Finanzen

Anleger erwarten schwachen Dollar, weiter starken Euro

Lesezeit: 2 min
08.09.2017 17:18
Beobachter glauben, dass die gegenwärtige Dollar-Schwäche ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat.
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Zahlreiche Analysten rechnen damit, dass dem US-Dollar wahrscheinlich schwierige Monate bevorstehen. Im Vergleich zu wichtigen anderen Währungen setzte die Weltleitwährung ihre Schwächephase auch am Freitag fort.

Der Dollar-Index – welcher den Kurs des Dollar im Vergleich zum Euro, Schweizer Franken, japanischen Yen, britischen Pfund, kanadischen Dollar und schwedischer Krone abbildet – sank am Freitag auf rund 91,2 Punkte und damit so tief wie seit 32 Monaten nicht mehr. Ende Dezember 2016 stand er noch bei 103 Punkten, seitdem ging es kontinuierlich bergab.

Der Euro war im asiatischen Handel im Vergleich zum Dollar auf den höchsten Stand seit Anfang 2015 gestiegen und erreichte einen Kurs von 1,2089 Dollar. Der Euro befindet sich seit einiger Zeit vor allem im Vergleich zum Dollar auf einem Höhenflug. Seit dem Mehrjahrestief von Anfang Januar – als der Kurs bei etwa 1,05 Dollar lag – wertete der Euro im Vergleich zum Dollar damit um fast 17 Prozent auf.

Die EZB ist aus Sicht der Analystin Lena Komileva von G+ Economics derzeit nicht dazu bereit, gegen die Aufwertung des Euro zu intervenieren: „Mario Draghi gab keinen Hinweis darauf, dass die EZB besonders besorgt wegen der Stärke des Euro ist. Der Zweck der ‚verbalen Intervention‘ Draghis bestand nur darin, weitere Spekulationen auf eine Aufwertung zu unterbinden. Sie hatte nicht den Zweck, den Märkten zu signalisieren, dass die EZB auf eine Abwertung des Euro hinarbeitet“, zitiert die FT Komileva.

„Wenn sich der Kurs des Euro zum Dollar stabilisiert oder wie in unserem Basisszenario erwartet weiter leicht steigt, könnte die EZB im Oktober eine im Januar beginnende Reduktion des Anleihekaufprogramms bekanntgeben. Sollte der Euro schnell stark steigen, könnte die EZB den Ausstieg verschieben“, wird ein Analyst der Vermögensverwaltung Amundi von Bloomberg zitiert.

Die chinesische Landeswährung Yuan stieg am Freitag auf den höchsten Stand seit 21 Monaten. Die People's Bank of China (PBoC) senkte den Dollar-Referenzkurs, den die chinesische Währung nur in einer bestimmten Spanne über- oder unterschreiten darf, um 0,4 Prozent auf 6,5032 Yuan. Daraufhin verbilligte sich die US-Valuta an der Börse um 0,4 Prozent auf 6,46 Yuan. Ende Dezember 2016 lag der Kurs noch bei fast 7 Yuan.

Ein Grund für die gegenwärtige Stärke des Yuan scheint auch der Umstand zu sein, dass die Regierung in Peking die seit Monaten herrschende Kapitalflucht eindämmen konnte. „Die chinesischen Devisenreserven haben im August den siebten Monat in Folge zugelegt, was zeigt, dass der Kapitalabfluss ins Ausland immer mehr zum Erliegen kommt“, zitiert die dpa Analysten der japanischen Mizuho Bank.

„Der Kurs des in China gehandelten Yuan stieg im gesamten ersten Halbjahr zum Dollar an, aber die Dynamik nahm im Juli und August noch zu. Marc Chandler von Brown Brothers Harriman bezeichnet den August als ‚besten Monat des Yuan seit vielen Jahren‘ und er wies daraufhin, dass die Devisenreserven Chinas gestiegen sind“, schreibt die FT.

Auch zum japanischen Yen verlor der Dollar an Wert. Der Kurs des Yen sank am Freitag unter die Marke von 108 Yen, welche er zuletzt Mitte November 2016 innehatte.

Die Financial Times berichtet, dass der Abwärtstrend des Dollar aus Sicht zahlreicher Analysten in den kommenden Monaten fortgesetzt werden dürfte. „Es gibt zwei Hauptgründe für die Dollar-Schwäche. Der eine besteht darin, dass die Erwartungen der Marktteilnehmer an ein höheres Wirtschaftswachstum in den USA aufgrund der angekündigten Maßnahmen von Präsident Trump erst einmal vom Tisch sind. Der zweite Faktor besteht darin, dass der Rest der Welt nicht stillsteht. Die Volkswirtschaften der Eurozone nehmen Schwung auf und die EZB erwägt eine Normalisierung der Geldpolitik. Auch die japanische Wirtschaft wächst, auch wenn die Inflation dort noch immer niedrig ist“, wird ein Analyst der französischen Großbank Société Générale von der FT zitiert.

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