Finanzen

Bargeld-Rationierung wirft Indiens Wirtschaft weit zurück

Lesezeit: 2 min
13.11.2017 17:10
Ein Jahr nach der überraschenden Bargeld-Rationierung zeigen sich schwere Verwerfungen in der Volkswirtschaft Indiens.
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Die am 8. November 2016 überraschend verkündete Bargeld-Reform hat der indischen Volkswirtschaft schwere Schäden zugefügt. Rund ein Jahr nach ihrer Einführung zeigen sich noch immer verheerende Folgewirkungen des Verbots der beiden größten Geldscheine des Landes.

Premierminister Modi hatte damals den 500-Rupien-Schein sowie den 1000-Rupien-Schein über Nacht für ungültig erklärt. Stattdessen sollten die Bürger ihr Geld auf die Bank bringen und Konten eröffnen. Obwohl die Regierung die Maßnahme anfangs mit dem Kampf gegen Schwarzgeld und Terror-Finanzierung begründet hatte, verkündete Modi wenig später, dass Indien die erste komplett bargeldlose Gesellschaft auf der Erde sein sollte.

Die Folge der Gesetzesänderung waren chaotische Zustände vor den Banken in unzähligen Städten, Unruhen (Video am Anfang des Artikels) und nicht selten auch Enteignungen durch die Finanzbehörden.

Indiens Wirtschaft – die hinsichtlich ihres immensen Potentials und des raschen Wachstums bis vor kurzem noch von vielen Beobachtern mit der Volkswirtschaft Chinas verglichen wurde – konnte sich bislang nicht von dem Schock des Verbots erholen, weil sie traditionell auf Bargeld basiert. „Modi hat versucht, das Bargeld mit dem Bann umzubringen. Ein Jahr später bleibt Bargeld noch immer unangefochten – stattdessen ist es Modis Herrschaft, die ins Wanken geraten ist und seine Aura der Fehlerlosigkeit, die erschüttert wurde“, schreibt die South China Morning Post.

Daten des Centre for Monitoring Indian Economy zufolge sind alleine in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze als direkte Folge des Verbots verschwunden. Die Wirtschaftsleistung legte im dritten Quartal mit 5,7 Prozent so langsam zu wie in den vergangenen drei Jahren nicht mehr. Zudem war der Zeitraum zwischen Juni und September das sechste Quartal in Folge, in dem das Wachstum zurückging. Offenbar spiegeln diese Zahlen den Abschwung aber nur bedingt wi vcder, weil die Berechnungsmethoden des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2015 geändert wurden. Wie die South China Morning Post berichtet, läge das Wachstum im dritten Quartal nach der alten Berechnungsmethode bei nur noch 3,7 Prozent.

Einem vergangene Woche veröffentlichten Bericht der All India Manufacturers Organisation zufolge gingen bereits im vierten Quartal 2016 rund 45 Prozent aller Stellen bei Handelsunternehmen aufgrund der Bargeld-Reform verloren. Bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen waren es demnach 35 Prozent, bei Großunternehmen etwa 15 Prozent und bei Exportunternehmen rund 25 Prozent. Der Trend hält seitdem in abgeschwächter Form an. Rund 80 Prozent der etwa 10.000 für den Bericht befragten Unternehmen gaben an, dass das Verbot aus ihrer Sicht unnötig und erfolglos gewesen sei.

Die Gesetzesänderung erschwert das Leben der Inder bis heute. „Abgesehen von den langen Schlangen vor den Geldautomaten hatten die Menschen Probleme, Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen oder medizinische Behandlungen in Anspruch zu nehmen. Mehr als 100 Bürger sind aufgrund des Bargeld-Verbots gestorben. Traditionell auf Bargeld gestützte Lieferketten in der Landwirtschaft oder der Industrie froren ein, die Nachfrage brach zusammen und die Arbeitslosigkeit stieg an. Hunderttausende Wanderarbeiter mussten in ihre Dörfer zurückkehren und verstärkten die dort sowieso herrschenden wirtschaftlichen Probleme“, schreibt die South China Morning Post.

„Seit der Bargeld-Abschaffung ist die Hölle ausgebrochen, weil unsere Branche auf flexible Saison-Arbeiter angewiesen ist“, wird ein Textilunternehmer aus der westindischen Stadt Surat zitiert.

Verstärkt werden die Schwierigkeiten durch die Einführung einer neuen Mehrwertsteuer im Juli. Wie aus der Untersuchung der All India Manufacturers Organisation hervorgeht, brach die Anzahl der Arbeitsplätze in Handelsfirmen zwischen Juli und September um 18 Prozent, bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen um etwa 25 Prozent, bei Großkonzernen um 15 Prozent und bei Exporteuren um 20 Prozent ein.

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