Finanzen

BMW-Aktie unter Druck: Anlegern reicht BMW-Stellenabbau offenbar nicht aus – BMW-Zahlen stehen an

BMW galt lange als Ausnahme unter den deutschen Autobauern. Nun folgt ein BMW-Stellenabbau, der Münchener Autobauer verschärft seinen Sparkurs. Gleichzeitig warten Anleger auf die BMW-Halbjahreszahlen. Kann das Unternehmen das Vertrauen der Börse zurückgewinnen? Sollten Anleger jetzt die BMW-Aktie kaufen?
29.07.2026 11:57
Aktualisiert: 29.07.2026 11:57
Lesezeit: 3 min
BMW-Aktie unter Druck: Anlegern reicht BMW-Stellenabbau offenbar nicht aus – BMW-Zahlen stehen an
BMW-Aktie: Auch der Münchener Autobauer startet ein Stellenabbauprogramm. (Bild: DPA) Foto: Sven Hoppe

BMW-Aktie aktuell unter Druck: BMW streicht weltweit 8.000 Stellen und setzt auf Kostendisziplin

Die BMW-Aktie gerät nach Berichten über ein umfassendes Stellenabbauprogramm unter Druck. Als letzter großer deutscher Autobauer hat BMW einen weitreichenden Personalabbau angekündigt. Weltweit soll es einen BMW-Stellenabbau geben, rund 8.000 Jobs sollen wegfallen. Der Konzern will den Abbau über natürliche Fluktuation sowie ein freiwilliges Abfindungsprogramm in Deutschland umsetzen. Im XETRA-Handel verlor die im DAX notierte DAX-Wert zeitweise 0,6 Prozent auf 59,20 Euro. Für Anleger rücken damit neben dem BMW-Aktienkurs vor allem die anstehenden BMW-Zahlen in den Fokus.

Abfindungsprogramm soll bis Ende 2027 laufen

Das Abfindungsprogramm soll von Oktober 2026 bis Ende 2027 laufen und sich an alle Beschäftigten in Deutschland außerhalb der direkten Produktion richten. Mehr als die Hälfte der knapp 154.000 BMW-Mitarbeiter arbeitet in Deutschland – zum Halbjahr waren es gut 84.000. Deshalb gilt es als wahrscheinlich, dass am Ende auch mehr als die Hälfte der wegfallenden Stellen auf Deutschland entfällt. BMW äußerte sich zunächst nicht zu den Plänen.

Bereits seit Mitte Juni war über ein Stellenabbauprogramm spekuliert worden. Damals musste der erst einen Monat zuvor vom Produktionsvorstand zum Konzernchef aufgestiegene Milan Nedeljkovic eine deutliche Gewinnwarnung aussprechen. Zugleich kündigte der Konzern an, "die laufenden Kostensenkungen durch weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen intensivieren und beschleunigen" zu wollen.

BMW-Konzernchef Milan Nedeljkovic: "Viel abverlangt"

Nach Angaben von Teilnehmern einer Betriebsversammlung sagte Konzernchef Milan Nedeljkovic: "Mir ist bewusst, dass die nächste Zeit von uns allen viel abverlangen wird. Doch wir müssen sicherstellen, dass unser Unternehmen wieder profitabler und wettbewerbsfähiger wird."

Zugleich kündigte er organisatorische Veränderungen an. BMW werde "auf allen Managementebenen Organisationseinheiten zusammenführen und mehr Verantwortung in die Hände der wertschöpfenden Bereiche geben". Weiter sagte Nedeljkovic: "Nur so kehren wir wieder zu dem zurück, was BMW immer ausgezeichnet hat: Unternehmerisches Handeln mit hoher Eigenverantwortung."

Er verwies zudem auf die schwierigen Rahmenbedingungen der Branche: "von einer substanziellen Veränderung der Spielregeln unserer Industrie und damit der Grundlage unseres Geschäftsmodells". Außerdem kritisierte er: "Das ist auch eine Folge marktferner politischer Zielvorgaben. Und weder der Protektionismus noch die gravierenden Marktveränderungen werden wieder verschwinden. Daher müssen wir jetzt - schnell und konsequent - unsere Strukturen und Prozesse verschlanken und unsere Kostenposition deutlich verbessern."

Sechs Wochen relativ geräuschlose Gespräche

Der Gesamtbetriebsrat hatte nach der Gewinnwarnung "unverzügliche und verbindliche" Gespräche gefordert. Diese wurden innerhalb von sechs Wochen abgeschlossen. Das Abfindungsprogramm soll nach Unternehmensangaben nicht selektiv sein und allen Mitarbeitern außerhalb der Produktion offenstehen – damit mehreren zehntausend Beschäftigten.

Noch offen ist, welche Kosten der Personalabbau verursacht. Die Belastungen sollen erst im zweiten Halbjahr anfallen. Finanzchef Walter Mertl hatte bereits im Juni erklärt, dass im Zuge der Restrukturierung Einmalbelastungen von rund einer Milliarde entstehen werden. Ob diese Summe vollständig auf den Personalabbau entfällt, blieb ebenso offen wie die Höhe der geplanten Einsparungen.

Lange ohne Abbauprogramme

Lange war BMW der einzige große deutsche Autobauer ohne umfangreiches Stellenabbauprogramm. Volkswagen, Mercedes, Audi und Porsche hatten bereits im vergangenen Jahr Stellenstreichungen angekündigt – teilweise in deutlich größerem Umfang. Im Volkswagen-Konzern wird bereits über eine zweite Runde diskutiert, während Porsche erst in dieser Woche den Wegfall weiterer 5.000 Stellen angekündigt hat. Auch zahlreiche Zulieferer bauen Personal ab.

Die gesamte deutsche Autoindustrie leidet unter dem Einbruch des chinesischen Marktes, zunehmendem Konkurrenz- und Preisdruck sowie den US-Zöllen. Hinzu kommen die wachsende chinesische Konkurrenz auf dem Weltmarkt und die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten auf die globale Konjunktur.

Auch BMW kann sich dieser Entwicklung nicht entziehen. In Unternehmenskreisen wird zudem darauf verwiesen, dass der Konzern erhebliche Investitionen in die Entwicklung der Neuen Klasse vorgenommen hat. Bereits im vergangenen Jahr hatte BMW erklärt, dass die Entwicklungskosten anschließend wieder sinken sollen – offenbar auch beim Personal.

Die IG Metall Bayern reagierte zurückhaltend. Bezirksleiter Horst Ott sagte: "BMW reagiert jetzt auf den wegbrechenden Markt in China und arbeitet parallel daran, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte zu stärken." Zudem betonte er, dass der Abbau "mit den Instrumenten der Betriebsparteien" erfolge und tarifvertragliche Regelungen nicht zur Disposition stünden.

Belegschaft schrumpfte bereits vor dem BMW-Stellenabbauprogramm

Der Personalabbau hatte bereits vor dem aktuellen Programm begonnen. Von Mitte 2025 bis Mitte 2026 verringerte sich die Zahl der Beschäftigten um rund 2.000. Auch die Prognose für 2026 sah bereits einen leichten Rückgang vor.

Ein Stellenabbau in dieser Größenordnung ist für BMW allerdings nicht beispiellos. Anfang 2008 kündigte der damalige Konzernchef Norbert Reithofer einen Abbau ähnlicher Dimension an. Bis Ende 2010 sank die Beschäftigtenzahl sogar um mehr als 10.000 auf damals 95.000. Danach wuchs die Belegschaft wieder deutlich. Angesichts der aktuellen Branchenaussichten erscheint eine ähnliche Entwicklung jedoch eher unwahrscheinlich.

BMW-Aktie: Blick der Anleger geht auf BMW-Halbjahreszahlen

Für Anleger rücken nun die anstehenden BMW-Zahlen in den Mittelpunkt. Am Donnerstag legt der DAX-Wert seine Halbjahreszahlen vor – die ersten, an denen Nedeljkovic als Konzernchef zumindest teilweise beteiligt ist. Nach der Gewinnwarnung im Juni, rückläufigen Absatzzahlen und den schwachen Ergebnissen der Konkurrenz dürfte insbesondere der BMW-Aktienkurs genau beobachtet werden. Entsprechend steht die BMW-Aktie ebenso im Fokus wie die Frage, ob das Sparprogramm die Profitabilität nachhaltig verbessern kann. Für Investoren bleibt die BMW-Aktie damit eines der meistbeachteten Papiere der deutschen Automobilbranche.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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