinese, von dem Deutschlands Autobauer abhängen
25.10.2026

Er baut keine Autos, doch ohne ihn hätten BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz ein gewaltiges Problem. Der chinesische Milliardär Robin Zeng...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Pflege statt Arbeit: Immer mehr pflegende Erwerbstätige gehen Arbeitsmarkt verloren
25.10.2026

Die wachsende Zahl pflegender Angehöriger könnte den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren laut einer Prognose spürbar belasten: Bis 2045...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umsatzwarnungen: Lindt & Sprüngli entlässt Konzernchef Lechner
25.10.2026

Der Schokohasen-Hersteller leidet unter teuren Kakaopreisen und dem heißen Sommer. Nun soll ein alter Bekannter vorm Weihnachtsgeschäft...

DWN
Politik
Politik Frankreich führt Aufschläge für Medikamente ein. Was bedeutet das für die Preise in Deutschland und für Generika?
25.10.2026

In Frankreich wurde eine neue Vereinbarung mit der Pharmaindustrie über Arzneimittelpreise erzielt, die dazu führen könnte, dass einige...