Finanzen

KI-Boom: Das sind die Gewinner und Verlierer an den Aktienmärkten

Die Kräfteverhältnisse an den Börsen verschieben sich spürbar, weil KI-Investitionen, Währungseffekte und Branchenrisiken neue Prioritäten setzen. Wer profitiert 2026 von dieser Neuordnung und wo steigen für Anleger die größten Risiken?
16.01.2026 11:00
Lesezeit: 4 min
KI-Boom: Das sind die Gewinner und Verlierer an den Aktienmärkten
Der KI-Boom verändert die globale Börsenlandschaft, verschiebt Marktführerschaften und macht Risiken durch hohe Sektorkonzentration sichtbar (Foto: dpa) Foto: GSI Helmholtzzentrum

Wie KI die globale Börsenlandschaft neu ordnete

Das Börsenjahr 2025 war von tiefgreifenden Verschiebungen und Neubewertungen an den internationalen Aktienmärkten geprägt. Langfristige Trends gerieten unter Druck, während neue Marktführer an Bedeutung gewannen. Eine zentrale Rolle spielte dabei die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, deren Effekte sich regional sehr unterschiedlich auf die Börsen auswirkten.

Globale Trends wie der KI-Boom schlugen sich nicht gleichmäßig in den Kursentwicklungen nieder. Während einzelne Märkte stark profitierten, blieben andere deutlich zurück. Die unterschiedliche Performance verweist auf strukturelle Unterschiede, technologische Schwerpunkte sowie währungspolitische Effekte.

„Die starke Performance der Schwellenländer, insbesondere in Asien, im Jahr 2025 hängt zu einem großen Teil mit der beschleunigten technologischen Entwicklung in dieser Region zusammen“, erklärte der Stratege der SEB-Privatkundenbank Sander Danil mit Blick auf die veränderten Kräfteverhältnisse an den Börsen.

Auch für 2026 erwarten Marktbeobachter einen veränderten Ausgangspunkt. „Es ist klar, dass das Jahr 2026 mit einer völlig anderen Stimmung beginnt als 2025, weil sich das Risikoprofil verändert hat“, sagte Nelli Janson, Leiterin der LHV-Investorencommunity.

Südkorea als Profiteur des KI-getriebenen Technologieschubs

Einigkeit herrscht unter den befragten Experten darüber, dass der Anstieg des südkoreanischen Aktienmarktes um rund 74 Prozent im Börsenjahr 2025 hauptsächlich auf den Boom im KI-nahen Technologiesektor zurückzuführen war. Maßgeblich getragen wurde diese Entwicklung von Halbleiterherstellern wie Samsung Electronics und SK Hynix.

Die Aktien von Samsung Electronics legten innerhalb eines Jahres um mehr als 140 Prozent zu, während SK Hynix sogar ein Plus von über 300 Prozent verzeichnete. Damit rückten beide Unternehmen in den Fokus internationaler Investoren, die gezielt vom KI-Boom profitieren wollten.

Nach Einschätzung von Sander Danil ist die Technologiekonzentration am koreanischen Aktienmarkt inzwischen höher als in den USA. SK Hynix stellt mittlerweile rund ein Fünftel des Wertes des KOSPI-200-Index. Der Investmentstratege des INVL Family Office Eesti, Rait Kondor, verwies zudem darauf, dass der südkoreanische Markt vor dem Boom nicht hoch bewertet gewesen sei.

Zusätzliche Impulse kamen laut Nelli Janson von staatlichen Reformen zum besseren Schutz von Minderheitsaktionären. Tarmo Tanilas von der Swedbank hob zudem das gestiegene Vertrauen ausländischer Investoren hervor sowie den Trend, dass lokale Anleger Kryptowährungen verstärkt gegen heimische Aktien tauschten.

US-Börsen verlieren Dominanz, bleiben aber robust

Die im Vergleich zu Schwellenländern schwächere Entwicklung der US-Börsen signalisiert nach Einschätzung der Experten keinen grundlegenden Trendbruch. Janson betonte, dass der US-Markt im Börsenjahr 2025 keineswegs schwach gewesen sei, sondern lediglich an relativer Dominanz verloren habe.

Der S&P 500 legte in Dollar gerechnet um 16 Prozent zu, der Nasdaq um rund 20 Prozent. Im historischen Vergleich seien dies weiterhin starke Ergebnisse, auch wenn andere Regionen temporär höhere Renditen erzielten. Aus Sicht europäischer Anleger fiel die Bilanz dennoch verhaltener aus.

Tanilas führte die schwächere Performance in Euro vorwiegend auf den schwachen US-Dollar zurück. Hinzu kamen wachsende Zweifel an der Nachhaltigkeit der KI-getriebenen Kursrallye einzelner US-Technologiewerte. „Es besteht eine überdurchschnittlich hohe Wahrscheinlichkeit, dass es für in Euro rechnende Investoren auch in den kommenden Jahren schwierig bleibt, am US-Markt überdurchschnittliche Renditen zu erzielen“, sagte Tanilas.

Verschiebungen zwischen Regionen und Sektoren

Der KI-Boom und die im Jahresverlauf dominierenden handelspolitischen Spannungen führten laut Janson dazu, dass Investoren verstärkt nach stabileren und günstiger bewerteten Anlagemöglichkeiten suchten. Dies erhöhte das Interesse an alternativen Märkten und an Sektoren jenseits der großen US-Technologiewerte.

Danil verwies darauf, dass zahlreiche asiatische Unternehmen inzwischen eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von KI-Technologien spielen. Diese Verschiebung habe begonnen, Kapitalströme von US-Unternehmen hin zu internationalen Technologiekonzernen umzulenken.

In den Schwellenländern sieht Danil weiterhin Potenzial, Bewertungsunterschiede gegenüber den USA schrittweise abzubauen. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sich technologische Fortschritte auch in stabilen Unternehmensgewinnen niederschlagen.

Novo Nordisk als Beispiel für sektorale Risiken

Während technologische Wachstumstreiber viele Märkte stützten, zeigte das Börsenjahr 2025 auch die Risiken hoher Indexkonzentration. Der deutliche Kursrückgang der Novo-Nordisk-Aktie wirkte sich spürbar auf Investoren mit stark fokussierten Engagements im Pharmasektor aus.

Nach Einschätzung von Sander Danil war der Kursverfall primär auf den verschärften Wettbewerb im globalen Markt für Medikamente zur Gewichtsreduktion zurückzuführen. Ein direkter Zusammenhang mit der gesamtwirtschaftlichen Lage in Europa bestehe nicht.

Trotz des starken Rückgangs gilt die Aktie aus Expertensicht inzwischen als moderat bewertet. Danil sieht nach der Korrektur wieder Spielraum für eine stabilere Entwicklung, sofern sich das Wettbewerbsumfeld nicht weiter zuspitzt. Tarmo Tanilas ergänzte, dass politische Unsicherheiten und regulatorische Erwartungen 2025 auch andere defensive Branchen belastet hätten. Dies habe die Volatilität erhöht und sektorale Unterschiede verstärkt.

Wenn Börsenindizes ökonomische Realitäten verzerren

Aktienindizes bilden nicht zwangsläufig reales Wirtschaftswachstum ab. Häufig spiegeln sie Währungseffekte, Inflationsdynamiken oder rechnerische Verzerrungen wider. Ein extremes Beispiel lieferte Venezuela. Dort stieg der Aktienindex in lokaler Währung um nahezu 100 Prozent, während er in Euro gerechnet infolge einer Währungsreform um mehr als 60 Prozent einbrach. Damit verzeichnete Venezuela weltweit die schwächste Performance des Jahres.

Auch Argentinien zählte nach einem starken Vorjahr zu den größten Verlierern. Der Einbruch markiert den schmerzhaften Übergang zu den Reformen von Präsident Javier Milei. Der Rückgang der Binnennachfrage, die Aufhebung staatlicher Subventionen sowie die fortgesetzte Abwertung des Peso gegenüber dem Euro ließen frühere inflationsgetriebene Kursgewinne weitgehend verpuffen.

Was die globalen Verschiebungen für Deutschland bedeuten

Für den deutschen Kapitalmarkt verdeutlichen die Entwicklungen des Börsenjahres 2025, wie stark technologische Umbrüche, sektorale Abhängigkeiten und Währungsbewegungen die internationalen Renditeverhältnisse prägen. Während KI-getriebene Märkte in Asien an Dynamik gewinnen, bleiben Europa und die USA differenziert gefordert.

Für Deutschland ergibt sich daraus eine strategische Aufgabe. Gelingt es, technologische Innovationen wie KI stärker in Industrie, Mittelstand und Kapitalmarkt zu integrieren und zugleich Klumpenrisiken zu vermeiden, könnten stabile Bewertungen und industrielle Substanz langfristig an Attraktivität gewinnen.

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Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

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