ETF kaufen leicht gemacht: Der Guide für Anfänger
Ist ein ETF-Sparplan einmal eingerichtet, verursacht er für Anlegerinnen und Anleger kaum noch Aufwand. Die größte Hürde bleibt jedoch oft der Anfang – nämlich das Einrichten selbst. Diese Anleitung zeigt, wie der Start gelingt und worauf man achten sollte, wenn man erstmals einen ETF kaufen möchte.
Immer mehr Menschen beschäftigen sich damit, ihr Geld an der Börse zu investieren. 2025 beispielsweise hielten laut Daten des Deutschen Aktieninstituts 14,1 Millionen Menschen in Deutschland Aktienfonds, ETFs oder Aktien. Das sind 2 Millionen mehr als noch 2024.
Besonders gefragt sind Aktien-ETFs, also börsengehandelte Fonds, die einen Aktienindex abbilden. Doch wer erstmals darüber nachdenkt, einen ETF zu kaufen oder in einen Exchange Traded Fund zu investieren, steht vor einer praktischen Frage: Wie läuft der erste ETF-Kauf eigentlich ab und wie funktioniert der ETF-Handel?
ETF kaufen: Einstieg heute einfacher als früher
Die gute Nachricht: Der Einstieg in den ETF-Handel ist heute einfacher als jemals zuvor. Mit einem Wertpapierdepot, einem passenden Exchange Traded Fund und nur wenigen Klicks können Anleger bereits mit kleinen Beträgen langfristig Vermögen aufbauen und einen ETF kaufen. Trotzdem ist es sinnvoll, die wichtigsten Schritte zu kennen. Denn ein klar strukturierter Plan hilft dabei, typische Fehler beim ETF-Kauf zu vermeiden und mit einem sicheren Gefühl zu starten.
In diesem Ratgeber erfahren Interessierte Schritt für Schritt, wie sie ihr erstes ETF-Investment umsetzen können: von den grundlegenden Überlegungen über die Auswahl eines geeigneten Exchange Traded Fund bis hin zum tatsächlichen ETF kaufen. So wird aus der Idee, Geld anzulegen, ein konkreter erster Schritt im ETF-Handel an der Börse.
Schritt 1: Die persönliche Ausgangssituation klären
"In Aktien-ETFs sollte nur Geld investiert werden, auf das man langfristig verzichten kann", sagt Yvonne Röhling von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Deshalb sollte vor dem ersten ETF-Kauf zunächst Folgendes geprüft werden:
Sind bereits alle existenzbedrohenden Risiken ausreichend abgesichert? Wer beispielsweise noch keine private Haftpflichtversicherung und keine Berufsunfähigkeitsversicherung besitzt, sollte zunächst dafür finanzielle Mittel einplanen. Denn im Ernstfall kann fehlender Versicherungsschutz schnell zum finanziellen Ruin führen.
Sind genügend liquide Rücklagen vorhanden, um bei kurzfristigem Geldbedarf nicht auf Kredite oder bereits investiertes Kapital zurückgreifen zu müssen? Muss etwa das Auto repariert, die Spülmaschine oder das Smartphone ersetzt werden, sollte das Geld dafür verfügbar sein. Rund drei Nettomonatseinkommen sollten dafür auf einem Tagesgeldkonto liegen, empfiehlt der Verhaltensökonom Prof. Hartmut Walz von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Wer diese Reserve noch nicht aufgebaut hat, sollte sich zunächst darauf konzentrieren, bevor er einen ETF kaufen möchte.
Gibt es noch hoch verzinste Schulden aus laufenden Finanzierungen – zum Beispiel für das Auto oder andere Konsumgüter? Dann sollte deren Tilgung Vorrang haben. "Erst dann macht der Vermögensaufbau mit ETFs Sinn", sagt Anlageberater Lennart Burger von der Albrecht, Kitta und Co. Vermögensverwaltung.
Schritt 2: Kassensturz machen
Sind diese Vorüberlegungen abgeschlossen, empfiehlt sich ein ehrlicher Kassensturz, rät Karin Baur von der Stiftung Warentest. Nur so lässt sich feststellen, welcher Betrag monatlich tatsächlich für einen ETF-Kauf oder einen Sparplan zur Verfügung steht.
Dafür sollten sämtliche jährlichen Einnahmen ebenso wie die Ausgaben zusammengerechnet und die Ergebnisse jeweils durch zwölf geteilt werden. In der Gegenüberstellung zeigt sich anschließend, ob ein monatlicher Überschuss vorhanden ist – und wie viel Geld davon regelmäßig in den ETF-Handel oder einen Sparplan fließen kann.
Schritt 3: Anlageziele festlegen und Strategie entwickeln
Nun sollten Anleger ihre Ziele definieren: "Geht es um langfristigen Vermögensaufbau für die Altersvorsorge oder eher um mittelfristige Sparziele?", fragt Lennart Burger. Ebenso wichtig ist die eigene Risikobereitschaft und die erwartete Rendite. Diese Faktoren bestimmen maßgeblich, wie das Kapital auf verschiedene Anlageklassen verteilt wird, wenn Anleger einen ETF kaufen.
Wer eine ausreichend hohe Risikotoleranz besitzt und mindestens zehn Jahre investieren möchte, kann auf reine Aktien-ETFs setzen. Allerdings sollten Anlegerinnen und Anleger sich bewusst sein, dass auch breit gestreute Exchange Traded Funds zeitweise deutlich an Wert verlieren können. Entscheidend ist daher ein langer Anlagehorizont, damit mögliche Buchverluste während der Laufzeit wieder aufgeholt werden können.
Schritt 4: Auswahl eines passenden Depotanbieters
Danach stellt sich die Frage, bei welcher Bank oder welchem Anbieter das Depot eröffnet werden soll. Ohne Depot ist es nicht möglich, ETF-Anteile zu erwerben oder einen ETF kaufen zu können.
Die Wahl des Anbieters hängt vor allem von Kosten und Komfort ab. "Neobroker bieten häufig sehr günstige Konditionen für ETF-Sparpläne und -Käufe und die Benutzeroberflächen sind modern und intuitiv gestaltet", sagt Lennart Burger. Allerdings sei die Produktpalette teilweise begrenzt und persönlicher Service oft kaum vorhanden. Wer jedoch hauptsächlich Standard-ETFs handeln oder regelmäßig einen ETF kaufen möchte und keine Beratung benötigt, findet hier laut Burger häufig ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
"Direktbanken positionieren sich im Mittelfeld", erklärt der Anlageberater. "Sie bieten breitere Produktpaletten, besseren Service und etablierte Online-Banking-Umgebungen." Für viele Anleger, die einen Mix aus moderaten Kosten und Service wünschen, kann das eine gute Lösung sein. "Klassische Hausbanken mit Filialnetz sind häufig die teuerste Option", sagt Burger. Ihr Vorteil liegt in persönlicher Beratung vor Ort, ihr Nachteil in häufig teureren Produkten und höheren Gebühren beim ETF-Kauf.
Schritt 5: Auswahl eines geeigneten ETF
"Den perfekten ETF gibt es nicht", sagt Finanzberater Roland Schmack. "Aber es gibt klare Qualitätskriterien." Ein Exchange Traded Fund sollte möglichst breit über Länder und Branchen hinweg investieren. Außerdem sollte die Gesamtkostenquote (TER) laut Schmack idealerweise unter 0,20 Prozent por Jahr liegen. "Für Einsteiger ist ein breit gestreuter Weltindex wie der MSCI All Countries World Index das Fundament", sagt Schmack. Viele Anleger beginnen genau hier, wenn sie erstmals einen ETF kaufen.
Auch Prof. Walz empfiehlt ETFs, die diesen "echten" Weltindex nachbilden – oder alternativ beispielsweise den FTSE All-World. Nur diese erfüllen seiner Ansicht nach den Anspruch einer wirklich breiten Diversifikation und reduzieren damit das Schwankungsrisiko. "ETFs auf den populären Index MSCI World erfüllen diese Anforderungen nicht", sagt Walz. Kritiker weisen darauf hin, dass in diesem Index US-amerikanische Unternehmen stark übergewichtet sind – sie machen mehr als 70 Prozent des Index aus. Zum Vergleich: Deutsche Unternehmen haben darin lediglich etwa einen Anteil von 2,5 Prozent.
Auf diesem stabilen Fundament können Einsteiger später zusätzliche Bausteine ergänzen – entweder schrittweise oder gleichzeitig. Laut Roland Schmack könnte etwa ein Schwellenländer-ETF (Emerging Markets) eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn Anleger ihren ETF-Handel breiter aufstellen möchten.
Schmack empfiehlt außerdem darauf zu achten, dass der ETF ein Fondsvolumen von mehr als 500 Millionen Euro verwaltet. Das kann helfen, eine vorzeitige Schließung des Fonds zu vermeiden. "Zudem sollte der Fonds die Aktien tatsächlich halten, also physisch replizierend sein", sagt Schmack. Ob der ETF Dividenden automatisch wieder anlegt (thesauriert) oder ausschüttet, hängt von der persönlichen Steuerstrategie und vom Wunsch nach regelmäßigen Auszahlungen ab.
Schritt 6: Einrichten eines individuellen Sparplans
Wer sein Depot eröffnet hat und sich für einen oder mehrere ETFs entschieden hat, die beim Anbieter handelbar sind, kann anschließend einen Sparplan einrichten. So wird automatisch jeden Monat ein fester Betrag investiert und Anleger profitieren vom Durchschnittskosteneffekt. Viele investieren auf diese Weise regelmäßig und können langfristig immer wieder einen ETF kaufen.
Durch Käufe zu unterschiedlichen Kursen – mal höher, mal niedriger – sinkt das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts. Gleichzeitig vermeiden Anleger laut Lennart Burger "emotionale Fehlentscheidungen beim Versuch den Markt zu "timen"".
Schritt 7: Freistellungsauftrag einrichten
Ist der Sparplan eingerichtet, sollte laut Karin Baur noch ein letzter wichtiger Schritt erfolgen: das Einrichten eines Freistellungsauftrags. Dadurch kann verhindert werden, dass Kapitalerträge aus ETFs unnötig besteuert werden.
Denn grundsätzlich dürfen Sparerinnen und Sparer in Deutschland jedes Jahr bis zu 1.000 Euro an Kapitalerträgen je Alleinstehendem oder 2.000 Euro je zusammenveranlagtem Ehepaar steuerfrei erhalten. Dafür müssen sie ihrer Bank mitteilen, ab welcher Höhe an Kapitalerträgen diese Abgeltungsteuer abführen soll. In den meisten Fällen lässt sich das unkompliziert online erledigen. Der Freistellungsauftrag kann auch auf mehrere Banken und Anbieter verteilt werden – etwa wenn gleichzeitig Kapitalerträge aus Fest- oder Tagesgeld entstehen. Wer diesen siebten Schritt vergisst, kann zu viel gezahlte Steuern später auch über die Steuererklärung zurückfordern.
ETF kaufen mit klarem Plan
Wer einen ETF kaufen möchte, profitiert von einer einfachen Struktur und einer klaren Strategie. Wichtig ist zunächst die eigene finanzielle Ausgangslage zu prüfen, Rücklagen zu bilden und teure Schulden zu vermeiden. Anschließend helfen ein passendes Depot, ein breit gestreuter Exchange Traded Fund und ein langfristiger Anlagehorizont dabei, Risiken zu reduzieren. Besonders Einsteiger setzen häufig auf weltweite Indizes, um ihr Portfolio möglichst breit aufzustellen. Mit einem ETF-Sparplan lässt sich außerdem regelmäßig investieren und der Durchschnittskosteneffekt nutzen. Wer diese Grundlagen beachtet, kann den ETF-Handel strukturiert angehen und langfristig Vermögen aufbauen. Geduld, Disziplin und eine langfristige Perspektive bleiben dabei entscheidend.

