Finanzen

Privatökonomie verbessern: Warum viele Haushalte jeden Monat Geld verschenken

Haben Sie Ihre Finanzen im Griff? Oft verstecken sich unnötige Kosten, ungenutzte Chancen und falsche Entscheidungen direkt im Alltag. Wer seine Privatökonomie systematisch überprüft, kann überraschend viel Geld sparen und langfristig Vermögen aufbauen.
18.03.2026 14:58
Lesezeit: 4 min
Privatökonomie verbessern: Warum viele Haushalte jeden Monat Geld verschenken
Kleine Veränderungen können große finanzielle Effekte haben. (Foto: ChatGPT)

Privatökonomie verbessern: Warum kleine Anpassungen große Wirkung entfalten

Große finanzielle Umbrüche sind selten der entscheidende Faktor für eine stabile Privatökonomie. Häufig sind es vielmehr kleinere Anpassungen im Alltag, die langfristig einen deutlichen Unterschied machen. Dennoch überprüfen viele Menschen ihre persönliche Finanzlage nur selten vollständig. Dabei kann bereits eine gründliche Analyse der eigenen Einnahmen und Ausgaben erhebliches Sparpotenzial offenlegen. Louise Aggerstrøm Hansen, Privatökonomin und Chefanalystin bei der Danske Bank, sowie Camilla Schjølin, Privatökonomin beim dänischen Finanzkonzern PFA, erläutern gegenüber den DWN-Kollegen vom dänischen Finanzportal Børsen, wie Haushalte ihre Privatökonomie gezielt optimieren können.

Regelmäßig Ausgaben prüfen

Ein erster Schritt besteht darin, sämtliche regelmäßigen Ausgaben systematisch zu überprüfen. Nach Ansicht von Camilla Schjølin ist ein klarer Überblick über die eigenen Kosten die Grundlage jeder finanziellen Optimierung. "Das kostet leider Zeit und kann durchaus mühsam sein. Aber es lohnt sich durchzuhalten, denn die Einsparmöglichkeiten sind oft erheblich. Sobald der Überblick geschaffen ist, kann man gezielt optimieren", sagt sie.



Schon eine tägliche Einsparung von etwa 4 Euro summiert sich auf mehr als 1.300 Euro im Jahr. Wer dieses Geld stattdessen langfristig investiert, zum Beispiel in einen ETF-Sparplan mit einer monatlichen Sparrate von über 100 Euro, kann nach 45 Jahren ein Vermögen von rund 270.000 Euro erreichen, inflationsbereinigt. Schjølin weist darauf hin, dass sich Einsparpotenziale häufig in kaum genutzten Abonnements, selten überprüften Versicherungsverträgen oder spontanen Alltagskäufen verbergen.

Aktiv werden und Einnahmen erhöhen

Neben Einsparungen auf der Ausgabenseite können auch zusätzliche Einnahmen die Privatökonomie deutlich verbessern, etwa niedrigere Stromrechnungen, Steuererleichterungen oder staatlichen Ausgleichszahlungen. "Man sollte aktiv entscheiden, wofür dieses zusätzliche Geld eingesetzt wird", sagt Louise Aggerstrøm Hansen. Vor allem steuerliche Änderungen sorgen bei vielen Arbeitnehmern für höhere Nettoeinkommen. Wer seine Einnahmen aktiv erhöhen möchte, kann verschiedene Wege nutzen.

Dazu gehören beispielsweise eine Ausweitung der Arbeitszeit, ein Jobwechsel oder zusätzliche Qualifikationen zur Verbesserung der eigenen Arbeitsmarktposition. Auch eine Gehaltsverhandlung kann sich langfristig positiv auf die finanzielle Situation auswirken. Darüber hinaus empfiehlt Schjølin zu prüfen, ob vorhandene Vermögenswerte zusätzliche Einnahmen generieren können. Möglichkeiten sind etwa die Vermietung eines Fahrzeugs oder einer Immobilie.

Immobilienkreditmodell anpassen

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Finanzierung von Wohneigentum. Nach einer Phase starker Schwankungen haben sich die Hypothekenzinsen inzwischen stabilisiert. Dennoch kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob das bestehende Immobilienkreditmodell weiterhin optimal ist. Zugleich sind die Immobilienpreise, insbesondere im Großraum Kopenhagen, im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Viele Eigentümer verfügen daher über eine höhere Eigenkapitalquote beziehungsweise über mehr Eigenkapital in ihrer Immobilie. Eine niedrigere Beleihungsquote kann unter Umständen zu günstigeren Kreditkonditionen führen. Dafür ist jedoch meist eine neue Immobilienbewertung sowie eine Umschuldung erforderlich.

Zudem kann es sinnvoll sein, mehrere Kredite zusammenzulegen, wenn unterschiedliche Darlehen bestehen. Nach Angaben von Louise Aggerstrøm Hansen empfehlen Finanzberater häufig, zum Zeitpunkt des Renteneintritts eine Beleihungsquote von etwa 40 bis 60 Prozent des Immobilienwerts anzustreben. Camilla Schjølin betont zugleich, dass es nicht zwingend optimal ist, vollständig schuldenfrei zu sein. Liegt die Restschuld bei weniger als etwa der Hälfte des Immobilienwerts, kann es sinnvoll sein, Tilgungspausen zu vereinbaren und stattdessen verstärkt Vermögen über Investitionen oder Altersvorsorge aufzubauen.

Privatökonomie verbessern: Steuern, Altersvorsorge und Vermögensaufbau strategisch planen

Steuerdaten überprüfen

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die regelmäßige Überprüfung der Steuerdaten. Wenn der Steuerbescheid eintrifft, bietet sich eine gute Gelegenheit, auch die Vorausberechnung für das kommende Jahr zu kontrollieren. Änderungen in der persönlichen Situation wie ein neuer Job, eine Gehaltserhöhung, eine Scheidung oder ein Immobilienkauf sollten unbedingt berücksichtigt werden. "Auf diese Weise stellt man sicher, dass bereits während des Jahres die korrekte Steuer gezahlt wird", erklärt Louise Aggerstrøm Hansen. Zudem sollten Steuerzahler alle verfügbaren steuerlichen Abzugsmöglichkeiten nutzen, um laufend mehr verfügbares Einkommen zu erhalten. Auch kleine Anpassungen in der Altersvorsorge können langfristig große Auswirkungen haben. "Unabhängig davon, ob noch viele oder nur wenige Jahre bis zum Ruhestand verbleiben. Wer die richtige Form der Altersvorsorge wählt und das Kapital sinnvoll investiert, kann langfristig erhebliche Summen sparen", sagt Hansen.

Sicherheitspuffer aufbauen

Angesichts zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit raten Experten zudem zum Aufbau eines finanziellen Sicherheitspuffers. "Wer jeden Monat sein gesamtes Einkommen ausgibt, kann bereits durch steigende Strompreise oder unerwartete Ausgaben in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Deshalb sollte man regelmäßig kleinere Beträge zurücklegen", sagt Hansen. Als Faustregel empfiehlt sie eine Liquiditätsreserve in Höhe von zwei bis drei Monatsgehältern nach Steuern.

Wer dagegen bereits größere Geldbeträge auf dem Konto hat, sollte prüfen, wie dieses Kapital sinnvoll eingesetzt werden kann. Wer sein Geld für mehrere Jahre nicht benötigt, kann häufig höhere Zinsen auf Festgeldkonten erhalten oder Investitionen in Betracht ziehen. Bei langfristigen Anlagen empfiehlt Camilla Schjølin zwei Grundregeln: Erstens eine breite Streuung über viele Unternehmen hinweg. Zweitens möglichst niedrige Kosten.

Ein möglicher Einstieg sind breit gestreute Aktienfonds mit niedrigen Verwaltungsgebühren. Auch steuerlich begünstigte Anlageformen können sinnvoll sein. Je früher Anleger mit dem Investieren beginnen, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt, betont Schjølin. Eine längere Anlagedauer ermöglicht außerdem, etwas höhere Risiken einzugehen.

Absicherung mindestens so wichtig wie Sparen und Investieren

Neben Sparen und Investieren spielt auch die Absicherung gegen unerwartete Ereignisse eine wichtige Rolle. Camilla Schjølin empfiehlt deshalb, frühzeitig eine sogenannte Vorsorgevollmacht zu erstellen. Dieses Dokument erlaubt einer anderen Person, finanzielle und persönliche Entscheidungen zu treffen, falls man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Auch ein Testament kann sinnvoll sein. Eine durchdachte Nachlassplanung kann den Hinterbliebenen erhebliche Vorteile verschaffen.

In vielen Fällen lassen sich Vermögenswerte bereits zu Lebzeiten teilweise steuerfrei verschenken. Darüber hinaus gibt es Freibeträge im Erbrecht, bevor Erben eine Erbschaftsteuer zahlen müssen. Eine professionelle Beratung kann helfen zu klären, wie Vermögen am sinnvollsten übertragen wird. Dabei stellt sich auch die Frage, ob es immer sinnvoll ist, dass ein Ehepartner zunächst den gesamten Nachlass übernimmt und die endgültige Verteilung erst später erfolgt.

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