Finanzen

Draghi nervös: Italiener müssen Banken-Krise in Griff bekommen

EZB-Präsident Draghi gerät im Streit um faule Kredite bei Europas Banken in die Schusslinie.
17.10.2017 03:39
Lesezeit: 2 min

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, gerät im andauernden Streit um ausfallgefährdete Kredite in den Bilanzen europäischer Banken in die Schusslinie. Während aus Italien teilweise heftige Kritik an den Vorschlägen der EZB-Bankenaufsichtsbehörde SSM kommt, findet das Vorhaben unter anderem bei der Bundesbank Unterstützung.

„Das Problem der ausfallgefährdeten Kredite ist real und muss gelöst werden“, wird Draghi von der Financial Times zitiert. Draghi deutete aber auch an, dass die Pläne noch nicht spruchreif und deshalb Änderungen möglich seien.

Ab 2018 sollen Banken nach dem Willen der EZB-Aufseher in der Euro-Zone alle Darlehen, die neu als ausfallgefährdet eingestuft werden, mit Rückstellungen stärker abfedern. Bei unbesicherten Problemkrediten soll nach zwei Jahren eine 100-prozentige Abdeckung erreicht werden, bei Problemdarlehen, bei denen Sicherheiten wie etwa Immobilien oder Wertpapiere hinterlegt sind, spätestens nach sieben Jahren. Für den Altbestand gelten diese Vorgaben nicht.

In Italien haben die neuen Leitlinien starke Kritik ausgelöst, weil rund 30 Prozent des etwa 900 Milliarden Euro großen Bergs an Problemdarlehen in Europa auf Institute aus Italien entfallen. Dort wird befürchtet, dass die Vorgaben das Wirtschaftswachstum dämpfen könnten. Diese Befürchtung teilt die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P). Sie rechnet damit, dass die neuen Richtlinien vor allem Italien belasten werden. Von allen Geldhäusern in der Euro-Zone würden die Vorgaben die dortigen Banken am stärksten treffen, teilte S&P am Montag mit. Diese dürften in der Folge voraussichtlich weniger gewillt sein, Darlehen an Firmen zu vergeben.

Vergangene Woche setzte der italienische Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani, Draghi mit einem öffentlichen Brief zum Thema unter Druck. Er forderte Draghi auf, das europäische Abgeordnetenhaus bei dem Entscheidungsprozess zu den neuen Vorgaben nicht zu übergehen. Er sei „tief besorgt“ über die Vorgehensweise. Auch der ehemalige Premierminister des Landes, Matteo Renzi, meldete sich mit scharfer Kritik.

Daraufhin verteidigte die EZB-Bankenaufsicht ihr Vorgehen. Die Europäische Zentralbank sei der Auffassung, dass dies in ihr Aufsichtsmandat und in ihre Befugnisse falle, schrieb die oberste EZB-Bankenwächterin, Daniele Nouy, in einem Brief an Tajani.

Nouy erklärte, die neuen Richtlinien zu notleidenden Krediten würden nicht über den bestehenden regulatorischen Rahmen hinausgehen. „Die EZB ist in der Tat verpflichtet, in Übereinstimmung mit ihrem Aufsichtsmandat diese zentrale Anfälligkeit im europäischen Bankensystem zu adressieren,“ schrieb die Französin.

Unterstützer der schärferen Vorschriften hingegen sagen, dass sich die italienische Regierung vor einer Bereinigung des Problems drücke und dadurch eine vollständige Erholung des europäischen Bankensystems verhindere. „Die italienische Zentralbank hat noch immer einen guten Ruf. Die in aller Öffentlichkeit ausgetragenen Streitereien zwischen der Banca d’Italia und dem SSM helfen niemandem. Es wird auf lange Sicht vor allem auch dem italienischen Bankensystem nicht helfen“, zitiert die FT einen Analysten des Washingtoner Peterson Institute.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie BradyPrinter i7500: Revolution im Hochpräzisionsdruck

Sie haben genug vom altmodischen Druck großer Etikettenmengen? Keine Kalibrierung, keine Formatierung, kein umständliches Hantieren mit...

X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Politik
Politik Vertrauliche Nähe bei Koalitionsverhandlungen: Merz und Klingbeil im Zwang zur Zusammenarbeit
04.04.2025

Lange Zeit galt die schwarz-rote Koalition als Ausnahmeerscheinung der Bundesrepublik. Jetzt verhandeln Union und SPD über ihr fünftes...

DWN
Technologie
Technologie Moto-E-Motion optimiert Fahrzeuge: Innovationen sind kein Hexenwerk – nur Physik
04.04.2025

Wie lässt sich die Effizienz von Motoren und Maschinen ohne bauliche Veränderungen verbessern? Wie das Unternehmen Moto-E-Motion durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf Rekordniveau: Für wen ist eine Investition in das Edelmetall sinnvoll und wer sollte vorsichtig sein?
04.04.2025

Der Goldpreis hat die Marke von 3.100 US-Dollar pro Unze übertroffen und ein neues Allzeithoch erreicht. Doch ist Gold weiterhin eine...

DWN
Politik
Politik Ultimatum für Putin? Trump verliert laut Nato-Partnern Geduld
04.04.2025

Könnte es nur noch Wochen dauern, bis sich neue Entwicklungen in den Bemühungen um eine Waffenruhe im Ukraine-Konflikt abzeichnen? Dieser...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globaler Handelskrieg: Trump erfindet Zölle, die es nie gab
04.04.2025

US-Präsident Donald Trump hat Zölle gegen Länder eingeführt, die es in der Form nie gab. Anstatt auf konkrete Handelsbarrieren oder...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: China-Zölle richten Blutbad am Aktienmarkt an - Bank-Aktien rauschen ab
04.04.2025

Die Gegenzölle aus China schicken den DAX aktuell tief in die Verlustzone. Globale Sorgen um das Wirtschaftswachstum setzen vor allem dem...

DWN
Technologie
Technologie WhatsApp-Nachrichten-Limit: Meta führt Begrenzung ein - aber bitte keine Panik
04.04.2025

WhatsApp, der beliebte Messenger-Dienst von Meta, führt derzeit eine neue Funktion ein, die das Versenden von Nachrichten einschränkt....

DWN
Politik
Politik Russland drängt, Ukraine kämpft: Internationale Hilfe und politische Spannungen im Kriegschaos
04.04.2025

Die russischen Angriffe auf Grenzgebiete eskalieren, während die Ukraine auf internationale Hilfe und politische Lösungen setzt. Doch die...