Wirtschaft

Ende der Einspeisevergütung: Was sich durch die EEG-Reform bei der Solarförderung ändert

Die Bundesregierung stellt die Förderung von Solarstrom grundlegend um. Das Kabinett hat eine Reform des EEG beschlossen, die private Haushalte, Unternehmen und Investoren betrifft. Doch welche Folgen hat das Ende der Einspeisevergütung für den Ausbau erneuerbarer Energien?
29.07.2026 13:27
Lesezeit: 3 min
Ende der Einspeisevergütung: Was sich durch die EEG-Reform bei der Solarförderung ändert
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU): Die Reform des EEG bringt das Ende der festen Einspeisevergütung. (Bild: KI-Fotomontage via ChatGPT) Foto: Oliver Berg

Einspeisevergütung vor Reform: Kabinett beschließt neues EEG und stellt Solarförderung neu auf

Die Bundesregierung hat eine weitreichende Reform der Energiepolitik auf den Weg gebracht. Das Bundeskabinett beschloss sowohl ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz als auch ein Netzanschlusspaket, nachdem sich Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Umweltminister Carsten Schneider (SPD) nach langen Verhandlungen geeinigt hatten. Hintergrund ist, dass das bisherige Erneuerbare-Energien-Gesetz Ende 2026 ausläuft und die EU-Kommission einer Neuregelung zustimmen muss. Im Mittelpunkt der Reform stehen Änderungen bei der Einspeisevergütung, der Ausbau der Stromnetze sowie eine stärkere Marktintegration erneuerbarer Energien.

Reiche verfolgt mit der Reform vor allem das Ziel, die Kosten der Förderung zu senken. Im Bundeshaushalt 2027 sind dafür rund 16,5 Milliarden Euro eingeplant. Nach Ansicht der Ministerin sind erneuerbare Energien inzwischen "erwachsen" geworden und sollen mehr finanzielle Verantwortung übernehmen. Das EEG solle kein "Rundum-sorglos-Paket" mehr sein, heißt es aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums. Gleichzeitig hält die Bundesregierung am Ziel fest, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 80 Prozent zu steigern.

Neue Regeln für die Einspeisevergütung ab 2027

Ein zentraler Bestandteil der Reform betrifft die Einspeisevergütung für neue Solaranlagen. Ab dem 1. Januar 2027 wird die feste Einspeisevergütung grundsätzlich abgeschafft. Künftig soll überschüssiger Solarstrom direkt am Markt verkauft werden. Für Betreiber kleiner Anlagen gilt jedoch eine Übergangsregelung. Wer zwischen 2027 und 2030 eine neue PV-Anlage installiert, erhält in den ersten 36 Monaten eine befristete Übergangs-Einspeisevergütung. Diese orientiert sich an der bisherigen Förderung, liegt aber um 1 Cent pro Kilowattstunde niedriger.

Für eine Solaranlage bis 10 Kilowatt Peak mit Teileinspeisung würde die Förderung nach bisherigem Recht 7,63 ct/kWh betragen. Nach der Reform sinkt sie auf 6,63 ct/kWh. Anschließend endet die Übergangsregelung und die Betreiber müssen vollständig in die Direktvermarktung wechseln. Ergänzend ist ein Direktvermarktungsbonus von 1,5ct/kWh vorgesehen, der maximal 48 Monate gezahlt werden kann. Er gilt für Anlagen mit weniger als 25 kW Leistung und soll die zusätzlichen Vermarktungskosten ausgleichen.

Ende der Einspeisevergütung kommt schrittweise

Mit dieser Neuausrichtung verbindet die Bundesregierung das Ende der Einspeisevergütung in ihrer bisherigen Form. Die Übergangsregelung wird zudem schrittweise eingeschränkt. 2027 können Anlagen mit weniger als 50 kW davon profitieren, 2028 nur noch Anlagen unter 25 kW und 2029 ausschließlich Kleinstanlagen bis 7 kW. Damit soll der Wechsel in die Direktvermarktung beschleunigt werden. Das Ende der Einspeisevergütung markiert damit einen grundlegenden Wandel der Förderlogik.

Auch beim Betrieb neuer Solaranlagen gelten künftig strengere Vorgaben. Neu installierte Anlagen dürfen ab 2027 dauerhaft höchstens 50 Prozent ihrer Leistung in das öffentliche Netz einspeisen. Wer den Strom vollständig selbst verbraucht oder speichert, kann die volle Leistung nutzen. Für Balkonkraftwerke mit maximal 2 kW gilt diese Begrenzung nicht. Allerdings profitieren sie auch nicht von der Übergangsregelung der Solarförderung. Überschüssiger Strom wird in diesem Fall unentgeltlich eingespeist.

Einspeisevergütung-Reform soll teure Netzengpässe vermeiden

Neben der Reform der Einspeisevergütung sieht das Gesetz umfangreiche Änderungen beim Ausbau der Stromnetze vor. Hintergrund sind steigende Redispatch-Kosten, weil Wind- und Solaranlagen regelmäßig gedrosselt oder abgeschaltet werden müssen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien soll deshalb künftig stärker mit dem Netzausbau synchronisiert werden. Trotz Fortschritten dauere die Umsetzung neuer Stromleitungen häufig acht bis zwölf Jahre. "Der Netzausbau kann somit häufig nicht mit dem Anlagenzubau Schritt halten", heißt es im Gesetzentwurf.

Künftig sollen Netzbetreiber Regionen mit besonders starken Engpässen als kapazitätslimitiert ausweisen. Dort wird die Entschädigung für Abschaltungen neuer Anlagen begrenzt. Der Ausfall wird auf zehn bis 20 Prozent des Jahresertrags gedeckelt. Gleichzeitig sollen Netzbetreiber verpflichtet werden, ihre Kapazitäten transparenter darzustellen und digitale Prozesse einzuführen. Außerdem sollen Wind- und Solarparks leichter gemeinsam mit Batteriespeichern errichtet werden. Für Anlagen mit Speicher gelten die Beschränkungen in kapazitätslimitierten Gebieten nicht.

EEG-Reform: Wind- und Solarparks erhalten neues Fördersystem

Auch große Wind- und Solarparks müssen sich auf neue Förderbedingungen einstellen. Statt des bisherigen Systems kommen ab 2027 zweiseitige Differenzverträge zum Einsatz. Betreiber müssen Übergewinne bei hohen Strompreisen teilweise mit Netzbetreibern teilen. Bei niedrigen Strompreisen können sie im Gegenzug einen Mindesterlös erhalten. Alternativ bleiben Power-Purchase-Agreements mit einzelnen Stromabnehmern möglich.

Die Reaktionen auf die Reform fallen unterschiedlich aus. Der BDEW begrüßt die Grundidee, fordert aber mehr Transparenz bei der Ausweisung kapazitätslimitierter Gebiete. Der Chemie- und Pharmaverband VCI lobt den Kurswechsel. Wolfgang Große Entrup sagt: "Endlich schaut die Bundesregierung mit einem realistischen Blick auf die Energiewende. Es ging viel zu lange nur um ungezügeltes Wachstum der Erneuerbaren." Verbrauchervertreter und Teile der Solarbranche kritisieren dagegen die Kürzungen bei der Solarförderung. Sie befürchten, dass Direktvermarktung noch nicht ausreichend etabliert ist und Investitionen in eine PV-Anlage erschwert werden. Das EEG sowie das Netzpaket sollen nach der Sommerpause im September Bundestag und Bundesrat passieren und müssen anschließend noch von der EU genehmigt werden.

Förderpolitik für erneuerbare Energien mit weitreichenden Folgen

Die beschlossene Reform markiert einen grundlegenden Wandel der deutschen Förderpolitik für erneuerbare Energien. Während die Bundesregierung auf mehr Marktintegration, geringere Kosten und einen besseren Gleichklang von Netz- und Anlagenausbau setzt, sehen Kritiker erhebliche Risiken für Investitionen und den weiteren Ausbau von Solar- und Windenergie. Besonders das Ende der bisherigen Einspeisevergütung für neue Solaranlagen sorgt für kontroverse Diskussionen. Ob die neuen Regelungen tatsächlich zu niedrigeren Systemkosten und einer effizienteren Energiewende führen oder den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen, wird sich nach dem geplanten Inkrafttreten ab dem 1. Januar 2027 zeigen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

avtor1
Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland erzielt mit Europas Energiekäufen Einnahmen von rund 322 Milliarden Euro
13.10.2026

Europa will seine Energieabhängigkeit von Russland beenden. Doch trotz Sanktionen fließt weiterhin eine große Menge Kapital nach Moskau....

DWN
Finanzen
Finanzen Rente 2026: Fast 2.000 Euro? Für die meisten ein Traum – 5 Zahlen zeigen die Realität
13.10.2026

Die Politik verweist auf ein stabiles Rentenniveau und knapp 2.000 Euro Standardrente. Doch amtliche Zahlen zeigen: Das ist ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland baut neue Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover – aber erst 2050
13.10.2026

Überlastete Strecke: Zwischen Hamburg und Hannover fahren täglich rund 200 Güterzüge, dazu ICE- und Regionalzüge. Staus und...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Hat Trump den größten Fehler der USA begangen?
13.10.2026

Donald Trump wollte Iran in die Knie zwingen. Stattdessen gerät die amerikanische Supermacht selbst unter Druck. Der Krieg verschlingt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Präsentismus: Wenn Mitarbeiter trotz Krankheit arbeiten 
13.10.2026

Mit Halskratzen aufgewacht und dennoch zur Arbeit gegangen, „weil es ja nicht so schlimm ist“. Viele Beschäftigte neigen dazu, trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nel ASA-Aktie hebt ab: Kooperation mit Rheinmetall bei E-Fuels treibt Pennystock nach oben
13.10.2026

Nel ASA und Rheinmetall wollen bei dezentraler Produktion synthetischer Kraftstoffe zusammenarbeiten. Die norwegische Wasserstoff-Aktie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau in Deutschland: Angebot an Zeitarbeit schrumpft
13.10.2026

Früher war Zeitarbeit ein boomendes Geschäft: 2017 arbeiteten noch mehr als eine Million Deutsche als Zeitarbeiter. Heute kämpft...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation steigt auf über 3 Prozent
13.10.2026

Die Energiepreise treiben die Inflation in Deutschland auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren: Im September verteuerten sich Waren...