Technologie

China sieht sich noch nicht als Vorreiter bei Künstlicher Intelligenz

Lesezeit: 2 min
28.07.2018 19:14
China hat im Bereich der Künstlichen Intelligenz nur wenige herausragende Wissenschaftler.
China sieht sich noch nicht als Vorreiter bei Künstlicher Intelligenz

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Laut einer Studie der renommierten Tsinghua-Universität (Peking), gibt es in China im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) nur wenige herausragende Wissenschaftler. Das meldet die „South China Morning Post“. Zwar führen die KI-Forscher aus dem Reich der Mitte in quantitativer Hinsicht die internationalen Ranglisten an: Sie veröffentlichen mehr Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften als die Wissenschaftler jeder anderen Nation. Quantität ist jedoch nicht gleich Qualität – so ist die Zahl der chinesischen Spitzenforscher fünfmal kleiner als die der USA. Auch was die Zahl der in der Studie als sogenannte KI-Talente bezeichneten Personen angeht, liegt China hinter den USA. Das Reich der Mitte verfügt über rund 18.200 solcher Talente. Das entspricht circa neun Prozent des weltweiten Pools an insgesamt 204.000 KI-Talenten. Die USA verfügen über etwa 28.700 KI-Talente, das entspricht 14 Prozent des weltweiten Pools.

Insgesamt gibt es 367 Universitäten weltweit, an denen KI-Forschung stattfindet. Davon befinden sich laut einer Ende des letzten Jahres veröffentlichten Studie des „Tencent Forschungsinstituts“ (eine für wirtschaftliche Studien verantwortliche Einrichtung des chinesischen Internet-Unternehmens „Tencent“) 169 in den USA. In China sind es gerade mal 20. Die USA sind mit 41 Prozent auch die weltweit führende Nation bei der Zahl der KI-Neugründungen. Chinas Anteil beträgt 23 Prozent.

Der chinesische Staatsrat legte im Juli letzten Jahres einen Plan vor, der vorsieht, dass das Reich der Mitte sich bis 2030 zur weltweit führenden KI-Nation entwickeln soll.  Ziel ist, die heimische Wertschöpfung in der KI bis zum Jahr 2020 auf rund 150 Milliarden Yuan (etwa 23 Milliarden Dollar), bis 2025 auf 400 Milliarden Yuan (60 Milliarden Dollar) und bis 2030 schließlich auf eine Billion Yuan (etwa 150 Milliarden Dollar) hochzutreiben. Dafür fördert die Regierung die Entwicklung der AI massiv. So plant sie die Einrichtung eines riesigen, circa 1,75 Milliarden Euro teuren KI-Gewerbeparks in Peking, in dem sich bis zu 400 Unternehmen ansiedeln sollen.

Angesichts des klaren Vorsprungs der USA ist Chinas Ziel, die Amerikaner innerhalb von zwölf Jahren in der KI zu überholen, sehr ambitioniert. In letzter Zeit mehrt sich in China dann auch die Kritik am Anspruch Pekings, den Westen – insbesondere die USA – bald auf den meisten Gebieten wissenschaftlich und technologisch zu überholen. Besonders viel Aufmerksamkeit erregte ein Artikel des Chefredakteurs des staatlichen Magazins „Industry Journal“, Liu Yadong. Darin heißt es, dass zwischen China und dem Westen in punkto Wissenschaft und Technik immer noch eine „riesige Lücke“ klaffe. Zwar habe China in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, es gebe allerdings in bestimmten Bereichen noch immer großen Nachholbedarf, zum Beispiel beim wissenschaftlichen Grundlagenwissen. Darüber hinaus würden viele Pläne und Projekte zu rasch angegangen und – wenn sie scheiterten – wieder verworfen, es fehle an Geduld und Durchhaltevermögen. Anstelle von solidem Arbeiten gebe es viel zu viel Hype: Beispielsweise seien weder Hochgeschwindigkeitszüge noch der elektronische Zahlungsverkehr und auch nicht das Online-Shopping in China erfunden worden, obwohl das in den staatlichen Medien immer wieder behauptet würde.

Der Artikel fand im Internet als auch bei der – gewöhnlich sehr patriotisch gesinnten – „Global Times“ sehr viel Anklang. In einem Kommentar der Zeitung hieß es, es sei Zeit für „mehr kritische Selbstreflektion und mehr Bescheidenheit“.

Der stellvertretende Minister für Industrie und Informations-Technologie, Xin Guobin, sagte auf einem Forum in Peking, dass das Reich der Mitte in punkto Produktion „immer noch Jahrzehnte hinter den hochentwickelten Industrieländern“ zurückliege.

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