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Opel will für die Zukunft auf deutsche Präzision setzen

Lesezeit: 3 min
18.08.2018 01:42
Opel will mit der Konzentration auf deutsche Tugenden in einem schwierigen Umfeld bestehen.
Opel will für die Zukunft auf deutsche Präzision setzen

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Opel stemmt sich mit erstaunlicher Entschlossenheit gegen das schwierige Marktumfeld: Im ersten Halbjahr 2018 verbuchte der Autobauer ein Betriebsergebnis von 502 Millionen Euro und erzielte dabei eine Umsatzrendite von fünf Prozent – damit macht der Autobauer zum ersten Mal seit 1999 wieder Gewinn. Die Kosten beim Einkauf sind um 30 Prozent gesunken, die bei Forschung und Entwicklung um 25 Prozent, die in der Fertigung um 20 Prozent. Die rund 14.000 Beschäftigen haben – gegen Lohnverzicht – eine Beschäftigungsgarantie bis 2023 erhalten. Seit der Übernahme durch PSA hat das Unternehmen 3.700 Mitarbeiter abgebaut. Die fälligen Abfindungen in Höhe von bis zu 150.000 Euro drückten den Gewinn erheblich.

Vor einem Jahr, im August 2017, wurde der Autobauer für 2,2 Milliarden Euro vom französischen Autokonzern PSA (unter anderem Peugeot und Citroen) übernommen. Die Franzosen verkündeten damals, das deutsche Traditionsunternehmen sanieren und wieder in die Gewinnspur führen zu wollen. Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center der Universität Duisburg-Essen sieht allerdings die Gefahr, Opel könne zu einer reinen „PSA-Verkaufsabteilung“ zurückgefahren werden.

Laut einer den Deutschen Wirtschaftsnachrichten vorliegenden Studie des CAR-Centers hatte der Autobauer im Juli seinen niedrigsten Marktanteil in Deutschland seit 50 Jahren zu verzeichnen. Die Rüsselsheimer verkauften 17.704 Fahrzeuge, was einem Marktanteil von 5,5 Prozent entspricht. Im Juni hatte der Anteil noch bei 6,5 Prozent gelegen, im Februar  sogar bei 7,3 Prozent. Anfang des Jahrtausends betrug der Marktanteil noch über 13 Prozent. Mit seinen 5,5 Prozent ist Opel zum ersten Mal hinter Skoda zurückgefallen – die tschechische VW-Tochter kam auf 5,7 Prozent.

Für den Rückgang des Marktanteils im Juli gibt es laut eines Opel-Sprechers nachvollziehbare Gründe. Der Sprecher sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten:

„Ein Eckpfeiler unseres Strategieplans PACE ist die Konzentration auf profitable Vertriebskanäle. Diese bewusste Entscheidung hat das Zulassungsergebnis in Deutschland erwartungsgemäß auch im Juli geprägt. Darüber hinaus sind die Verkäufe des Grandland X im Juli stark von einem Sondereffekt geprägt gewesen: Durch die Umstellung auf die neue Abgasnorm Euro 6d-TEMP war eine gefragte Variante des Grandland X im vergangenen Monat nicht verfügbar. Grundsätzlich entwickelt sich der Verkauf des Grandland X mit europaweit bereits mehr als 95.000 Bestellungen positiv. Generell gilt: Mit unseren SUVs Mokka X, Crossland X und Grandland X sind wir im wichtigen SUV-Segment so stark aufgestellt wie nie zuvor.

Das zeigt sich auch in Deutschland: Im SUV-Segment des Kraftfahrt-Bundesamts haben wir von Januar bis Juli – trotz des beschriebenen Sondereffekts – Platz zwei belegt. Und im SUV-B-Segment in Europa waren wir in den ersten sechs Monaten des Jahres sogar die Nummer eins. Vor allem die erhöhten durchschnittlichen Umsatzerlöse pro verkauftem Fahrzeug sowie die im ersten Halbjahr um zwei Prozentpunkte verbesserte Preissetzungsmacht sind Belege dafür, dass die Marke Opel an Stärke gewinnt.“

Opel sieht im SUV-Bereich jedenfalls eine Wachstumschance. Dessen Anteil am Gesamtmarkt beträgt 29 Prozent. Die drei Opel-SUVs – der Crossland X, der Grandland X und der Mocca – haben am Gesamtverkauf der Marke einen Anteil von nur 27 Prozent. Zum Vergleich: Die SUVs von Ford kommen auf einen Anteil von 32 Prozent, die SUVs von Peugeot – eine der beiden Stammmarken von PSA – sogar auf 44 Prozent.

Die CAR-Studie ist über „die großen Verkaufsverluste des neuen PSA-Opel-Modells Grandland X" überrascht: "Mit nur 655 Neuzulassungen ist der Grandland X im Juli um 53 Prozent eingebrochen. Die klassischen Opel-Käufer scheinen das Modell weniger zu schätzen, während etwa der doch deutlich ältere Opel Mocca, ein originäres Opel-GM-Produkt, zwar auch Verluste hinnehmen muss, aber deutlich weniger als der neue Franzose.“ Die Autoren vermuten, dass Opel-Kunden mit den Produkten aus Frankreich „eher fremdeln“ und sprechen angesichts der Tatsache, dass in Zukunft alle Opel-Modelle auf PSA-Plattformen umgestellt werden, von einer bedenklichen Entwicklung für Opels Marktanteile.

Zur Annahme der CAR-Center-Studie, potentielle Opel-Kunden könnten nicht besonders affin für Produkte aus Frankreich sein, sagt der Sprecher: „Opel bietet deutsche Präzision, Ingenieurskunst und High-Tech. Basierend auf den Technologien der Gruppe PSA wie Plattformen und Antriebssystemen, werden alle Fahrzeuge in Rüsselsheim entwickelt. Damit wird sichergestellt, dass ein Opel immer ein Opel bleiben wird.“

Opel hat auf die sinkenden Absätze bereits reagiert. Für die Werke in Rüsselsheim und Eisenach kündigte das Unternehmen Produktionsanpassungen an – der jeweilige Fahrzeug-Output soll dort um knapp ein Viertel beziehungsweise knapp ein Fünftel gesenkt werden. Darüber hinaus soll PSA in Erwägung ziehen, einen großen Teil des Entwicklungszentrums mit seinen über 7000 Beschäftigten an einen Dienstleister zu verkaufen.

PSA-Chef Carlos Tavares hat das Ziel ausgegeben, die Kosten pro gefertigtem Fahrzeug um 700 Euro zu senken. Bis 2020 sollen pro Jahr 1,1 Milliarden Euro eingespart werden, danach 1,7 Millionen pro Jahr. Bis 2026 soll die Rendite auf sechs Prozent steigen. Außerdem soll Opel eine globale Marke werden. Unter GM waren die Aktivitäten des Autobauers auf den europäischen Markt beschränkt. Bis 2022 sollen die Rüsselsheimer weltweit auf mehr als 20 Märkten agieren.

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