Technologie

Zement erzeugt mehr CO2 als alle Lkw der Welt zusammen

Lesezeit: 2 min
18.08.2019 08:59
Die Hersteller von Zement gehören zu den größten CO2-Emittenten der Welt. Nach dem Energiesektor und der Autobranche werden sie nun zum nächsten Ziel der Klimapolitik.
Zement erzeugt mehr CO2 als alle Lkw der Welt zusammen
Nicht Heizung oder Klimaanlage sind der größte Faktor beim CO2-Fußabdruck eines herkömmlichen Bürogebäudes, sondern der eingesetzte Zement, das Bindemittel in den Baustoffen Mörtel und Beton. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die Herstellung von Zement ist für 6,9 Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen verantwortlich, so aktuelle Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA). Das ist deutlich mehr als die CO2-Emissionen aller Lastkraftwagen der Welt zusammen, deren Anteil am globalen Gesamtausstoß 6,1 Prozent beträgt.

Nachdem sich die Politik zunächst die Energiewirtschaft und die Autobranche vorgenommen hat, konzentriert sie sich nun zunehmend auf Baustoffe und Baupraktiken, um auch hier Reduzierungen des CO2-Ausstoßes durchzusetzen. Die Unternehmen arbeiten auch schon an Lösungen, aber die Kunden scheuen die Mehrkosten.

"Die Nachfrage nach nachhaltigen Materialien ist bisher zu gering", zitiert Bloomberg Jens Diebold, den Leiter Nachhaltigkeit beim Schweizer Unternehmen LafargeHolcim, einem der größten Hersteller von Baustoffen der Welt. "Es gibt ein begrenztes Interesse an Kohlenstoffemissionen beim Bau von Gebäuden."

Architekten und Bauherren konzentrieren sich derzeit vor allem auf die von ihren Gebäuden genutzte Energie. Doch in Wirklichkeit sind es die eingesetzten Materialien, die den größten Teil ihres CO2-Fußabdrucks ausmachen. Der Beitrag von Zement, zu den Emissionen ist wegen der dafür notwendigen chemischen Prozesse besonders groß.

Etwa zwei Drittel der Treibhausgase, die bei der Zementherstellung entstehen, stammen aus der Verbrennung von Kalkstein. Die Öfen werden dafür auf mehr als 1.400 Grad Celsius erhitzt. Im Inneren des Ofens verbindet sich der Kohlenstoff aus dem Kalkstein mit Sauerstoff und das entstehende CO2 wird freigesetzt.

Bei der Herstellung einer Tonne Zement entsteht nach Angaben der European Cement Association mindestens eine halbe Tonne CO2. Das ist mehr, als das durchschnittliche Auto auf einer Fahrt von Berlin nach Moskau produziert. Und normale Bürogebäude benötigen Hunderte oder sogar Tausende von Tonnen.

Der nach Kapazität zweitgrößte Zementhersteller der Welt, LafargeHolcim, hatte schon einmal ein CO2-freies Produkt eingeführt, das ein anderes Produktionsverfahren einsetzte. Doch die Kunden waren "sehr preissensibel" und zeigten kein Interesse, sagt Diebold. Alternative Zementarten können Studien zufolge das Dreifache des herkömmlichen Materials kosten.

Europas Zementhersteller konzentrieren sich darauf, bei der Wärmeerzeugung auf fossile Brennstoffen zu verzichten. Die European Cement Association sagt, dass ihre Produzenten bereits 44 Prozent ihrer Energie aus saubereren Quellen beziehen. Bis 2050 will sie diesen Anteil auf 60 Prozent erhöhen.

Der nächste Schritt ist der Einsatz von Speichervorrichtungen, um CO2 dauerhaft unter der Erde einzulagern. Diese Technologie ist noch nicht weit verbreitet und vor allem teuer - Hunderte von Millionen Dollar für jede Fabrik. Aber sie könnte die Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts um 80 Prozent senken.

Die Zementhersteller stehen unter Handlungsdruck. Denn die Emissionsregeln werden strenger, und die Kosten für den CO2-Ausstoß setzen ihre Umsätze bereits unter Druck. CO2-Zertifikate haben heute "gravierende Kostenauswirkungen für die Zementindustrie", sagte Koen Coppenholle, CEO der European Cement Association.

Ohne Maßnahmen der Politik könne der CO2-Ausstoß für die Bauherren eine niedrige Priorität bleiben, sagt Tiffany Vass von der IEA. "Ich glaube nicht, dass die dringende Notwendigkeit der Dekarbonisierung die Bauindustrie in vielen Teilen der Welt erreicht hat."

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weniger Administration, mehr Weiterentwicklung: Digitale bAV-Verwaltung für mehr „Human“ im HR

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Finanzen
Finanzen IWF wird ehrlich: Aktien sind wegen Corona-Hilfen überbewertet – Gefahr einer großen Finanzkrise

Der IWF teilt mit, dass die Corona-Hilfen durch die Zentralbanken und die Regierungen zu einer Überbewertung von Aktien geführt hätten....

DWN
Finanzen
Finanzen Schutz vor Hyperinflation? Goldbefürworter Peter Schiff warnt Anleger vor Bitcoin

Der US-Ökonom Peter Schiff warnt Anleger davor, Bitcoins zu kaufen, um sich vor einer Hyperinflation zu schützen. Er meint, Gold sei die...

DWN
Finanzen
Finanzen Über 20.000 Dollar pro Gold-Unze schwirren auf dem Markt umher

Aufgrund der ultralockeren Geldpolitik der Fed betragen die Dollar-Gold-Ratio über 20.000 Dollar und die Dollar-Silber-Ratio über 3.000...

DWN
Finanzen
Finanzen Der neue Bitcoin-ETF ist eine Falle – wie einst der erste Gold-ETF

Der erste Bitcoin-ETF hat den Handel aufgenommen. Doch der Goldexperte Tom Luongo warnt Anleger. Denn er kennt diese Falle aus dem...

DWN
Politik
Politik Ende der Ära Merkel: Wie die Welt den Regierungswechsel sieht

Kanzlerin Merkel verabschiedet sich von der Weltbühne. Bei ihrem letzten G20-Gipfel in Rom hat sie mit Finanzminister Scholz schon ihren...

DWN
Finanzen
Finanzen Corona-Krisenprogramm der EZB wird im März 2022 enden

Das Corona-Krisenprogramm PEPP der EZB wird aus Sicht von EZB-Chefin Christine Lagarde im ersten Quartal des kommenden Jahres enden.

DWN
Deutschland
Deutschland Elektro-Busse lösen bundesweit schwere Brände aus

In den vergangenen Wochen hat die Selbstentzünding von E-Bussen in mehreren deutschen Städten schwere Brandkatastrophen ausgelöst.

DWN
Politik
Politik Lagebericht Syrien: Russland zerstört Hauptquartier türkischer Söldner, Ankara bereitet Großangriff auf US-Verbündete vor

Während die türkische Armee einen neuen Feldzug gegen US-Verbündete in Syrien vorbereitet, verstärkt Russland den Druck auf die...