Politik

Die Hysterie der Trump-Gegner: Haben alle den Verstand verloren?

Lesezeit: 2 min
11.11.2016 00:16
Erstmals brennen nach einer US-Wahl in den USA amerikanische Flaggen. Der neue Präsident wird mit Spott und Hohn überschüttet. Sind alle verrückt geworden?
Die Hysterie der Trump-Gegner: Haben alle den Verstand verloren?

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die USA haben einen neuen, demokratisch gewählten Präsidenten. Dennoch brennen amerikanische Flaggen, diesmal in den USA. Tausende Gegner des neuen Staatspräsidenten protestieren auf den Straßen, die Medien beleidigen offen und pöbelhaft Donald Trump als „bösartigen, dummen Clown.“ Die westliche demokratische Welt versinkt in eine „Schock-Starre“.

Kam der Wahlsieg des US-Oligarchen Donald Trump wirklich überraschend? Für die westlichen Medien, die Polit-Analysten, die Meinungsbefragungsfirmen und mehr als die Hälfte der US-Bürger offensichtlich schon.

Die deutschen Politiker sorgen sich plötzlich um die „Sicherheit der Welt“, als ob alles in der Welt in Ordnung wäre. Als ob die deutschen, österreichischen, europäischen und die US-Waffen nicht schon längst die effizientesten Mordwerkzeuge in Syrien, im Irak, im Jemen, in Afghanistan, in Nigeria, in Libyen und in der Ukraine wären. Als ob die EU und die USA gar keine politischen und wirtschaftlichen Interessen in diesen durch Kriegshandlungen weitgehend bereits zerstörten Ländern hätten. Als ob die EU- und US-Politiker völlig unbeteiligte Opfer eines mörderischen Wahnsinns wären.

Seit 2003 schauen wir tatenlos zu, wie Hunderttausende von unschuldigen Menschen im Nahen Osten ermordet und Millionen durch Bomben aus ihren Häusern vertrieben werden. Wir sehen diese Flüchtlinge dann in Massenlagern in Jordanien, im Libanon und in der Türkei, wo sie, jeglicher Menschenrechte beraubt, unter schlimmsten Bedingungen ausharren müssen und darauf hoffen, dass wir ihnen erlauben werden, unseren Boden zu betreten. All jene, die es wagen, auf eigene Faust den Fluchtweg nach Europa anzutreten, stempeln wir als „Flüchtlingskrise“ oder „Flüchtlingswelle“ ab, also als eine Plage, um ihnen jegliche Möglichkeiten und Menschengrundrechte zu verwehren und sie zurück in ihre brennende, von unseren Waffen zerstörte, Heimat zu schicken.

Wir alle, die nach der Trump-Wahl zum amerikanischen Staatspräsidenten in einer „Schock-Starre“ stecken, müssen uns fragen, was wir falsch gemacht haben und warum wir die Fakten beharrlich ignoriert haben.

Die Wähler der gescheiterten Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton haben nicht zur Kenntnis genommen, dass die Hälfte der US-Bürger in einer immer stärker werdenden Armut lebt und ums Überleben kämpfen muss. Sie haben ignoriert, dass Millionen ihrer Mitbürger arbeitslos sind, dass die Zahl der obdachlosen Amerikaner steigt. Sie haben ignoriert, dass der Präsidentschaftswahlkampf in den USA legal, aber auch illegal finanziert, und damit die Demokratie ausgehöhlt und untergraben wurde. Die Clinton-WählerInnen haben ignoriert, dass 44 US-Staatspräsidenten nach einem Wahlgesetz gewählt wurden, welches es ermöglicht, einen Präsidentschaftskandidaten zum Präsidenten zu küren, obwohl die Mehrheit der Wählerstimmen den anderen Kandidaten gewählt hatten.

Die Arroganz, Unsachlichkeit und Undifferenziertheit der amerikanischen, aber auch der westeuropäischen Medien, fiel schon während der Wahlkampagne unangenehm auf. Nun überschlagen sich die Stimmen geradezu. Der kalkuliert vulgäre Stil von Donald Trump verleitete sie, sich auf sein Niveau zu begeben und ihn am Ende deswegen zu verspotten. Wir Journalisten waren im Grunde die wichtigste Waffe Donald Trumps. Indem wir nach seinen Regeln gespielt haben, haben auch wir ihn zum Präsidenten gemacht.

Sehen wir nicht, dass unsere Nachbarn Orban, Le Pen, Szydło, Strache und Petri heißen? Sehen wir nicht, dass alle EU-Länder eine immer höher werdende Arbeitslosenrate oder einen rasanten Anstieg der Billiglöhne haben? Sehen wir nicht, dass in Österreich schon zwei Millionen Menschen in Armut leben müssen? Dass sich in ganz Europa viele Menschen das tägliche Leben kaum noch leisten können? Dass wir um unsere eigene und die Rente unserer Kinder fürchten müssen? Sehen wir nicht, dass Millionen von Migranten und Flüchtlingen aus Not und Elend zu uns kommen und nicht als Glücksritter?

Die USA und die EU stehen vor großen, aber lösbaren Problemen. Blindheit und Ignoranz werden uns allerdings nicht helfen, den Schritt in ein sicheres und besseres Leben zu schaffen.

Donald Trump ist jener Amerikaner, dem die Wähler seines Landes in diesem Augenblick das verantwortungsvollste Amt des Staates anvertraut haben. Er ist offensichtlich der Beste, den die USA im Moment aufbieten können.

Zoran Dobric ist Journalist beim Österreichischen Rundfunk (ORF). Er erhielt 2009 den renommierten Robert-Hochner-Preis der österreichischen Journalistengewerkschaft für seine investigative Arbeit. 2011 erhielt Dobric für sein langjähriges journalistisches Eintreten für die Rechte sozialer Minderheiten den Claus-Gatterer-Preis.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schmelzhütten in Europa müssen Produktion einstellen

Am Dienstag hat schon eine holländische Zinkhütte wegen hoher Energiekosten die Einstellung der Produktion angekündigt. Nun trifft es...

DWN
Finanzen
Finanzen Zinn: Das oft übersehene Technologiemetall

Zinn wird im Rohstoffsektor gerne übersehen, dabei trägt es sein etwas angestaubtes Image vollkommen zu Unrecht.

DWN
Politik
Politik Washington Post: Der Weg zum Krieg

Die US-amerikanische Tageszeitung zeichnet über eine Reihe von Interviews mit Behördenvertretern aus den USA, der Ukraine sowie der EU...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschlands Gas-Vorräte reichen weniger als drei Monate

Selbst wenn es Deutschland gelingen sollte, seine Reserven vollständig zu füllen, reicht das Gas nicht einmal drei Monate, falls Russland...

DWN
Finanzen
Finanzen Lebensmittel auf Kredit: Supermarkt-Kette zielt auf ärmere Kunden

Die britische Supermarktkette Iceland Foods bietet ihren Kunden Kredite für den Kauf von Lebensmitteln an. Das Programm richtet sich an...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Ärgernis für deutschen Handel: Anhaltende Schiffs-Staus in der Nordsee

Staus großer Containerschiffe dürften die deutschen Nordseehäfen noch länger in Atem halten. Die volle Auswirkung wird erst im zweiten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Inflation in Großbritannien steigt über 10 Prozent

Die bereits hohe Inflation in Großbritannien hat sich weiter beschleunigt. Im Juli lagen die Verbraucherpreise um 10,1 Prozent höher als...

DWN
Finanzen
Finanzen Vorbereitung auf Super-Crash: Star-Investor stößt alle Aktien ab - bis auf eine

Der bekannte Investor Michael Burry warnt seit Monaten vor einem verheerenden Börsencrash und stößt fast seinen gesamten Aktienbestand...